Bochum altert unaufhaltsam - aber glücklich

Tag der älteren Generation

„Was wird aus mir, wenn ich 64 bin?“, das fragten sich schon die Beatles in ihrem Hit „When I am 64“. Viele Bochumer können davon mittlerweile selbst ein Liedchen singen – denn auch Bochum liegt voll im demografischen Trend. Pünktlich zum Tag der älteren Generation hat das statistische Landesamt die Bochumer einmal durchgezählt.

BOCHUM

04.04.2013, 07:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mobilität muss nicht zwingend etwas mit Rollatoren zu tun haben: Forscher schwören auf regelmäßige Bewegung, um bis ins hohe Alter fit und beweglich zu bleiben.

Mobilität muss nicht zwingend etwas mit Rollatoren zu tun haben: Forscher schwören auf regelmäßige Bewegung, um bis ins hohe Alter fit und beweglich zu bleiben.

Wissenschaftler benennen zwei Formen des Alterns: Die Kompressions- und die Medikalisierungsthese. Erstere geht von einem körperlichen Abbau in den letzten zwei Lebensjahren aus, letztere sieht die dazu gewonnenen Jahre als Siechtum. Dafür entscheidend sind soziale Schicht, Bildungs- und Aktivitätsniveau. Zu den ältesten Menschen gehören türkische Olivenbauern. Sie bewegen sich viel an der frischen Luft, leben in engen Familienverbänden und pflegen einen eher ruhigen Lebensstil.

 Die ältere Generation ist in NRW zuhause, das legen die Zahlen des statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen nah. 3,6 Millionen NRWler hatten 2011 bereits die 64-Jahre-Marke geknackt. Den höchsten Seniorenanteil mit 30,9 Prozent hat Bad Sassendorf. An der Ruhrgebietsgrenze heißt es derweil: altern in Haltern. In den 70ern waren nur gut 400 Menschen dort über 80 Jahre alt, mittlerweile sind es über 2000.  Auch die Menschen in Bochum werden immer älter – und das hat viele Gründe, weiß Dr. Josef Hilbert, Direktor des Forschungsschwerpunktes Gesundheitswirtschaft & Lebensqualität an der FH Gelsenkirchen: Infektionskrankheiten gehen zurück, die Gesundheitsvorsorge wird besser, dadurch treten Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erst spät im Leben auf. Auch der Straßenverkehr wird immer sicherer. Viele Faktoren, die einer wachsenden Zahl von Menschen ein langes Leben bescheren.  

 Ob die gewonnen Jahre jedoch überhaupt lebenswert sind, darüber forscht Hilbert gemeinsam mit seinen Kollegen an der Ruhr-Universität Bochum. Wer aktiv bleibt, seinem Leben durch ein Ehrenamt oder ein besonderes Hobby einen Sinn verleiht, der erlebt die späten Jahre durchaus als Bereicherung. Schließlich ist das Alter kein Gefängnis – und das scheinen viele „Ruhris“ bereits erkannt zu haben: „NRW hat bei der älteren Generation eine hohe Exportquote“, sagt Hilbert. Viele zöge es in andere Regionen oder ferne Länder. Auch deshalb sollten Politik und Gesellschaft jungen Leuten den Pflegeberuf schmackhaft machen und seniorengerechte Wohnformen finden. „Die Gesellschaft soll sich endlich dazu bekennen, dass es toll ist, eine Gesellschaft des langen Lebens zu sein“, mahnt Hilbert. Lang lebe das lange Leben.   

Wissenschaftler benennen zwei Formen des Alterns: Die Kompressions- und die Medikalisierungsthese. Erstere geht von einem körperlichen Abbau in den letzten zwei Lebensjahren aus, letztere sieht die dazu gewonnenen Jahre als Siechtum. Dafür entscheidend sind soziale Schicht, Bildungs- und Aktivitätsniveau. Zu den ältesten Menschen gehören türkische Olivenbauern. Sie bewegen sich viel an der frischen Luft, leben in engen Familienverbänden und pflegen einen eher ruhigen Lebensstil.