Autos ohne Räder, vergammelte Kleidung: Bochumer Tafel streicht Weihnachtspäckchen

Tafel

Die Tafel in Bochum und Wattenscheid hat in diesem Jahr die Weihnachtspäcken gestrichen. Denn beim Auspacken gab es in den letzten Jahren oft Tränen und lange Gesichter.

Bochum

19.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Autos ohne Räder, vergammelte Kleidung: Bochumer Tafel streicht Weihnachtspäckchen

Schöne Verpackung - aber was ist drin? Bei der Tafel in Bochum-Wattenscheid schämten sich die Tafel-Mitarbeiter manchmal für den Inhalt. © Marcel Drawe

Die Wattenscheider Tafel verabschiedet sich in diesem Jahr von ihrer großen Weihnachtspäckchen-Aktion. „Für die uns überlassenen Päckchen möchten wir uns bedanken. Leider können wir diese Aktion in Zukunft ab 2019 nicht mehr durchführen, weil unser eigentliches Aufgabenspektrum, Bedürftige mit Lebensmitteln zu unterstützen, derart angewachsen ist, sodass diese Aktion von uns nicht mehr geleistet werden kann“, heißt es auf der Internetseite der Tafel in Bochum-Wattenscheid. „Wir bitten Sie deshalb, keine weiteren Päckchen mehr zur Tafel zu bringen.“

Tafel-Mitarbeiter schämten sich

Doch offenbar steckt mehr dahinter. Die WAZ in Bochum berichtet, Bürger hätten in der Vergangenheit immer wieder Pakete mit uralter Kleidung oder kaputtem Spielzeug abgegeben. „Dafür muss man sich schämen“, zitiert die WAZ den Tafel-Vorsitzenden Manfred Baasner.

Bis zu 8000 Geschenkpakete hatte die Tafel in Bochum und Wattenscheid den vergangenen Jahren an Bedürftige verteilt. Doch es sei „unfassbar“ gewesen, was da zum Teil zum Vorschein gekommen sei, so Baasner. Verschmutzte Kleidung, ausgetretene Schuhe, kaputtes Spielzeug - etwa Autos ohne Räder. In die Pakete sei hineingepackt worden, „was sonst wohl auf dem Müll gelandet wäre.“

Die Pakete waren vorher offenbar nicht kontrolliert worden. Fassungslose Gesichter gab es offenbar auch bei den Tafel-Mitarbeitern. Laut WAZ-Bericht hätten sie sich teilweise selbst so geschämt, dass zehn von ihnen frustriert ihre ehrenamtliche Arbeit beendet hätten. Nur fünf seien wieder zurückgekommen.

16.000 Menschen pro Woche werden versorgt

Die Tafel in Bochum hilft nach eigenen Angaben in jeder Woche rund 16.000 Menschen mit bis zu 45 Tonnen Lebensmitteln.

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