Buchbinders 32 Gebote auf 88 Tasten

Konzerthaus Dortmund

DORTMUND. Beethoven und Buchbinder - das ist so wie Bach und Glenn Gould und Johann Strauß und die Wiener Philharmoniker. Ein Dogma, ein auf 88 Tasten gemeißeltes Gesetz, Buchbinders 32 Gebote. Ein Ereignis. Am Nikolaustag war "Mr. Beethoven" zu Gast im Konzerthaus Dortmund; es war ein legendärer Beethoven-Abend des 64-jährigen Pianisten.

von Von Julia Gaß

, 07.12.2010, 18:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>Rudolf Buchbinder ist ein legendärer Beethoven-Interpret . <p></p> Borggreve</p>

<p>Rudolf Buchbinder ist ein legendärer Beethoven-Interpret . <p></p> Borggreve</p>

Buchbinder ist das, was man bei Dirigenten Maestro nennt. Ein Souverän, ein Perfektionist, ein klug analysierender Pianist, der das auch ausstrahlt. Natürlich wollen alle von ihm immer einige der 32 Beethoven-Klaviersonaten hören. Aber der Wiener feierte in Dortmund auch die 200. Geburtstage von Schumann und Chopin. Letzteren mit einem intellektuell durchdrungen Scherzo, rollenden Bässen, glitzerndem Diskantspiel mit fliegenden Fingern auf geistigen Höhenflügen. Sein Schumann, die C-Dur-Fantasie, war noch differenzierter, farbiger und zu Beginn in den Anklängen an Beethovens Gesänge "An die ferne Geliebte" auch ein halber Beethoven. Sinfonisch klang dieser Schumann unter den Händen des phantastischen Realisten, hatte rhythmische Dramatik, große Dichte und wunderbare Farben.Rasante Tempi Beethoven, die frühe Sonate op. 10,2 und die "Waldstein"-Sonate, kennt Buchbinder besser als jeder andere Pianist. Und er belehrt mit ganz leichter Hand all die Kollegen eines Besseren, die behaupten, die schnellen Metronomangaben bei Beethoven seien falsch. Buchbinder spielte diese rasend schnellen Tempi in der Waldstein-Sonate, entdeckte den Liszt im Beethoven und hatte trotzdem Zeit für zarten Tastengesang, Details in den Nebenstimmen und eine klare Rhythmik. Aber der 64-Jährige ist bei aller Virtuosität auch ein Herr der Klänge, dessen farbenreiches Spiel imponiert.Wiener Zugabe Buchbinders Beethoven ist nicht so stirnrunzelnd wie der von anderen Pianisten, er klingt gewichtig, aber spielfreudig, hat große Tiefe, aber auch viel Leichtigkeit. - Legendär. Als Zugaben fürs begeisterte Publikum folgten ein rasantes "Sturmsonaten"-Finale und eine Verbeugung vor seiner Heimatstadt Wien: Eine Johann Strauß-Paraphrase. 2011 liegen 32 Beethoven-Sonaten in einer Neueinspielung von Buchbinder vor. Als Gesetz.

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