Bluttat in Recklinghausen: 33-Jähriger gefesselt und zu Tode gefoltert

rnLandgericht Bochum

Im Prozess um den qualvollen Gewalttod eines 33-Jährigen in Recklinghausen hat sich der Druck auf den Angeklagten erhöht. Nach einem Schockvideo belasten ihn jetzt auch weitere Indizien.

Bochum

, 13.07.2020, 18:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Vernehmung zweier Zeugen aus der Drogenszene ist am Montag am Bochumer Schwurgericht der Prozess um die grausame Bluttat in einer Mietwohnung in Recklinghausen fortgesetzt worden. Beide Zeugen hatten kurz nach dem Fund einer gefolterten Männerleiche auffällige Verletzungen aufseiten des 40-jährigen Angeklagten beobachtet - außerdem habe es einen hitzigen Streit mit dem späteren Opfer (33) gegeben.

„Die Stimmung war schon sehr aufgeheizt“, erinnerte sich eine 28-jährige Frau, die sowohl den mutmaßlichen Täter als auch den Getöteten aus der Drogenszene kannte, an eine Szene vom 7. April 2019 am Bahnhof. Das Duo hätte „auf Russisch gestritten“. Die Zeugin: „Ich hatte wirklich Angst, dass die sich gleich an die Gurgel gehen.“

Bestürzung über Tod nur geschauspielert?

Vier Tage später, so die Zeugin weiter, sei ihr dann zufällig an der Bahnhofsunterführung der jetzt Angeklagte begegnet. Die Nachricht vom Gewalttod des 33-Jährigen habe sich zu diesem Zeitpunkt bereits zu ihr rumgesprochen gehabt. „Er hat mich am Arm angefasst, dabei fast geweint und gesagt, er muss mir unbedingt was sagen“, erinnerte sich die Zeugin.

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Konkreter sei er nicht geworden. Erst als sie ihm berichtete habe, dass sie vom Tod des 33-Jährigen bereits gehört hat, habe der Angeklagte plötzlich „so getan, als wäre er bestürzt“. Die Zeugin: „Das habe ich ihm aber nicht abgekauft, das war geschauspielert.“ Aufgefallen seien ihr bei ihm auch blutige „Kratzspuren“ und stark angeschwollene Hände.

An eben solche Verletzungen konnte sich auch ein anderer Zeuge (45) bei einem zufälligen Aufeinandertreffen mit dem Angeklagten am Busbahnhof noch erinnern: „Er hatte blaue Flecken, Kratzer und ein blaues Auge. Außerdem ganz dicke Hände.“ Auch dieser Zeuge berichtete von einem heftigen Streit zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer am 7. April 2019. Dass er – als ebenfalls Ex-Mitbewohner bei dem 33-Jährigen – angeblich sogar zu Beginn des tödlichen Streits mit dabeigewesen sein soll, wies der Zeuge aber von sich.

Handyvideo zeigte Todeskampf

Bereits zum Prozessauftakt am, 20. Mai war der Angeklagte, der zu den Mordvorwürfen schweigt, durch ein Handyvideo, das den Todeskampf des späteren Opfers dokumentiert, schwer belastet worden. Als der 40-Jährige am 16. April 2019 von einer Spezialeinheit der Polizei festgenommen werden konnte, befand sich in seiner Jackentasche ein Handy.

Bei der Auswertung des Mobiltelefons stießen die Ermittler auf zwei Videos mit Zeitstempeln vom 7. April (18.46 und 18.50 Uhr), die mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzten Minuten des späteren Opfers zeigen. Die Dialoge zwischen einem filmenden und einem gefilmten Mann sind auf Russisch. „Du Schweinehund hast versucht mich zu verar....“, lautete ein Satz des filmenden Mannes. „Entschuldige bitte. Bitte ruf‘ einen Krankenwagen. Ich kann nicht mehr. Ich werde jetzt verrecken“, lautete die Antwort des am Boden liegenden Gefilmten – dem späteren Todesopfer. Die extrem verwaschene Aussprache des 33-Jährigen deutet darauf hin, dass er offenbar zu diesem Zeitpunkt bereits völlig entkräftet gewesen ist.

Laut Mordanklage hat der 40-Jährige seinen Bekannten an der Hohenzollernstraße nach einem Streit um Drogen gefesselt, mit einer heißen Glühbirne gequält und mit einem Lampenfuß totgeprügelt. Vor Gericht schweigt er.

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Die Polizei hatte auch in Castrop-Rauxel um Mithilfe bei der Suche nach einer 14-Jährigen aus Recklinghausen gebeten. Nun meldet sie, dass die Jugendliche wieder zu Hause ist.

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