Blödelbarde Otto ist lustiger als vermutet

Konzerthaus Dortmund

Wer alt genug ist, erinnert sich, wie Otto Waalkes Pausengespräch in der Schule war. Keckernde Lache, fahrige Rollenwechsel, Doofgesicht, Kalauersketche: "Der Kutscher kennt den Weg", "Der Fön war ein verzauberter Rasierapparat", "Nur Pornosan enthält Sanoporn".

DORTMUND

, 23.04.2017, 13:43 Uhr / Lesedauer: 1 min
Blödelbarde Otto ist lustiger als vermutet

Er zählt 68 Jahre und ist noch immer der alte Scherzkeks: Otto Waalkes, Pate unserer Comedians.

Für ihn wurde das Etikett "Blödelbarde" geprägt, als juxender Bruder Leichtfuß wurde Waalkes zum Paten der heutigen Comedians. Am Freitag hatte Otto den ersten von drei Auftritten im Dortmunder Konzerthaus. Siehe da: Der Markenkern des Spaßmachers vom Deich ist unverändert und bringt die Leute zum Lachen wie früher.

Viele umgetextete Lieder

"Holdrio again!" heißt das Programm, da steckt ein verballhornter Howard Carpendale drin, eines von vielen Liedern, die Waalkes umgetextet hat, um den Großteil des Abends damit zu bestreiten. Auf der Gitarre spielt er die Akkorde an, singt eine erste Zeile, sofort steigt das Publikum ein.

Andrea Berg, Matthias Reim, Marianne Rosenberg. "Was geht ab? Eweribadi!", prompt übernimmt der Saal-Chor. Otto verbiegt Udo Jürgens ("Friesischer Wein"), Reinhard Mey, Peter Maffay, AC/DC ("Erst auf dem Heimweg wird’s hell").

Jeder Gassenhauer löst Mitklatschen aus. Die Leute quaken wie Kröten, heulen wie die Wölfe, Ottos Wunsch ist ihnen Befehl. Man darf sagen, sie fressen ihm aus der Hand. Ein dankbares Publikum feiert sich selbst, nach dieser Definition von Entertainment ist Waalkes ein Großer.

Veritabler Gitarrist

Er zeigt sich als veritabler Gitarrist, lädt wieder zum Sprachkurs ("English for Followers, Englisch für Vollpfosten"), spielt Handpuppen mit Faultier Syd und Ottifant, zerfitzelt Kohl, streut Mehl in die erste Reihe, gibt den Pantomimen und Geräuschemacher.

Leichte Muse, flott serviert, kurzweilig, lustiger als vermutet. In den besten Momenten nämlich grinst uns ein kindlich anarchischer Schalk an, der den Ernst des Lebens seit 45 Jahren in Grund und Boden lacht.