In einer Einrichtung des Lebenszentrums hat sich in der Nacht ein Drama ereignet. Eine Mutter soll ihre Tochter erstickt und dann das Zimmer in Brand gesetzt haben, um Selbstmord zu begehen.

Königsborn

, 01.04.2019, 04:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Fall des sechsjährigen Mädchens, das in der Nacht zu Montag in Königsborn zu Tode gekommen ist, veröffentlichte die Staatsanwaltschaft am Nachmittag ein weiteres Ermittlungsergebnis. Nach der Obduktion der Kinderleiche gehen die Ermittler davon aus, dass die Mutter das Mädchen zunächst erstickte. Danach soll sie in dem Zimmer der Mutter-Kind-Einrichtung Feuer gelegt haben. Sie soll das Zimmer verschlossen haben, um sich dann mit dem Feuer das Leben zu nehmen.

Sie habe wohl befürchtet, von ihrem Kind getrennt zu werden. Die 39-Jährige schwebt seit dem Feuer in Lebensgefahr. Sie hatte schwere Brandverletzungen erlitten.

Kind leblos aus Zimmer geborgen

Das Gebäude am Zimmerplatz war erst vor knapp zwei Jahren eröffnet worden. Es verfügt über eine moderne Feuerschutztechnik. Die automatische Brandmeldeanlage löste in der Nacht aus, als das Feuer ausgebrochen war. Die Meldung wird automatisch an die Feuerwehr übermittelt. Die Einsatzkräfte rückten schnell an und holten Mutter und Kind aus dem Gebäude. Das Kind war zu diesem Zeitpunkt leblos. Auch unter Hinzuziehung eines Kindernotarztes wurde versucht, das Mädchen wiederzubeleben. Es wurde in die Kinderklinik in Hamm gebracht, konnte aber nicht mehr gerettet werden.

Mutter und Kind sollten entlassen werden

Die Mutter und ihr Kind waren seit August 2018 im Mutter-Kind-Heim am Lebenszentrum. Unter dem Dach des Lebenszentrums werden überwiegend behinderte Menschen in verschiedenen Einrichtungen therapiert, betreut oder versorgt. In diesem Fall aber lag keine Behinderung vor. Die Unterbringung sei im Rahmen des Projekts „Konzepte für Kinder“ erfolgt, sagte Michael Radix, Geschäftsführer des Lebenszentrums. Dessen Ziel ist die „Ermittlung passgenauer Hilfen für von Vernachlässigung betroffene Kinder und ihre Familien“, wie das Lebenszentrum auf seiner Internetseite erklärt. Die Mutter und ihr Kind hätten sich gerade in einer „Perspektivklärung“ befunden, so Radix. Dabei gehe es immer in erster Linie um das Wohl des Kindes. Mutter und Tochter hätten am Montag entlassen werden sollen.

Zimmerbrand: Mutter soll Kind erst erstickt und dann Feuer gelegt haben

Noch in der Nacht wurde das Gebäude gesperrt. © Neumann

Vom Jugendamt betreut

Laut Staatsanwaltschaft wurden Mutter und Kind von einem Jugendamt betreut. Dabei handelt es sich nicht um das Unnaer Jugendamt, wie mehrere Quellen bestätigen. Die Mutter habe, so die Staatsanwaltschaft weiter, unter psychischen Problemen gelitten. Sie habe bis zur Unterbringung in Königsborn mit ihrer Tochter völlig isoliert gelebt - so sehr, dass das Kind in seiner Entwicklung gestört und auf besondere Betreuung und Förderung angewiesen gewesen sei. Mit einer Unterbringung getrennt von der Mutter hätten die Behörden zur gesunden Entwicklung des Kindes beitragen wollen.

„Das ist eine Tragödie, die uns sehr getroffen hat.“
Michael Radix, Geschäftsführer des Lebenszentrums

Dass die Mutter zu einem derart dramatischen Schritt bereit war, habe sich nicht angedeutet, sagt Lebenszentrums-Geschäftsführer Radix. „Sie ist ganz eng begleitet worden.“ Auch ärztlicherseits habe es keinen Grund gegeben, von einer Selbstmordabsicht auszugehen. Es handle sich bei dem Mutter-Kind-Heim nicht um eine psychiatrische Unterbringung.

Mitarbeiter werden psychologisch betreut

„Das ist eine Tragödie, die uns sehr getroffen hat“, sagt Radix. Insbesondere für die Mitarbeiter, die eng mit Mutter und Kind zusammengearbeitet haben, sei der Fall sehr belastend. So lange wie nötig würden Mitarbeiter nun von Psychologen und Seelsorgern betreut. In allen Einrichtungen des Lebenszentrums müsse natürlich trotz allem weitergearbeitet werden. „Das ist unser Auftrag, und das erwarten die Eltern von uns“, sagt Radix. Diese Aufgabe zu meistern, sei eine große Herausforderung.

45 Feuerwehrleute im Einsatz

45 Feuerwehrkräfte waren nach Angaben der Unnaer Feuerwehr in der Nacht im Einsatz am Zimmerplatz gewesen. Der Fall ist auch für die Einsatzkräfte belastend. Einsatzleiter Olaf Weischenberg berichtet, dass der Einsatz aufbereitet werde.

Während der Rettungs- und Löscharbeiten sei zwischenzeitlich auch der Alarm „Massenanfall von Verletzten“ ausgelöst worden, weil zunächst nicht feststand, wie viele Menschen noch betroffen waren. Aufgrund des automatisch ausgelösten Alarms sei das übrige Gebäude aber schon geräumt gewesen, berichtete die Feuerwehr.

Nach Angaben des Lebenszentrums wohnte in dem betroffenen Gebäude eine weitere Mutter mit Kind. Beide würden nun zwischenzeitlich in einer anderen Einrichtung auf dem Campus untergebracht. Das Feuer war in der zweiten Etage des neuen Gebäudes am Zimmerplatz ausgebrochen. Auf den Ebenen darunter sind Therapie- und Betreuungsräume sowie Büros. Deren Nutzer sind zunächst auch in anderen Gebäuden, da das Mutter-Kind-Haus nach dem Feuerwehreinsatz von der Kriminalpolizei gesperrt wurde.

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