Bochumer bezahlt Stieftochter wie eine Prostituierte

Haftstrafe

Erst schlich er sich nachts in ihr Kinderzimmer, dann bezahlte er sie wie eine Prostituierte: Jahrelang soll ein Pizzabäcker aus Bochum seine Stieftochter sexuell missbraucht haben. Zwar streiten der Angeklagte und die Mutter des Opfer die Vorwürfe ab, das Gericht hatte aber keine Zweifel und verurteilte den Mann.

BOCHUM

18.11.2016, 12:49 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das Mädchen war gerade acht Jahre alt, als es der Angeklagte laut Urteil das erste Mal missbraucht hat, In ihr Tagebuch hatte die Grundschülerin später geschrieben: "Der hat mich begrabscht. Das war voll ekelig." Später sollen immer weitere Übergriffe erfolgt sein - bis hin zum Geschlechtsverkehr.  Dafür soll sogar Geld geflossen sein. Im Prozess hatte die heute 25-Jährige berichtet, dass sie ihre Jungfräulichkeit verkauft habe. Sie habe allerdings auch gedacht, dass ihr das Geld zustehe. Schließlich habe ihr niemand geglaubt, dass sie seit Jahren missbraucht werde. Vor allem die eigene Mutter nicht.

Die Mutter hatte laut Urteil sogar damit gedroht, sie in ein Heim abzuschieben, wenn sie die Vorwürfe gegen ihren Lebensgefährten nicht zurücknehme. "Aus Angst, ihre Familie zu verlieren, hat sie schließlich gesagt, dass ihre Anschuldigungen nicht stimmen", hieß es in der Urteilsbegründung des Bochumer Landgerichts. Danach sei es ihr sehr schwer gefallen, sich überhaupt noch jemanden anzuvertrauen. "Es folgte eine lange Zeit des Schweigens."

Angeklagte bezeichnet die Vorwürfe als "Wunschdenken"

Der Angeklagte selbst hatte im Prozess bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Er warf seiner Stieftochter vor, dreist zu lügen. Die Übergriffe seien frei erfunden. Wörtlich sagte der 44-Jährige: "Vielleicht war das ja alles nur ihr Wunschdenken."

Die Richter hatten allerdings nicht den geringsten Zweifel, dass die Anschuldigungen der heute 25-Jährigen stimmten und verurteilten den Mann zu drei Jahren und drei Monaten Haft. "Sie hat sich Vorwürfe nicht ausgedacht", hieß es in der Urteilsbegründung. "Dazu wäre sie intellektuell gar nicht in der Lage." Es seien viel zu viele Details geschildert worden - über einen zu langen Zeitraum. Außerdem sprächen die Einträge im Tagebuch eine eindeutige Sprache.

Besonders traurig: Die Mutter glaubt ihrer Tochter offenbar auch heute noch nicht. "Sie hat bei ihrer Zeugenaussage keine Gelegenheit ausgelassen, ihre Tochter in ein schlechtes Licht zu rücken und den Angeklagten zu entlasten", hieß es im Urteil.

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