Bremen war der Nabel der Jazz-Welt

Branchentreffen "Jazzahead!"

Südtirol und Südkorea liegen geografisch gesehen nicht unbedingt nebeneinander - in der Bremer Messehalle 7 waren sie am Wochenende allerdings nur ein paar Ausstellungsstände voneinander entfernt: Beide Regionen machten dort auf ihre Jazzfestivals und ihre improvisierende Musik-Szene aufmerksam.

Bremen

, 26.04.2016 / Lesedauer: 3 min

Zum 11. Mal fand am Wochenende (21. bis 24. April) an der Weser die „Jazzahead!“ statt, das weltweit größte Branchentreffen seiner Art. Mit insgesamt 969 ausstellenden Firmen und 2742 Fachteilnehmern war die Zahl der Teilnehmer aus dem Jazz-Metier erneut gestiegen. Und natürlich gab es auch viel Jazz zu hören – und dabei strahlte die „Jazzahead!“ in diesem Jahr so stark wie nie zuvor in die ganze Stadt hinein.

Clubnacht an 34 Orten

In der Clubnacht am Samstag waren über ganz Bremen verteilt an 34 Orten gleich 68 Bands vor 6500 Besuchern zu erleben. Hinzu kamen 15.000 Zuschauer in den Messehallen und im benachbarten Kulturzentrum Schlachthof, wo sie sich in 40 Kurzkonzerten von der Vielfalt der improvisierten Musik überzeugen konnten. „Showcases“ nennen sich die musikalischen Darbietungsformen. In 30-minütigen Auftritten dürfen die von unterschiedlichen Jurys ausgewählten Gruppen Konzert- und Festivalveranstaltern, Journalisten und „normalen“ Konzertgängern zeigen, was sie drauf haben.

Neben dem diesjährigen „Jazzahead!“-Schwerpunktland Schweiz, neben Bands aus Übersee sowie Gesamteuropa gab es auch diesmal eine „German Jazz Expo“ als „Laufsteg“ für deutsche Musiker. Mit starkem Schwerpunkt NRW: Mit dem Pianisten Pablo Held (aus Hagen stammend) und dem Trompeter Frederik Köster (gebürtiger Sauerländer) überzeugten dabei gleich zwei Musiker mit ihren Bands, die bereits beim Internationalen Jazz-Festival Münster mit dem „Westfalen-Jazzpreis“ ausgezeichnet worden sind.

Analyse zum Jazz in NRW

Künstlerisch kann sich der Jazz aus NRW also durchaus sehen und hören lassen, finanziell sieht es für die Musiker im Lande aber nicht unbedingt gut aus. Bereits im vergangenen Monat hatte eine bundesweit erhobene Studie der „Union deutscher Jazzmusiker“ ergeben, dass das durch musikalische Arbeit erzielte Jahreseinkommen von Jazzern bei durchschnittlich 12.500 Euro liegt. Eine vom Verein „nrwjazz“ mit Sitz in Gelsenkirchen herausgegebene und vom Wirtschaftsministerium NRW unterstützte Analyse über den Jazz in Nordrhein-Westfalen, die auf der „Jazzahead!“ erstmalig vorgestellt wurde, kam zum annähernd gleichen Ergebnis.

Dabei sei der Jazz in NRW eine Ressource, die durch mehr Vernetzung, mehr eigenes Engagement von Musikern und Veranstaltern und verbesserte Rahmenbedingungen wie zum Beispiel eine Spielstättenförderung deutlich erfolgreicher dastehen könnte, schreiben die Autoren Bernd Zimmermann und Stefan Pieper. Musiker können nach Meinung der Verfasser der Studie auch deshalb von ihrer Kunst nicht leben, „weil Konzerte durchweg zu billig angeboten werden“. Das Publikum sei durchaus bereit, höhere Preise zu zahlen, habe eine Erhebung für ihre Studie gezeigt.

Jazz für Kids

Um langfristig den Nachwuchs als Jazzhörer und -Besucher für den Jazz gewinnen zu können, hat die „Jazzahead!“ übrigens in diesem Jahr das Projekt „Jazz für Kinder“ aus der Taufe gehoben. Das langfristig angelegte Projekt will mit dem wichtigsten Element des Jazz, der Improvisation, Kinder schon ab dem Grundschulalter besser erreichen“, so Uli Beckerhoff, künstlerischer Leiter der „Jazzahead!“. Vor allem die Jazzvermittlung in der Schule will die „Jazzahead!“ bei einem für die 2017er-Ausgabe geplanten Symposium in den Blick nehmen.