Bochumer Anwalt soll Schmerzensgeld zahlen

Keine Klage erhoben

Erst rissen die Kreuzbänder, dann begann eine Tortur: Eine ungewöhnliche Schmerzensgeldklage beschäftigt seit Freitag das Bochumer Landgericht. Eine kniegeplagte Patientin hat ihren Bochumer Ex-Anwalt verklagt. Ihr Vorwurf: "Schlafmützigkeit".

BOCHUM

07.04.2017, 15:32 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Unfall ereignete sich bereits im November 2008. Die Klägerin stürzte damals auf dem Werksgelände ihrer Arbeitsstelle vom Rad und verletzte sich dabei schwer am linken Knie. Diagnose: Kreuzbandriss. In einer Klinik in Gelsenkirchen folgten danach zahlreiche Operationen.

Das vordere Kreuzband wurde erneuert. Dass das hintere Kreuzband jedoch ebenfalls gerissen war, fiel den Ärzten erst später auf. Mit schlimmen Folgen: Die Klägerin leidet bis heute an schmerzhaften Nervenstörungen, kann ihr Knie nicht richtig bewegen und belasten.

Bochumer Rechtsanwalt erhob keine Klage - Ansprüche verjährt

Bereits im Jahr 2009 wandte sich die Klägerin an den jetzt verklagten Rechtsanwalt aus Bochum und beauftragte ihn, die Angelegenheit zu prüfen und gegen die verantwortlichen Gelsenkirchener Ärzte gerichtlich vorzugehen. Nach eigenen Angaben fragte sie in der Folgezeit auch häufiger mal nach, ob es was Neues gibt. Fest steht: Es passierte nichts.

Der Bochumer Anwalt erhob für sie nie eine Klage. Und es kam noch viel schlimmer: Als die kniegeplagte Klägerin im Dezember 2013 schließlich zu einer anderen Anwaltskanzlei ging, waren ihre möglichen Schmerzensgeldansprüche bereits verjährt.

Gute Erfolgsaussichten für Schadensersatzklage

Deshalb verlangt die Frau nun am Bochumer Landgericht Schmerzensgeld und Verdienstausfall von ihrem Bochumer Ex-Anwalt. 78.000 Euro fordern die Klägerin und ihre Rechtsanwältin Christina Schaefer (Dortmund) im Wege des Regresses, außerdem die Übernahme sämtlicher Kosten für mögliche Folgeschäden. Der verklagte Anwalt wiederum wehrt sich und behauptet, dass er das Vorgehen der Ärzte letztlich nicht für falsch gehalten habe und deshalb nicht geklagt habe.

Die Zivilkammer signalisierte am Freitag gute Erfolgsaussichten für die Schadenersatzklage. Nach vorläufiger Einschätzung sei von einem "groben Behandlungsfehler" der damaligen Ärzte auszugehen. Und durch das Verstreichenlassen der Klagefrist sei dafür nun kein Arzt mehr, sondern der Anwalt selbst verantwortlich. Der Prozess wird fortgesetzt.

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