Bochumer Väter nutzen selten Elterngeld

Finanzielle Sorgen

Nicht einmal jeder fünfte Vater in Bochum nutzt das Elterngeld, um sich einige Monate um seinen Nachwuchs zu kümmern. Finanzielle Gründe und Angst vor Nachteilen im Job schrecken Männer ab.

BOCHUM

von Von Jessica Bader

, 19.11.2011, 06:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nicht einmal jeder fünfte Bochumer Vater hat die Option Elterngeld genutzt.

Nicht einmal jeder fünfte Bochumer Vater hat die Option Elterngeld genutzt.

Minimum 300 Euro
Grundsätzlich beträgt das Elterngeld 67 Prozent des wegfallenden monatlichen Durchschnitts-Nettogehalts, mindestens 300 und höchstens 1800 Euro. Elterngeld kann in den ersten 14 Monaten des Kindes beantragt werden, für mindestens zwei und höchstens zwölf Monate pro Elternteil. 

Damit liegt Bochum im NRW-Durchschnitt, aber unter dem deutschlandweiten Mittel von 24 Prozent. In den Nachbarstädten bezogen noch weniger Väter das Elterngeld. Die Eltern orientierten sich am höheren Gehalt, sagt Ursula Kersting-Otte von der Beratungsstelle Pro Familia. Und das beziehen meist die Männer. Bei den Beratungen höre sie leider auch, „dass Arbeitgeber ihnen das negativ auslegen, wenn sie in Elternzeit gehen“, so Kersting-Otte. Wenn die Väter sich für eine Elternzeit entscheiden, dann meist nur für die Mindestzeit von zwei Monaten. Das zeigt auch die Statistik: Mehr als zwei Drittel der Väter (71 Prozent) in NRW entschieden sich so. Die Väter, die sich bei Pro Familia beraten ließen, hätten das Gefühl, dass zwei Monate Auszeit bei ihrem Arbeitnehmer gerade noch akzeptiert seien, so Kersting-Otte.

Gerade bei befristeten Arbeitsverträgen gehe es oft um die Existenz. Seien die Väter bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, müssten sie sich oft gegen die Elternzeit entscheiden. „Das ist auch ein gesamtgesellschaftliches Problem“, sagt die Beraterin.Frauen hingegen bezögen meist ein Jahr lang Elterngeld, weil sie die Zeit mit dem Kind verbringen wollten, sagt Kersting-Otte. Dafür nähmen sie auch negative Folgen in Kauf. Etwa, dass befristete Verträge nicht verlängert würden.

Von Problemen beim Arbeitgeber hat Heinz-Günter Treffer bei seinen Beratungen dagegen nur selten gehört. Er informiert bei der Stadt über Elterngeld, nimmt auch Anträge an, die vom gemeinsamen Versorgungsamt der Städte Dortmund, Bochum und Hagen bearbeitet werden. „Überwiegend sagen die Männer ,Das können wir uns nicht leisten‘“, sagt Treffer. Hauptgrund, warum Väter sich gegen Elternzeit entschieden, sei, dass der Mann oft Alleinverdiener sei, sagt Treffer. Die zwei Drittel des Gehalts, die als Elterngeld gezahlt würden, reichten für die Familie dann nicht.

Minimum 300 Euro
Grundsätzlich beträgt das Elterngeld 67 Prozent des wegfallenden monatlichen Durchschnitts-Nettogehalts, mindestens 300 und höchstens 1800 Euro. Elterngeld kann in den ersten 14 Monaten des Kindes beantragt werden, für mindestens zwei und höchstens zwölf Monate pro Elternteil.