Bochum: Goethes Erben bewarben sich erfolgreich für Stipendium

BOCHUM Sie kannten sich vorher gar nicht. Zurzeit merken sie, wie viele Gemeinsamkeiten sie haben. Oleksandr Kandyba (16 Jahre) und Besa Gashi (17) bewarben sich erfolgreich um START-Schüler-Stipendien für begabte Zuwanderer.

von von Jens Lukas

, 15.09.2008, 17:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bewarben sich erfolgreich um START-Stipendien, die u.a. der gemeinnützige Hertie-Stiftung sowie das NRW-Schul- und Bildungsministerium ausschreiben: Oleksandr Kandyba (links) und Besa Gashi vom Goethe-Gymnasium.

Bewarben sich erfolgreich um START-Stipendien, die u.a. der gemeinnützige Hertie-Stiftung sowie das NRW-Schul- und Bildungsministerium ausschreiben: Oleksandr Kandyba (links) und Besa Gashi vom Goethe-Gymnasium.

Nach dem Wechsel von Besa Gashi von der Hans-Böckler-Realschule besuchen beide jetzt das Goethe-Gymnasium - und haben in Physik sowie Sozialwissenschaften sogar gemeinsamen Unterricht. "Ich weiß jetzt auch, dass Oleksandr nur eine Straße weiter wohnt", lacht Besha, die im Jahr 1994 aus dem Kosovo nach Deutschland kam - und Mittelstufenlehrerin für Englisch und Politik oder Übersetzerin werden will.

Oleksandr Kandyba verließ 2005 die Ukraine und übersprang an der Goetheschule gar die 10. Klasse "Mathematik ist meine Passion - alles, was mit Zahlen zu tun hat", erzählt der 16-Jährige, der sich einen Beruf im Finanzwesen erträumt, "Hauptsache, es hat mit Zahlen zu tun."

Ende August wurden die beiden Bochumer Gymnasiasten aus 585 NRW-Bewerbern ausgewählt und reihten sich unter die 78 Stipendiaten ein. Nicht nur durch ihre guten schulischen Leistungen verdienten sie sich die Förderung, sondern auch durch ihre soziale Arbeit in der Schülervertretung sowie als Streitschlichter.

Ihre ersten monatlichen 100 Euro Bildungsgeld der Stiftung haben die beiden bereits angelegt: Besa besuchte ein politisches Seminar und will ihren Schreibtisch daheim zu einem echten Arbeitsplatz umbauen. Oleksandr finanzierte mit diesem Geld seine Schulbücher und hat im Blick, Mathematikkurse an der Universität Duisburg/Essen sowie an der Fernschule zu belegen.

Besa und Oleksandr werden aber nicht nur gefördert, sondern auch gefordert: Sie müssen halbjährlich einen Bericht verfassen und ihr Schuljahreszeugnis beilegen. Zudem gilt es, einen schriftlicher Nachweis über die Verwendung des Bildungsgeldes zu verfassen. Zudem ist die Teilnahme an den Wochenendseminaren und Jahrestreffen sowie regelmäßiger Kontakt der Stipendiaten mit der Stiftung und ihren Partnern Pflicht.

START möchte Zuwandererkarrieren in Deutschland den Weg bereiten - als Ansporn zur Integration, als "Investition in Köpfe" und als positives Signal in unsere Gesellschaft hinein. Damit sollen junge Zuwanderer erfahren, dass sich Leistung in Deutschland lohnt. Und dass es hier eine echte Chance für sie gibt.