Bosy fürchten und flunkern

BOCHUM Anke Eilhardt fürchtet sich. Und alle Besucher des ersten "Hautnah"-Konzerts der Bochumer Symphoniker wissen es jetzt.

von von Max Florian Kühlem

, 10.01.2008, 13:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

In der neuen Konzertreihe darf das Publikum einzelne Musiker und die Besonderheiten ihrer Instrumente besser kennen lernen, sie "hautnah" erleben eben. Oboistin Eilhardt erklärte da am Mittwoch im Schauspielhaus: "Tiefe Töne im piano sind bei allen Oboisten gefürchtet." Weil sie so schwierig zu erzeugen sind und man deshalb nie ganz sicher sein kann, dass sie gelingen. Orchestermitglied Alan Leighton, der bei Mozarts Sinfonia concertante in Es-Dur noch so wunderbar das Horn geblasen hatte, erklärte sogar: "Das Guinnessbuch der Rekorde verbürgt es: "Die Instrumente Oboe und Horn beherrscht niemand." Da wusste man nicht so ganz, ob er sein Licht nicht ein wenig unter den Scheffel stellte.

Zehn Stunden

Und auch Klarinettist Thomas Budack hat sicher ein wenig geflunkert, als er behauptete, jeden Tag zehn Stunden üben zu müssen, obwohl sein Instrument eigentlich "jeder spielen kann und nach drei Jahren beherrscht". Gelernt hat der Konzertgänger auf jeden Fall.Die BoSy sind offene und charmant-witzige Zeitgenossen. In der Speisekammer des Theaters waren sie hinterher sogar bereit, Konzertbesuchern die Tücken ihrer Instrumente und ihres Berufs zu offenbaren. Vorausgesetzt, sie nahmen bei einem Glas Wein am Tisch Platz.

Mozart

Über die ganze Kennenlern-Aktion soll jedoch nicht die Leistung vergessen werden, die die Musiker vorher erbracht hatten: Unter der Leitung des augenscheinlich schwer arbeitenden Reinhard Goebel (Ensemble Musica Antiqua Köln) spielten sie Musik eines Komponisten, der die Blasinstrumente mindestens so sehr geliebt hat, wie sie selbst sie lieben: Wolfgang Amadeus Mozart lässt in seiner Sinfonia concertante ein Bläserquartett mit dem und gegen das Orchester spielen und aus jeder Note spricht eine unbändige Lust an Oboe, Klarinette, Fagott und Horn.Die kurze Sinfonie verweist schon in vielen Motiven auf das einige Zeit später entstandene Quintett für Holzbläser und Klavier KV 452, welches das Musikgenie bewiesenermaßen für das beste Werk hielt, das er jemals geschrieben habe.