"Bochumer Chancen" gegen Langzeitarbeitslosigkeit

Programm des Jobcenters

4600 Menschen, die länger als zwei Jahre arbeitslos waren, betreute das Jobcenter im März 2015. Die überwiegende Mehrheit von ihnen hat keinen Berufsabschluss, 25 Prozent sind ohne Schulabschluss. Ihnen soll nun das neue Programm „Bochumer Chancen“ helfen. Damit sollen 160 Jobs für Langzeitarbeitslose gefördert und die Menschen für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden.

BOCHUM

, 13.05.2015, 05:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Bochumer Chancen" gegen Langzeitarbeitslosigkeit

Egal ob Handwerksbetriebe, der VfL, das Jobcenter oder die Lokalpolitik – sie alle erkennen Langzeitarbeitslosigkeit als gesellschaftliches Problem

Lange hat es gedauert: Bereits im November 2013 beschloss die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag eine Vereinbarung zur Förderung von Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen. Doch erst am 1. Mai diesen Jahres ging das neue bundesweite Programm an den Start. Umso schneller geht man nun in Bochum ans Werk: Bereits ab dem 15. Juni können die ersten Arbeitsverträge geschlossen werden.

Viele Betriebe kann das Jobcenter indes noch nicht vorweisen – wobei das Bochumer Jobcenter den Zuschlag für das Programm auch erst in der vergangenen Woche erhalten hat. Fünf Unternehmen konnten bisher mithilfe des SPD-Politiker Thomas Eiskirch, der sich in der Angelegenheit persönlich engagierte, akquiriert. Darunter auch die Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH.

Für deren Personalchef Robert Bienert ist es kein Hemmnis, Geringqualifizierte und ältere Menschen einzustellen. „Die Menschen müssen ja nicht ungelernt bleiben“, sagt er und fügt hinzu: „Es ist Quatsch, nur junge Leute einzustellen.“ Stattdessen sei eine ausgewogene Mischung im Betrieb sinnvoll.

„Win-win-win-Situation“

Zu der Zahl der Stellen, die mittels des Förderprogramms geschaffen werden könnten, bleibt er zurückhaltend: „Ich will keine leichtfertigen Versprechungen machen“, so Bienert. Dass er mehr als einen Langzeitarbeitslosen einstellen will, weiß indes Stefan Lenk, Betreiber einiger Supermärkte im Großraum Bochum, sehr genau.

Dazu entschieden habe er sich auch, weil das „Programm bereits viele Sorgen abgehakt hat.“ Dazu gehört vor allem die Unterstützung der Wiedereingliederung der Langzeitarbeitslosen in einen geregelten Arbeitsrhythmus durch Jobcoaches, die auch arbeitsplatzbezogene Qualifizierungen bewilligen können.

Für Thomas Eiskirch ist das neue Programm daher eine „win-win-win-Situation“. Für die Betriebe, weil diese für ihren neuen Mitarbeiter auch einen Lohnkostenzuschuss erhalten (dessen Höhe und Dauer gestaffelt ist nach der Dauer der Langzeitarbeitslosigkeit des neuen Mitarbeiters und der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses); für die Langzeitarbeitslosen, weil diese für zwei Jahre wieder fest in Arbeit kommen und sich qualifizieren können; sowie für das Jobcenter, das mit dem Problem einer sich verfestigenden Langzeitarbeitslosigkeit bei ihren Kunden zu kämpfen hat.

Hohe Förderung

Nun braucht es jedoch erst einmal weitere Betriebe, die sich an dem Programm beteiligen. Finden sich genug, will Martina Fischer vom Bochumer Jobcenter auch nicht ausschließen, dass man sogar bis zu 200 neuer Arbeitsverhältnisse fördern könne. Geld genug steht dem Jobcenter dafür auf jeden Fall zur Verfügung: 5,6 Millionen Euro – davon alleine 3,3 Millionen Euro als Lohnkostenzuschuss – bekommt das Jobcenter Bochum an Gesamtmitteln für das Programm.

An dem Programm nehmen bisher folgende fünf Betriebe teil: die Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH, der VfL Bochum, die Deutsche Technische Gebäudeservice GmbH, die Hasenkamp GmbH und die Rewe Lenk OHG. Voraussetzungen für das Programm erfüllen all die Langzeitarbeitslosen, die mindestens zwei Jahre ohne Arbeit, über 35 Jahre alt und ohne verwertbaren Berufsabschluss sind.