Brahms und sein ungarisches Vorbild

Philharmonie Essen

Zwei Tage vor seinem Konzert-Einstand als neuer Musikdirektor des Zürcher Kammerorchesters gastierte Stargeiger Daniel Hope mit seinen Kammermusikfreunden David Finckel (Cello), Paul Neubauer (Bratsche) und Wu Han (Klavier) in der Philharmonie Essen. Auf dem Programm standen die Klavierquartette von Mahler, Schumann und Brahms, die sie auf CD eingespielt haben.

ESSEN

, 27.09.2016, 11:48 Uhr / Lesedauer: 1 min
Brahms und sein ungarisches Vorbild

Geiger Daniel Hope spielte mit drei Kammermusikfreunden in der Philharmonie Essen.

Im Klavierquartettsatz des 16-jährigen Mahler führte Hope mit strahlendem Ton, aber auch sanglichem Spiel, wobei neben ihm vor allem der ebenso einfühlsame wie hellwache Ex-Emerson-String-Quartet-Cellist David Finckel auffiel.

Erfrischend und leidenschaftlich poetisch stiegen die prächtig harmonierenden Vier in Schumanns Es-Dur-Quartett ein, beeindruckend das Verschmelzen der Streicher, dazu, pointierter als noch beim Mahler war Wu Han am Klavier. Das Scherzo huschte gespenstisch vorüber, im langsamen Satz übernahm Hope den noblen, feinen Celloton. Das Finale bildete einen furios-spritzigen Kehraus.

Danach schien kaum noch eine Steigerung möglich, doch es gab sie im ersten Klavierquartett von Brahms. Was für eine Dramatik und Emphase, was aber auch für eine lyrische Innigkeit - und beides in schnellem Wechsel! Das abschließende Rondo hatte Vitalität, Charme und den draufgängerischen Ton der "Ungarischen Tänze".

Volksmusikanten

Witzig gaben sich die Musiker in den Zugaben: Da behauptete Hope keck, das Vorbild für Brahms' Zigeuner-Thema gefunden zu haben und präsentierte den angeblich in Budapest aufgespürten Urahn. In Wirklichkeit war dies Bratschist Paul Neubauer, der da solistisch glänzen durfte, begleitet von "Daniel Hopes ungarischen Volksmusikanten".