Buch über Hombruch in der NS-Zeit wird neu aufgelegt

Interview

Eigentlich wollte Roger Oebl (57) nur sein Studium abschließen. Das Thema seiner Staatsarbeit: Die Nazi-Zeit in Hombruch. Nach einer Fortsetzungsreihe in der Zeitung entstand sein Buch "Hombruch unterm Hakenkreuz". RN-Volontärin Eva-Maria Spiller hat mit Roger Oebl über die Entstehung seines Buches gesprochen.

HOMBRUCH

, 28.04.2017, 01:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vor 30 Jahren begann Roger Oebl sein Buch "Hombruch unterm Hakenkreuz".

Vor 30 Jahren begann Roger Oebl sein Buch "Hombruch unterm Hakenkreuz".

Herr Oebl, Sie kommen aus Hombruch?

Ich habe einen Lebensradius von 80 Metern (lacht). Ich wohne in Hombruch mit Sichtweite auf das Marien-Krankenhaus, in dem ich geboren wurde.

Sie haben 1988 das Buch „Hombruch unterm Hakenkreuz“ veröffentlicht.

Angefangen zu schreiben habe ich 1986 im Rahmen meiner Staatsarbeit, die ich 1987 abgegeben habe. Ende 1987 kam eine kleine Fortsetzungs-Reihe in den Stadtteilnachrichten. Darauf ist die Bezirksvertretung aufmerksam geworden und hat sich dafür eingesetzt, dass diese Staatsarbeit als Broschüre erscheint.

Wie entstand die Idee, sich mit dem Thema Hombruch in der NS-Zeit auseinanderzusetzen?

Ich habe bei dem Thema meiner Staatsarbeit anfangs ziemlich rumgeeiert. Und irgendwann sprach mich eine Nachbarin an: „Herr Student, wissen Sie überhaupt, dass Sie in der Rudolf-Heß-Siedlung wohnen?“ Diese Siedlung wurde damals von Heß feierlich eröffnet. Als er nach England floh, hat man die Siedlung Türmesiedlung genannt. Darauf habe ich mehrere Leute angesprochen. Die Älteren wussten alle etwas davon. So kam ein Gespräch zum Nächsten. Und irgendwann war klar: Ich beschäftige mich ausschließlich mit diesem Stadtteil von 1933 bis 1945.

Was war das für ein Hombruch damals?

Kein Stadtteil, der sich von anderen Dortmunder Geschichten unterscheidet. All das, was während der Nazi-Zeit passiert ist, ist in Hombruch genauso passiert. Man kann nicht sagen „Die Menschen waren voller Widerstand“. Es hat Einzelfälle gegeben, aber ansonsten gibt es keinen großen Unterschied.

Wie genau lief die Recherche ab?

Ich habe unheimlich viel Zeit im Stadtarchiv verbracht, viele Zeitungsfotos und -artikel gesucht. Ich war bei allen Kirchen, in der jüdischen Gemeinde, im Polizeipräsidium- – ich habe alle öffentlichen Institutionen nach Spuren abgegrast. Und die andere Hälfte der Arbeit war dann das Gespräch mit Zeitzeugen, 80 Leute aus ganz Hombruch.

Wie ist das Buch aufgebaut?

Relativ chronologisch. Ich habe mich an den Dingen orientiert, die vor 1933 passiert sind. Habe dann versucht, die Stadtteilgeschichte von 1933 bis 1936 zu beleuchten. Also immer, wenn es historische Einschnitte gab: der riesige Bau der Rudolf-Heß-Siedlung, die Reichspogromnacht, die Verfolgung, die Abtransporte von nicht gewünschten Leuten, der Kriegsausbruch und das Kriegsende.

Wie waren die Reaktionen auf die Erstauflage des Buches?

Das waren etwa 100 Exemplare und die Reaktionen waren durchweg positiv. Ich bin dann auf eine Vortragsreihe bei Volkshochschulen gegangen, habe Führungen durch Hombruch gemacht. Ich hatte nach dem Studium keine Lust mehr, aber das Thema ist immer wieder aufgetaucht. Ich war 2013 noch beim Männerdienst Hombruch der evangelischen Kirchengemeinde. Das Thema bewegt immer wieder.

Warum ist die Auseinandersetzung mit dem Thema heute noch so wichtig?

Wenn man ein bisschen über die Stadtteilgrenzen hinweg blickt, was ist Dorstfeld passiert. Die Neonazi-Szene dort. Das ist unglaublich. Deswegen ist es wichtig, dass solche Signale permanent kommen.

Die Bezirksvertretung (BV) hat beschlossen, das Buch noch einmal neu aufzulegen. Wie ist das für Sie?

Ich finde es gut. Der Bezirksvertretung gebührt auch reichlich Dank, dass sie sich immer wieder des Themas annimmt. Dass sie unermüdlich wirkt und das Thema immer wieder neu auflegt. Es ist auch ganz wichtig, weil die BV immer wieder zum Gedenken an Reichspogromnächte einlädt; und da nur 7, 8, 9 Leute stehen. Und das ist viel zu wenig.

Die BV hat beschlossen, 140 Exemplare des Buches zu erwerben. Kosten: 1254 Euro.
Allerdings wird das Buch nur bei besonderen Anlässen durch Bezirksbürgermeister Hans Semmler verschenkt.
Roger Oebl spricht im Rahmen der 190-Jahr-Feier Hombruchs des Geschichtsvereins am 18. August über sein Buch. Veranstaltungsort ist das evangelische Forum, Harkortstraße 55. Start ist um 18 Uhr. Dafür sind der Geschichtsverein Hombruch und Oebl auf der Suche nach alten Fotos, die für Ausstellungen in der Sparkasse (1988) und der evangelischen Kirche (1990) genutzt wurden. Der Kontakt ist möglich unter Tel. 97 61 95 72 oder Hombrucher-Geschichtsverein@gmx.de