Britisches Baby Charlie Gard im Hospiz gestorben

Seltene Krankheit

Der Kampf um das Leben von Baby Charlie hat nicht nur seine Heimat Großbritannien bewegt. Weltweit gab es Reaktionen von Menschen. Selbst Papst Franziskus schaltete sich ein. Jetzt ist der kleine Junge gestorben - er wurde noch nicht einmal ein Jahr alt.

LONDON

28.07.2017, 21:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
ARCHIV - HANDOUT - Das von der Familie zur Verfügung gestellte undatierte Foto zeigt das Baby Charlie Gard in der Kinderklinik Great Ormond Street Hospital in London. (zu dpa «Britisches Baby Charlie gestorben» vom 28.07.2017) ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur bei Urhebernennung Foto: Family of Charlie Gard/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

ARCHIV - HANDOUT - Das von der Familie zur Verfügung gestellte undatierte Foto zeigt das Baby Charlie Gard in der Kinderklinik Great Ormond Street Hospital in London. (zu dpa «Britisches Baby Charlie gestorben» vom 28.07.2017) ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur bei Urhebernennung Foto: Family of Charlie Gard/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Das britische Baby Charlie Gard ist tot. Der an einer sehr seltenen Erkrankung leidende Junge starb nach einem monatelangen juristischen Streit um seine Behandlung am Freitag in einem Hospiz. Das teilte ein Sprecher der Familie in London mit. „Unser wunderschöner, kleiner Junge ist von uns gegangen“, wird die Mutter in dem Schreiben zitiert. Das Baby litt an einer sehr seltenen Erkrankung, die seine Gehirn- und Muskelfunktionen zerstörte.

Bis kurz vor dem Tod wurde um Charlie gestritten

Bis kurz vor seinem Tod wurde um Charlie gestritten: Seine Eltern hatten sich mehr Zeit gewünscht, um Abschied von ihrem elf Monate alten Sohn zu nehmen und wollten ihn zu Hause sterben lassen. Die Ärzte des Great-Ormond-Street-Krankenhauses, in dem Charlie behandelt wurde, wollten hingegen rasch die lebenserhaltenden Maßnahmen beenden, um dem Jungen weiteres Leid zu ersparen. Ein Richter des High Court entschied schließlich am Donnerstag, dass Charlie in das Hospiz verlegt sollte. Dort starb er kurz nach seiner Ankunft.

Monatelang kämpften die Eltern vor Gerichten um das Schicksal ihres Sohnes und setzten auch auf eine experimentelle Therapie. Am vergangenen Montag gaben sie auf. Durch die juristischen Streits sei so viel Zeit vergeudet worden, dass nun ihrem Sohn nicht mehr geholfen werden könne, hatten die Eltern kritisiert. „Es tut uns so leid, aber wir konnten dich nicht retten“, sagte der Vater damals.

Zuletzt musste er künstlich beatmet werden

Charlie hatte das mitochondriale DNA-Depletionssyndrom (MDDS). Zuletzt musste er künstlich beatmet und ernährt werden. Er konnte sich nicht mehr bewegen, war taub und hatte epileptische Anfälle.

Die Ärzte im Krankenhaus hatten sich dafür ausgesprochen, dass der Junge in Würde sterben darf. Seine Eltern wollten ihn dagegen für die experimentelle Therapie in die USA bringen, die aber bei Charlies Erkrankung nie getestet worden war, nur bei ähnlichen Krankheiten mit milderen Verläufen. Der Neurologe Michio Hirano von der Columbia University in New York schätzte die Chancen, dass sich Charlies Zustand mit der Therapie verbessere, zunächst auf etwa zehn Prozent.

Rund 1,5 Millionen Euro an Spenden gesammelt

Die Eltern hatten für die Behandlung ihres Sohnes bereits rund 1,5 Millionen Euro an Spenden gesammelt, um den Krankentransport und die Behandlung finanzieren zu können. Das Geld soll jetzt in eine Stiftung fließen, um Kindern mit ähnlichen Erkrankungen zu helfen.

Der Rechtsstreit durchlief alle Instanzen bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Bereits Ende Juni sollte Charlies Beatmung eingestellt werden, doch die Eltern erbaten Aufschub, um von ihrem Sohn Abschied zu nehmen. Anfang Juli kündigte das Great-Ormond-Street-Hospital an, den Fall nochmals gerichtlich überprüfen zu lassen. Anlass waren Angaben von Experten, sie könnten neue Erkenntnisse zu der experimentellen Therapie vorlegen.

Der Fall hatte international sehr viele Menschen bewegt. Neben US-Präsident Donald Trump äußerte sich auch Papst Franziskus dazu.