Blumenkinder im Hansa-Theater

Janis Joplin

Einem Engel das letzte Interview zu geben und noch einmal das ganze, aber sehr kurze Leben Revue passieren zu lassen, das hätte wohl auch Trash-Diva Janis Joplin gefallen.

HÖRDE

von Von Julia Gaß

, 01.11.2010 / Lesedauer: 2 min
Blumenkinder im Hansa-Theater

Christoph Nitz, Inga Strothmüller und Katja Kutz (von links) begeisterten das Premieren-Publikum in Hansa-Theater.

Und Katja Kutz lebt diese Janis mit jeder Faser ihrer Stimmbänder und ihres Körpers, ist eine großartige Sängerin, die sich die Posen der extravaganten, alkohol- und drogenabhängigen Frau ganz genau abgeschaut hat und das „Für-immer-jung-Gefühl“ der Blumenkinder wunderbar auf die Bühne bringt.

Dabei versucht sie nicht die kratzige, rauhe Stimme des „Crying Babe“ zu imitieren, sondern singt die großen Joplin-Hits auf ihre Art, aber mit immer mehr Ekstase. Spätestens bei den ersten großen Club-Erfolgen von Janis Joplin 1961 hat Katja Kutz, etwas blond-gelockter als das Original, den Saal gerockt und das Publikum ins Wunderland geführt.

Christoph Nitz steuert in vielen kleinen Rollen und als Bühnenpartner der Joplin die Country-Stimme bei; Inga Strothmüller verwandelt sich von Janis‘ schüchterner, kleiner Schwester Laura in Freundin Linda und den Engel. Musikalisch sind die drei vor der Live-Band und der Video-Wand, über die Bilder von Janis Joplin flimmern, ein Traum-Trio mit gewaltiger Bühnenpräsenz. Am Schluss summte und sang der ganze Saal – noch auf dem Heimweg auf der Straße. Janis hat alle Zuschauer lang zu Blumenkindern gemacht. Eine Revue, die das Zeug hat, Kult zu werden wie die Sinatra- oder Johnny-Cash-Revue.

 www.hansa-theater-hoerde.de