Boulevard-Komödie wird zum Musical

Schauspielhaus Bochum

Humor ist ständiger Wandlung unterlegen, ist auch ein Zeitgeist-Phänomen. Dass man heute nicht ohne Weiteres eine Boulevard-Komödie der 1920er-Jahre auf die Bühne bringen kann, zeigt Christian Breys Inszenierung von "Weekend im Paradies" am Schauspielhaus Bochum.

BOCHUM

, 25.09.2016, 13:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
Regisseur Brey setzt auf absurden Humor, der nicht allen Zuschauern gefiel.

Regisseur Brey setzt auf absurden Humor, der nicht allen Zuschauern gefiel.

Der Regisseur hat mit dem Monty-Python-Musical "Spamalot" einen beispiellosen Erfolg für die Bochumer Bühne geschaffen. Man fragt sich, was das Haus bewogen hat, ihn mit "Weekend im Paradies" von Franz Arnold und Ernst Bach zu betrauen. Der Stoff bietet Verwechslungsspäße, Witze, die von überkommenen Geschlechterklischees leben, und verstaubte Tür-auf-Tür-zu-Gags im Beamtenmilieu.

Absurder Humor

Brey setzt viele Hebel in Bewegung, um den Stoff einigermaßen auszuhebeln. Am Ende zu viele. Im ersten Akt gelingt es ihm jedoch, eine tragende neue Schicht aus absurden Humor aufzutragen, der ähnlich funktioniert wie im Musical "Spamalot".

Das Bühnenbild von Anette Hachmann, ein quadratisches 60er-Jahre-Amtshaus mit vier Büros, lebt. Aus dem Sound der Schreibmaschinen, Locher, Stempel und Telefone wird ein Rhythmus, die Darsteller singen mehrstimmig "Eleanor Righby".

Bollywood-Party

Immer wieder strukturieren toll arrangierte und von der Live-Band um Tobias Cosler ansprechend begleitete Beatles-Nummern das Spiel. Spätestens im zweiten Akt, wenn sich alle Ministeriums-Mitglieder im "Weekend-Hotel" mit Indien-Thema wiederfinden, kippt der Abend jedoch.

Die angekündigte Bollywood-Party, auf der Choreograf Paul Kribbe vier Musical-Darstellerinnen tanzen lässt, soll wohl eine weitere Steigerung des Absurditätsgrads darstellen - wirkt aber nur albern. Der letzte Akt versinkt im heillosen Chaos.

Die Reihen im Theater haben sich in der Pause gelichtet, die verbliebenen Zuschauer spenden langen und begeisterten Applaus.

Termine: 3./7./26. 10.; Karten: Tel. (0234) 33335555.

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