3000 Kilometer mit dem Solarauto durch Australien - Bocholter fährt bei WM mit

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Sie gilt als das härteste Rennen für Solarfahrzeuge – die World Solar Challenge quer durch den australischen Kontinent. Am 13. Oktober startet das Rennen mit dem Bocholter Niko Elsweier.

von Carola Korff

Bocholt

, 10.09.2019, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie gilt als das härteste Rennen für Solarfahrzeuge – die World Solar Challenge einmal quer durch den australischen Kontinent. Alle zwei Jahre messen sich bei diesem Wettbewerb Universitäten und Automobilfirmen aus der ganzen Welt.

Niko Elsweier studiert seit zwei Jahren Maschinenbau in Bochum. „Ich war schon immer ein großer Fan von Autos“, sagt er. Deshalb interessierte er sich früh für das Solar-Team der Hochschule, die seit 2001 regelmäßig an der Weltmeisterschaft in Australien teilnimmt. Bei den wöchentlichen Sitzungen übernahm der 22-Jährige als Mechaniker erst kleinere und dann immer größere Aufgaben. Vor drei Monaten habe er erfahren, dass er zum Team für die World Solar Challenge gehört. „Das ist schon toll – auch weil die Reise komplett gesponsort wird“, sagt er. Vier Wochen wird Elsweier mit der Vor- und Nachbereitung des Wettbewerbs in Australien verbringen – danach macht er noch Urlaub in Neuseeland.

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Elsweiers Platz während des Rennens ist in einem der zahlreichen Begleitfahrzeuge. „Wenn es am Sunriser ein mechanisches Problem gibt, dann hole ich meine Werkzeugkiste und versuche das wieder zu fixen.“ Darüber, dass er wegen seiner Größe von 1,90 Meter nicht selber in dem Solarauto fahren kann, ist Elsweier ganz froh. „Das wurde nur darauf konzipiert, möglichst leicht zu sein – eine Klimaanlage war da nicht eingeplant.“ Daher kann es im Fahrzeug schon mal ziemlich warm werden.

3000 Kilometer mit dem Solarauto durch Australien - Bocholter fährt bei WM mit

Der 22-jährige Niko Elsweier freut sich auf Australien. © Sven Betz

Sechs Fahrer wechseln sich während der Tour auf dem Fahrersitz ab. Die Regeln bestimmen, dass jeder Fahrer 80 Kilogramm wiegen muss. „Wer leichter ist, muss eine Bleiweste tragen“, so Elsweier. Alle anderen Teammitglieder fahren in Mietwagen hinterher. Die Studenten haben sich in Niedervolt-, Hochvolt-, Mechanik- und Strategieexperten aufgeteilt. Auch ein Verpflegungs- und Logistikwagen fährt mit – schließlich müssen Zelte, Isomatten sowie Essen und Trinken für 30 Mann mitgeführt werden. Denn jeden Tag um 17 Uhr ist Rennschluss. Die Teams haben dann nur zehn Minuten Zeit, da einen Schlafplatz zu finden, wo sie gerade sind.

Das Solarauto der Hochschule Bochum ist 2015 schon einmal bei der World Solar Challenge gestartet. Nachdem die Hochschule vor zwei Jahren mit einem anderen Fahrzeug Vizeweltmeister geworden war, soll es nun um den Titel gehen. Mit dem modifizierten Sunriser rechnete man sich die größten Chancen aus. „Der Wagen hat eine größere Batterie bekommen und wiegt dadurch 100 Kilogramm mehr“, berichtet Elsweier. Beim Umbau war es seine Aufgabe als Mechaniker, die Struktur des Fahrzeugs zu stärken. „Wegen der schwereren Batterie mussten wir ein paar Lagen Carbon drüberlegen.“ Die Generalprobe beim Albi Eco Race in Südfrankreich lief gut: Dort rollte der Thyssenkrupp-Sunriser auf Platz zwei.

Inzwischen ist das Fahrzeug schon in Australien. Es war vor zwei Monaten per Seecontainer verschifft worden. Ein Voraustrupp aus Bochum hat den Wagen in Empfang genommen und fährt ihn nun nach Darwin, wo das Rennen startet. Niko Elsweier fliegt am Mittwoch kommender Woche ebenfalls dorthin, um den Wagen auf den Start am 13. Oktober vorzubereiten.

Ob es Solarfahrzeuge irgendwann serienmäßig geben wird? Er hoffe schon, sagt Elsweier. Aber die Umstellung auf Elektroautos werde Jahrzehnte dauern. Er selbst fährt vorerst Fahrrad.

Die Regeln der Solar-Weltmeisterschaft

  • Strecke: Die Teilnehmer der World Solar Challenge fahren auf dem Stuart Highway von Darwin im Norden nach Adelaide im Süden Australiens. Die Strecke ist etwa 3000 Kilometer lang. Das entspricht drei Mal der Entfernung vom äußersten Norden zum äußersten Süden Deutschlands.
  • Dauer: Für das Rennen sind insgesamt acht Tage angesetzt. Der Rekord für die Strecke liegt bei 29 Stunden und 11 Minuten. Die wurden allerdings nicht am Stück gefahren. Das Team aus Bochum rechnet mit fünf bis sechs Tagen.
  • Rennablauf: Die Fahrzeuge sind tagsüber von 8 bis 17 Uhr unterwegs. Punkt 17 Uhr haben die Teams zehn Minuten Zeit, einen Rastplatz für die Nacht zu finden. Dort können sie dann mit Sonnenenergie ihre Batterie aufladen. Am Morgen geht es um exakt so viele Minuten nach 8 Uhr los, wie am Vorabend nach 17 Uhr noch weitergefahren wurde. Das kontrolliert der Funktionär, der jedes Fahrzeug begleitet.
  • Fahrzeugregeln: Die teilnehmenden Autos dürfen sich nur mithilfe von Sonnenenergie fortbewegen. Die Kollektorfläche darf je nach Rennklasse vier beziehungsweise fünf Quadratmeter nicht überschreiten. In diesem Jahr darf erstmals an zwei Stellen Solarstrom aus einer Ladesäule „getankt“ werden.
  • Teilnehmer: Für 2019 sind 98 Teams qualifiziert.
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