Blogger dokumentieren den Abriss des Opel-Werks

"Schicht im Schacht"

Meter für Meter arbeiten sich die Abrissbagger voran und zermalmen das ehemalige Opel-Werk an der Wittener Straße. Schon in wenigen Jahren wird kaum noch etwas an den Autobauer erinnern - zumindest nicht analog. Im Internet aber baut gerade ein Ex-Opelaner sein eigenes Archiv der Werksgeschichte auf.

BOCHUM

, 02.08.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Damit die Geschichte Opels in Bochum nicht ganz in Vergessenheit gerät, dokumentiert ein Ex-Opelaner den Abriss im Internet. „Schicht im Schacht“, heißt sein Projekt – und das ist seine Geschichte: „42 Jahre und 140 Tage habe ich bei Opel gearbeitet“, sagt Dieter Link-Stern. Angefangen mit einer Lehre als Betriebsschlosser, wurde er später in verschiedenen Bereichen des großen Automobilwerks eingesetzt, machte eine Meisterausbildung, arbeitete im Facility Managment – bis das Werk Ende 2014 geschlossen wurde.

„Das ist total traurig, denn die Menschen haben gerne hier gearbeitet“, sagt er. Auch deshalb will er die letzten Tage des Opel-Werks dokumentieren. Denn auch er mochte es dort, auch wenn er sich jetzt damit abgefunden habe, nicht mehr im Opel-Werk zu arbeiten.

Auf die Idee, den Abriss zu begleiten, kam er im Gespräch mit Kollegen – und auch bedingt durch die eigene Familiengeschichte. „Mein Vater war Bergmann in Langendreer, aber von der Zeche sieht man heute kaum noch etwas.“

Nicht in Vergessenheit geraten lassen

So wird es auch irgendwann dem Opel-Werk ergehen. Die industrielle Geschichte des Geländes, das erst eine große Zeche, dann das Opel-Werk war und nun für Logistikunternehmen, Ausgründungen der Ruhr-Universität und andere moderne Wirtschaftszweige dienen soll, wird in Zukunft nur in Dokumenten nachvollziehbar sein – und die wollen Dieter Link-Stern und ein Kollege, der sich um die technischen Aspekte des Blogs kümmert, miterstellen.

„Es ist wichtig, dass das nicht vergessen wird“, sagt Link-Stern und will mit dem Blog ein „Archiv des Opel-Werks“ schaffen, wie er sagt. Noch befindet es sich im Aufbau; sammeln er und sein Kollege Fotos des Abrisses und sichten nach und nach das neue Material: „Es ist wie ein Buch, das immer dicker wird.“

Und daran haben viele Menschen einen Anteil: „Die Solidarität ist wirklich grenzenlos“, sagt er und erzählt von einem Anwohner des Opel-Werks, der selbst den Abriss fotografiert und seine Bilder dann Link-Stern zur Verfügung stellt. Durch viele solcher Kontakte sei das Projekt inzwischen schon zu einem Selbstläufer geworden, sagt er stolz.

Idee für Webcam

Ein paar Stunden investieren er und sein Kollege pro Woche in den Blog. Mehr ginge jedoch auch nicht, denn die beiden betreiben das Projekt rein hobbymäßig. Und doch haben sie sich für die Zukunft vorgenommen, das Projekt noch weiter auszubauen.

Mehr Fotos – auch historische aus der Zeit des Baus in den 1960er-Jahren – aus dem Werk will er sammeln. Und vielleicht auch die ganz persönlichen Geschichten der Opelaner: „Interessant wäre es, die Menschen aus den verschiedenen Bereichen des Werkes zu Wort kommen zu lassen“, sagt Dieter Link-Stern.

Zugleich hofft er auf weitere Kooperationen mit Nachbarn und anliegenden Firmen: „Bei einem Unternehmen rund um das Opel-Werk eine Webcam anbringen zu dürfen, wäre für unser Projekt schon toll.“  

Gebaut wurde das Bochumer Opel-Werk zwischen 1930 und 1962. Nach der Schließung des Werks am 5. Dezember 2014 begann im März 2015 der Rückbau der Industrieanlagen. Auf dem Gelände sollen sich Betriebe aus verschiedenen Branchen ansiedeln. Der Blog von Dieter Link-Stern findet sich unter: www.schichtimschacht.eu

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