Bochumer Polizisten übten für EM-Einsatz

BOCHUM Ein grüner Bus fährt, begleitet von Blaulicht, auf den Kirmesplatz an der Castroper Straße. Grölende Fußballfans werfen einen Böller aus der offenen Bustür, der Bus hält an und wird von sieben Polizeifahrzeugen umstellt.

von Von Sophie Bissingen

, 27.05.2008, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Szenario, welches sich gut und gerne bei der EM in Österreich und der Schweiz abspielen könnte. Schon vor einigen Wochen wurden insgesamt 78 Bochumer Polizisten für den Einsatz in Klagenfurt ausgewählt und auf österreichisches Recht geschult (RN berichteten). Am Dienstag galt es nun, den Ernstfall zu üben. „Pyrotechnik loszulassen ist ein Straftatbestand. Schon auf der Hinfahrt ist der Bus auffällig gewesen, jetzt wo sie ankommen, gilt es, sie einzeln zu durchsuchen und diejenigen, die Knallkörper mit sich führen, in Gewahrsam zu nehmen“, erzählt Uwe Hitz, Führer der 1. Bereitschaftspolizeihundertschaft (BPH)."Alle Bullen sind Schweine" Die Polizeikollegen, die sich als Störer ausgeben und im Bus sitzen, geben alles. „Alle Kräfte üben im Tausch. Einmal sind die einen im Einsatz als Polizisten, dann als Fußballfans in Zivil und machen ein paar Faxen“, erklärt Hitz. Als die Bustüren sich öffnen, schallen den Polizisten schon die ersten Beleidigungen entgegen: „Alle Bullen sind Schweine“, grölen die Hooligans, „Samstag frei – für die Polizei“ kommt es im Chor aus dem vorderen Teil des Busses. Da muss sogar die Einsatzleitung schmunzeln. Als die gewaltbereiten Hooligans einzeln aus dem Bus geführt werden, gilt es alles zu geben: Da wird den Einsatzkräften die Zunge gezeigt oder lauthals die Unschuld beteuert.

"Jetzt bringen sie den Dieter raus" „Ach, jetzt bringen sie den Dieter raus, ich bin gespannt, was der sich einfallen lässt“, hört man Stimmen unter den beobachtenden Polizisten. Im Job Polizist, im Herzen Fußballprolet – Dieter gibt Vollgas, giftet seine Kollegen an und streckt dem Kameramann, der alles dokumentiert, die Zunge raus.„Wir sind mit allen 78 Bochumer Polizisten für die gesamte Zeit in Klagenfurt und betreuen dort die Innenstadt und den Public Viewing-Bereich mit Platz für ca. 7000 Zuschauern, „erklärt Hitz. Am Montag wird losgefahren. „Wir nehmen Technik, Kameras, und ungefähr 35 Fahrzeuge aus Bochum mit“, so Hitz. Weitgehend autark handeln die Polizisten in Klagenfurt. „Nach Montag werden wir uns erstmal einige Tage ortskundig machen.“Fan-Potenzial macht Probleme „Die Gruppe, die wir betreuen, bringt vom Fan-Potenzial Probleme mit sich. Wir haben gleich zu Anfang das Brisanzspiel Polen gegen Deutschland, da kommen schon eher schwierige Fangruppen in Klagenfurt an. Aber auch die kroatischen Fans sind nicht ohne, da sie sehr häufig Pyrotechnik anwenden“, erklärt der Hundertschaftsführer. Wenn keine Spiele im Stadion in Klagenfurt sind, gilt es, die Fans auf den Public Viewing-Plätzen in der Innenstadt in Schach zu halten. Technisch müssen die Polizisten auch Kameras und Schnittwägen mit sich führen. „Für die österreichische Staatsanwaltschaft dokumentieren wir gewalttätiges Geschehen, das sie als Beweismittel einsetzen kann“, so Hitz.