„Bolschoi Babylon“ entzaubert Moskaus erstes Haus

Neu im Kino

Auf der Bühne bestaunt man Eleganz und Grazie, Ballett in Vollendung. Doch hinter den Kulissen gibt es eine verborgene, hässliche Seite des Bolschoi-Theaters, die zutage kam, als ein Maskierter dessen künstlerischen Leiter 2013 mit Säure übergoss. Sergej Filin überlebte und büßte ein Auge ein, der Ruf des Bolschoi war nachhaltig ramponiert.

24.07.2016, 12:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Bolschoi Babylon“ entzaubert Moskaus erstes Haus

Eine Szene aus dem Film „Bolschoi Babylon“

Als Anstifter des Überfalls stand ein Tänzer vor Gericht, der zu sechs Jahren Strafkolonie verdonnert wurde. Was war der Grund für das Attentat?

Film-Doku

"Bolschoi Babylon", eine Film-Doku von Nick Read (auch Kamera) geht diesen Fragen nach. Read filmte Proben und Aufführungen, er führte Interviews, legt quasi einen Seismografen aus, der Erschütterungen und Verwerfungen hinter der Fassade von Russlands erstem Haus aufzeichnet.

Gemeinsam tanzen sie "Schwanensee", als durch und durch homogenes Ensemble, doch abseits der Bühne regieren bei vielen Tänzern Neid und Eifersucht. Read fand einen Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem rivalisierende Egos Achterbahn fahren.

Filin entscheidet über Tänzer-Karrieren

Auftritte sind die Währung, die den Wert eines Tänzers definieren. Filin entscheidet, wer die Gelegenheit bekommt. Hat er Günstlinge protegiert, Missliebige aussortiert, eine Seilschaft aufgebaut? Filin bestreitet das. Andere nennen ihn einen Diktator, der Säuberungen wie unter Stalin vorgenommen habe.

Bolschoi Babylon" erforscht das Charakterbild einer Compagnie, hat etwas von einer detektivischen Spurensuche, die bis in den Kreml führt. Ein Film, der hochinteressante Einblicke liefert.