Brandschutzmängel: Stadt schließt Bocholter Euregio-Gymnasium

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Die Stadt Bocholt hat das Euregio-Gymnasium mit sofortiger Wirkung geschlossen. Denn der Brandschutz in dem Gebäude ist so katastrophal, dass sogar ein kompletter Neubau zur Debatte steht.

von Stefan Prinz

Bocholt

, 24.06.2020, 09:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schock-Nachricht am Euregio-Gymnasium in Bocholt kurz vor den Sommerferien: Wegen erheblicher Brandschutzmängel wird die Bocholter Schule mit sofortiger Wirkung geschlossen. Die Mängel sind so gravierend, dass die Stadt nicht einmal die wenigen Schultage bis zum Ferienbeginn am Wochenende abwarten will.

„Die Zeugnisse werden voraussichtlich mit der Post verschickt“, erklärte der Erste Stadtrat Thomas Waschki (CDU) am Dienstagnachmittag.

Erst wenige Stunden zuvor hatten Bürgermeister Peter Nebelo (SPD) und Stadtbaurat Daniel Zöhler Schulleiter Christoph Schultheiß über die Schließung unterrichtet. „Der reagierte ähnlich geschockt wie wir, als wir davon erfuhren“, so Zöhler. Bei einer Brandschutzbegehung seien die gravierenden Mängel erst jetzt festgestellt worden. „Uns bleibt kein Handlungsspielraum, wir müssen die Schule sofort schließen“, sagt Bürgermeister Nebelo.

Bauteile halten Brand nicht eine Minute stand

Denn einige Bauteile, die eigentlich so konzipiert sein müssten, dass sie einem Feuer mindestens 90 Minuten standhalten, „würden einem Feuer nicht mal eine Minute standhalten“, erläutert der Stadtbaurat. Auch die Brandmeldeanlage habe Mängel gezeigt. Weiterhin fehlten Rettungswege oder sie seien schlicht zu lang und es gibt unzulässige Deckenkonstruktionen.

Besonders gravierend: Die Mängel existieren bereits seit dem Bau des Schulgebäudes im Jahr 1970. Schon damals seien Bauvorschriften „in einem unglaublichen Ausmaß missachtet worden“, so Zöhler. Warum das geschehen konnte, werde derzeit noch geprüft. Allerdings macht sich Bürgermeister Nebelo kaum Hoffnungen, dass man dafür noch Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen kann: „Nach 50 Jahren dürften mögliche Ansprüche verjährt sein“, sagt Nebelo, der Jurist ist.

Suche nach Lösung für die Schüler nach den Ferien

Und wie geht es jetzt mit den Schülern weiter? Das ist derzeit noch ziemlich unklar. „Wir können auf die Schnelle noch keine verbindlichen Antworten liefern“, erklärt Daniel Zöhler. Fest steht nur, dass die Sommerferien im Euregio schon am Mittwoch beginnen. Wo Schüler und Lehrer nach den Ferien untergebracht werden, ist derzeit auch noch eine offene Frage. Derzeit prüft die Stadt mehrere Lösungen. Dazu gehört auch, den Schulbetrieb in einem Container-Dorf weiterzuführen.

In den nächsten Wochen soll dann intensiv geprüft werden, wie groß der Aufwand ist, um die Schule brandschutzsicher zu machen. Bürgermeister Nebelo betont, dass auch ein kompletter Abriss des Schulgebäudes als Möglichkeit auf dem Tisch liege. Wenn der Umbau in keinem vernünftigen Verhältnis zum Wert des Gebäudes stehe, könne es dazu kommen. „Das ist einfach eine Frage der Wirtschaftlichkeit“, so Nebelo.

Städtische Gebäude werden auf Brandschutz kontrolliert

Stadtbaurat Zöhler schließt nicht aus, dass es demnächst zu weiteren „unangenehmen Überraschungen“ kommen könnte. Denn nun würden auch andere städtische Gebäude auf ihren Brandschutz kontrolliert. Möglicherweise fallen diese Mängel nun auch anderorts auf.

Am Euregio-Gymnasium werden rund 1000 Schüler unterrichtet. Sein Einzugsbereich umfasst Bocholt, Rhede, Barlo sowie Isselburg, Rees und Hamminkeln. Die Schule ist das jüngste der drei städtischen Gymnasien in Bocholt. Nach einer Brandstiftung vor zehn Jahren entstand an der Turnhalle der Schule sowie an den Sportgeräten ein Schaden in Höhe von 800.000 Euro.

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