Bocholter Mordprozess: Opfer wird mit 35 Messerstichen brutal hingerichtet

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Unfassbar brutale Szenen spielten sich am 8. Februar in Bocholt ab. Ein 21-jähriger Mann wurde eiskalt ermordet. Jetzt schilderte die Gerichtsmedizinerin vor Gericht ihre Sicht der Dinge.

von Ludwig van der Linde

Bocholt

, 26.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Opfer hatte keine Chance, zu überleben. Das bestätigte auf Nachfrage die Rechtsmedizinerin, die am vierten Verhandlungstag im Bocholter Mordprozess vor dem Landgericht Münster aussagte. „Selbst wenn ein Notarzt direkt vor Ort gewesen wäre, hätte er das Leben des jungen Mannes nicht retten können“, betonte die Medizinerin.

Zu schwer seien die massiven Verletzungen gewesen, die der 21-jährige Afghane durch die insgesamt 35 Messerstiche erlitten habe. Letztendlich habe der enorme Blutverlust zum Tod geführt. „Aber auch einige der Stichverletzungen allein wären tödlich gewesen“, sagte die 28-Jährige.

Rechtsmedizinerin untersucht Mordopfer

Sie hatte den Leichnam des Opfers einen Tag nach der Tat, die sich am 8. Februar auf der Yorckstraße ereignete, in Münster obduziert. Sie stellte insgesamt 35 Messerstiche fest, allein 18 davon im Gesicht und am Hinterkopf. Außerdem hatten Stiche Rippen durchtrennt sowie Leber und Lunge durchstochen. „Die Vielzahl der Verletzungen am ganzen Körper spricht für ein dynamisches Geschehen“, sagte die Rechtsmedizinerin.

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Die Stiche seien wohl mit großer Wucht ausgeübt worden, zumal das Opfer auch eine dicke Winterjacke samt Kapuze getragen habe. Über die Reihenfolge der Stiche konnte die Medizinerin nichts sagen.

Wurde der Angeklagte selbst angegriffen?

Sie hatte am gleichen Tag auch die Verletzungen des 33-jährigen Deutsch-Irakers untersucht, der beschuldigt wird, den neuen Freund seiner von ihm getrennt lebenden Frau getötet zu haben. Die Verletzung am Daumen könne durchaus von einer Abwehrreaktion herrühren, sagte die Expertin.

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Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt erklärt, dass er von dem Afghanen mit einem Messer angegriffen worden sei. Die Verletzung könnte er sich aber auch im Kampf mit dem Opfer versehentlich selbst zugefügt haben, sagte die Medizinerin. Das gelte auch für seine Schnittverletzung oberhalb des Knies.

Der Angeklagte ist voll schuldfähig

Der Angeklagte ist voll schuldfähig. Zu dem Schluss kamen die beiden Sachverständigen, die ihre Gutachten vorstellten. Bei den Untersuchungen sei bei dem Deutsch-Iraker weder eine krankhafte seelische Störung, eine tief greifende Bewusstseinsstörung noch eine verminderte Intelligenz festgestellt worden. Auch habe nichts auf eine Persönlichkeitsstörung hingewiesen.

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Als Zeugen wurden gestern auch die Personen vernommen, die als Erstes am Tatort waren und den Notruf absetzten beziehungsweise die Polizei informierten. „Ich habe zuerst gedacht, da liegt ein Betrunkener am Boden“, berichtete ein 16-jähriger Schüler. Er habe zuvor im Haus ein „schmerzhaftes Stöhnen“ von draußen gehört. Deshalb habe er nachgesehen. Doch als er die Blutlachen entdeckte, informierte er seinen Vater.

Weitere Zeugen sagen aus

Der versuchte, das Opfer anzusprechen. Vergeblich. „Sein Gesicht war fast nicht zu erkennen, weil es so blutverschmiert war“, erklärte der 48-jährige Bocholter. Zwei 17-jährige Jugendliche, die sich ebenfalls in einem Haus an der Yorckstraße aufhielten, wollen beim Blick aus dem Küchenfenster im ersten Geschoss eine Person gesehen haben, die weg gerannt sei. „Die andere taumelte über die Straße und ist dann zusammengebrochen“, berichteten sie.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag, 1. September, fortgesetzt. Beginn ist um 9.30 Uhr im Landgericht Münster.

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