Bogestra will die komplette Flotte der NF6D ersetzen

42 neue Straßenbahnen

Schon seit ihrer Anschaffung in den Jahren 1992 bis 1994 sorgen die Niederflurbahnen des Typs NF6D für Probleme bei der Bogestra. Nachdem nun auch noch aufgrund von Rissen an den Achsen die Höchstgeschwindigkeit der Bahnen auf 30 Stundenkilometer gesenkt werden musste (wir berichteten), hat sich der Aufsichtsrat des Nahverkehrsunternehmens nun zu einem radikalen Schritt entschieden und will die 42 betroffenen Niederflurbahnen durch neue Bahnen ersetzen.

BOCHUM

, 12.03.2015, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschichte der Probleme mit dem Wagentyp NF6D ist lang: „Wir standen bei den Bahnen eigentlich vom ersten Tag an vor Herausforderungen“, sagt Gisbert Schlotzhauer, Vorstand für Infrastruktur bei der Bogestra. Erst zur Fußballweltmeisterschaft sei die gesamte Flotte von 42 Bahnen voll verfügbar gewesen.

Davor konnte das Unternehmen reparatur- und wartungsbedingt immer nur rund 30 Bahnen einsetzen. Doch ebenfalls im Jahr 2006 gleich der nächste Schlag: Bedingt durch die Statik der Wagen entstanden Risse an Fenster- und Türecken und sorgten erneut für einen hohen Reparaturaufwand.

Zweimal zog das Unternehmen daher gegen den Hersteller Siemens vor Gericht, wollte Regressansprüche geltend machen, da sich aus Sicht der Bogestra der Hersteller im Pflichtenheft zu 35 Jahren Garantie verpflichtet hatte. Doch in beiden Verfahren verwiesen die Gerichte auf die im Vertrag festgeschriebene Gewährleistung – und die war zum Zeitpunkt der Verfahren bereits abgelaufen.

Doppeltes Pech

Doppeltes Pech für Bochum: Die Bogestra hatte Anfang der 1990er-Jahre als eines der ersten Unternehmen die damals gerade frisch auf dem Markt eingeführten Bahnen gekauft. In den Folgejahren hatte Siemens bereits selbst etliche „Kinderkrankheiten“ der Bahnen ausmerzen können, sodass sich die aktuelle Problematik in ihrer Dimension als ein rein Bochum-Gelsenkirchener Problem darstellt.

Um die Problematik um die Niederflurbahnen zu lösen, hat sich nun der Aufsichtsrat zum Neukauf von 42 Straßenbahnen entschieden, um damit die Flotte der betroffenen NF6D vollständig zu ersetzen. Das europäische Ausschreibungsverfahren soll noch im März starten, damit bereits 2016 die ersten Bahnen eingesetzt werden können.

Bis dahin hofft die Bogestra, dass die Prüfungen und der Austausch der betroffenen Achsen schneller voranschreiten und möglicherweise demnächst das Tempolimit der Bahnen auf 50 Stundenkilometer erhöht werden kann.

Finanzierung unklar

Beim Auftragsvolumen für die Ausschreibung geht die Bogestra derzeit von rund 200 Millionen Euro aus. Davon verteilen sich schätzungsweise bis zu 130 Millionen Euro auf die 42 neuen Niederflurbahnen. Die übrigen 70 Millionen sind eingeplant für die Anschaffung neuer Bahnen für die U35 und die Sanierung der bestehenden U35-Flotte.

Mit ihnen soll in den kommenden Jahren die Erneuerung und Überarbeitung der bestehenden Bahnflotte der Campuslinie kompensiert werden. Diese sei nötig, so Schlotzhauer, weil die U35 in ihrer Auslastung an ihre Maximalgrenzen stoße. Ein Ersatz der Flotte sei hier nicht geplant, da die Bahnen sehr zuverlässig wären. Jedoch um pro Jahr fünf Bahnen generalüberholen zu können, benötigt die Bogestra sechs zusätzliche Bahnen. Deshalb werden auch diese Bahnen zusammen mit den 42 neuen Niederflurbahnen ausgeschrieben.

Wie die Bogestra die 200 Millionen Euro aufbringen will, steht derzeit noch nicht fest. Von Eigeninvestitionen, aber auch von Darlehen ist die Rede. "Wir haben viel darüber nachgedacht, wie man das für den Haushalt vertretbar machen kann", sagt Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, die zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Bogestra ist. Deshalb habe man sich auf eine Stückelung der Investitionssumme von rund 200 Millionen Euro geeinigt. Durch diese Verteilung auf vermutlich ein ganzes Jahrzehnt bis Mitte der 2020er-Jahre soll die finanzielle Belastung pro Jahr überschaubar gehalten werden.

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