Bochumer Hilfsorganisationen stehen in Kontakt mit Donezk

Ukrainekrise

Die Gefechte zwischen pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Armee in Donezk machen es Hilfsorganisationen schwer, die Menschen dort zu unterstützen. Die Lage in der ostukrainischen Stadt ist unübersichtlich. Die Schwierigkeiten erfährt auch die Gesellschaft Bochum-Donezk.

BOCHUM

, 02.08.2014, 07:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Lage in Bochums Partnerstadt Donezk ist unübersichtlich. In den umkämpften Außenbezirken der Stadt ist die Lage »desolat«, wie Vertreter von Bochumer Hilfsorganisationen erklären. Dennoch herrsche teilweise Normalität.

Die Lage in Bochums Partnerstadt Donezk ist unübersichtlich. In den umkämpften Außenbezirken der Stadt ist die Lage »desolat«, wie Vertreter von Bochumer Hilfsorganisationen erklären. Dennoch herrsche teilweise Normalität.

Schwieriger ist jedoch die Situation für das von den Bochumer Hilfsorganisationen initiierte Essen auf Rädern, mit dem pro Woche rund 100 Hilfsbedürftige versorgt werden konnten: „Die Auslieferung wurde vor 14 Tagen eingestellt, weil man Angst vor einer Beschlagnahmung des Autos hatte“, so Waltraud Jachnow. Dass diese Sorgen berechtigt sind, bestätigt auch Pfarrer Grabski. Er kennt einen Mann aus der Gemeinde der Baptisten in Donezk, der ohne Angabe von Gründen verhaftet wurde. „Ihm wurde sein Telefon und das Auto abgenommen“, so Grabski. Unter Androhung von Erschießung hätte der Ukrainer dann Gräben ausheben müssen. „Ihm gelang aber die Flucht und nun befindet er sich in Sicherheit“, sagt der pensionierte Pfarrer.

Geschichten wie diese bewegen auch Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz. Sie empfindet eine tiefe Hilflosigkeit angesichts der vielen Auseinandersetzungen: „Überall auf der Welt gibt es Massaker und die Welt schaut zu“, sagt sie. Doch das Eingreifen ist schwer – auch weil die Ursachen für die Konflikte nicht immer ganz klar sind. Dabei hat Waltraud Jachnow für die Eskalation rund um Donezk durchaus eine Erklärung. Diese liegt in der pro-europäischen Haltung der im Mai neu gewählten, ukrainischen Regierung von Petro Poroschenko: „Viele sind gegen einen Anschluss an die EU und wollen nicht die politische Zugehörigkeit zu Europa“, so Jachnow. Das habe vor allem historische Gründe. „Nach dem Ende der Sowjetunion gab es schon Überlegungen zu einem Anschluss der Ostukraine an Russland.“ Denn viele Menschen aus dem Großraum Donezk stammen aus Russland oder haben dort Verwandte – zu denen sie auch nun während der Auseinandersetzungen geflohen sind. „Das darf man aber nicht als eine pro-russische Haltung missverstehen“, so Jachnow.

Es ist auch diese Unübersichtlichkeit der Lage, die die Stadt vor das Problem stellt, wie nun der Region zu helfen sei. Dass die wirklich wichtigen Entscheidungen nur von der Bundesregierung getroffen werden können, ist auch ihr klar. Dennoch möchte die Stadt helfen – und hat daher innerhalb der Stadtverwaltung zu einer Spendensammlung aufgerufen. Eine Idee, über die sich Waltraud Jachnow sehr freut. Sie gibt allerdings zu bedenken, dass die Gesellschaft Bochum-Donezk für ihre Hilfstransporte derzeit keine Sachspenden benötigt. Derzeit seien die Lager voll und wann ein neuer Transport in die Ostukraine aufbrechen könne, sei noch unklar. Wichtiger sind daher finanzielle Spenden. Auch um damit neue Geräte und Hilfsmittel zu kaufen, wenn sich die Situation rund um Donezk wieder befriedet. So habe vor allem das Auto des rollenden Mittagstisches in den letzten Wochen stark gelitten: „Das ist ohnehin schon 200 000 Kilometer gefahren, wurde kürzlich von den Separatisten beschädigt und pfeift aus dem letzten Loch.“ 

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