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Boot-Spezialisten: So arbeitet Dortmunds einzige Werft

Phoenix-See

Eine Bootswerft in Dortmund eröffnen: Das klingt nach einer – pardon – bekloppten Idee. Ist es aber nicht. Das Unternehmen "Baumgart" in Hörde hat just den größten Auftrag der zehnjährigen Firmengeschichte hinter sich. Das ist die Gelegenheit, mal hinter die Türen von einem der ungewöhnlichsten Unternehmen Dortmunds zu blicken.

HÖRDE

, 28.02.2017
Boot-Spezialisten: So arbeitet Dortmunds einzige Werft

14 Meter lang, 22 Tonnen schwer: Das größte Boot, das in der Hörder Werft bisher bearbeitet wurde.

Es ist ein stürmischer Abend, an dem das Boot der Marke „Federick 47“ (14,20 Meter lang, 4,20 Meter breit, 22 Tonnen schwer) auf einem Schwertransporter und mit Polizei-Eskorte in Richtung Wasser aufbricht. Als die Jacht vom Hof fährt, wischen sich Werft-Inhaber Norbert Baumgart und sein Sohn Stefan (Foto) als Betriebsleiter den Regen aus dem Gesicht. Nach mehr als 2000 Arbeitsstunden ist der Großauftrag erledigt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht es in der Bootswerft Baumgart aus

Dortmunds einzige Bootswerft befindet sich in Hörde. Sie war schon da, bevor der Phoenix-See kam. Wir haben uns dort umgesehen.
27.02.2017
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An der Straße Seekante/Alfred-Trappen-Straße befindet sich der Haupteingang zum Elektronik-Fachmarkt.© Foto: Felix Guth
Norbert und Stefan Baumgart haben die Bootswerft 2007 gemeinsam eröffnet.© Foto: Felix Guth
Diese Jacht war der bisher größte Auftrag des Unternehmens.© Foto: Bootswerft Baumgart
Sie hat eine Länge von über 14 Metern und wiegt 22 Tonnen.© Foto: Bootswerft Baumgart
Ein Fahrzeug, wie man es von Flughäfen kennt, zog die Jacht auf den Hof. Dort wurde sie mit einem Schwertransporter weiter in Richtung Wasser gefahren.© Foto: Felix Guth
Die Baumgart-Experten restaurierten die komplette Innenausstattung.© Foto: Bootswerft Baumgart
Auf dem Hof des Unternehmens sind zahlreiche Boote untergestellt.© Foto: Felix Guth
Detail eines Bootes.© Foto: Felix Guth
Ein Boot, das vor der Verschrottung steht.© Foto: Felix Guth
In diesem Becken werden fertige Boote auf ihre Wasserlage geprüft.© Foto: Felix Guth
Eingang zur Werkshalle.© Foto: Felix Guth
Zwei Mitarbeiter bei der Detailarbeit.© Foto: Felix Guth
Ein großes Segelboot wird in der Werkstatt bearbeitet.© Foto: Felix Guth
Wichtig: Ein Holzlager, in dem auch seltene Restposten von alten Bootsserien lagern.© Foto: Felix Guth
Alte Schläuche, die wiederverwendet werden können.© Foto: Felix Guth
Der Umgang mit Lacken und Lösungsmitteln gehört zum Alltag eines Bootsbauers.© Foto: Felix Guth
Der Ausstellungsraum der "Bootswerft Baumgart".© Foto: Felix Guth
Viele Boote, die Baumgart restaueriert sind mehrere Jahrzehnte alt.© Foto: Felix Guth
Blick in die Lackierhalle, wo der Holz mit Harz bearbeite und robust gemacht wird.© Foto: Felix Guth
Die Bodenplatte eines Bootes.© Foto: Felix Guth
Schlagworte Hörde

Gebaut hat die meisten Boote in der Dortmunder Werft jemand anderes. Norbert und Stefan Baumgart und ihre 14 Mitarbeiter bauen auf Anfrage auch selbst. Aber sie sind spezialisiert auf die Restaurierung von Holzschiffen. Im Ausstellungsraum stehen eine „Colombo“, eine „Bösch“ – alte Schätzchen und teure Träume ihrer Besitzer. Die Hörder Bootsbauer sorgen dafür, dass die Träume nicht enden, wenn der Lack abblättert. „Veredeln“ nennt Norbert Baumgart den Vorgang. Dahinter stehen Dutzende Arbeitsschritte.

14-Meter-Jacht abtransportiert 

Während die 14-Meter-Jacht abtransportiert wird, haben drei Bootsbauer in der Halle gerade ihre Arbeit an einem großen Holz-Segler beendet. Verschwitzt schälen sie sich aus ihren Maleranzügen, in der Luft hängt Lack-Geruch. Viele Boote werden komplett zurückgebaut, teilweise bis auf die Leisten. In mehreren Schritten beizen und harzen die Handwerker das Holz, machen es wieder widerstandfähig.

„Es ist ein Beruf, den viele unterschätzen“, sagt Stefan Baumgart. Bootsbauer müssen Ahnung von Wasser-Physik haben und Holzexperten sein. Sie erneuern Kleinstteile, schleifen über Kopf, kleben tagelang Flächen ab, arbeiten in engen Räumen. „Wir haben hier den Standortnachteil, dass wir zum Wasser fahren müssen“, sagt Norbert Baumgart. Am Wasser sind zwar die Boote, die meisten Besitzer aber sind Landratten. Seit 2011 der Phoenix-See geflutet wurde, liegt der Betrieb sogar am Wasser. „Wir sind froh, dass der See da ist und haben schon einzelne Boote bearbeitet, die dort liegen“, sagt Baumgart.

Norbert Baumgart ist gelernter Auto-Lackierer. Bis 2007 hatte er einen kleinen Betrieb an der Hörder Hermannstraße. Aus einer privaten Leidenschaft für Wasserski entstand die Idee, sich geschäftlich dem Bootsbau zu widmen. Stefan Baumgart schloss seine Ausbildung als einer der Jahrgangsbesten ab, vertiefte später seine Fähigkeiten in der Schweiz, ist heute ein gefragter Gutachter.

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