Bücher über die Terroranschläge in New York

11. September 2001

Mit den Anschlägen vom 11. September versetzten islamistische Terroristen die Welt 2001 in Angst und Schrecken. Zum zehnten Jahrestag der Ereignisse von damals blicken wir in einer Serie auf die Geschehnisse zurück und stellen fünf Bücher über die Terror-Anschläge vor.

von Ruhr Nachrichten

, 06.09.2011, 14:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eine Szene aus dem Comic von Art Spiegelmann.

Eine Szene aus dem Comic von Art Spiegelmann.

Zwischen den Sachbüchern zur Katastrophe am 11. September ist der Roman „Wo warst Du? Ein Septembertag in New York“ eine Kostbarkeit: Die Geschichte zweier deutscher Journalisten in New York. Das Journalistenpaar Anja Reich und Alexander Osang erzählt abwechselnd wie es den Tag erlebt hat. Er als Reporter, den es nach dem ersten Attentat zu den Türmen zog; sie als Mutter, die mit den Kindern zu Hause in Brooklyn zuschaute, wie sich die Stadt verändert. Mit Alltag beginnt der Tag des Paars, das zwei Jahre zuvor als Korrespondenten nach New York gezogen war. Osang dachte an einen größeren Häuserbrand, als die Nachrichten eintrafen und er zur Unglücksstelle fuhr. Vorbei an Polizeisperren, gegen den Strom flüchtender Menschen. „Ich habe dem Tod zugesehen“, sagt er später und nimmt die Leser auch mit in einen Keller, in den Menschen nach dem Einsturz flüchteten, und lässt sie hautnah die Katastrophe spüren. (Anja Reich / Alexander Osang: Wo warst Du?, Piper Verlag, 19,99 Euro, ISBN 978-34 92 05 43 62.) "Im Schatten keiner Türme": : ::mmm    

Umfassend zeigt Elmar Theveßen, Journalist und Terrorismusexperte des ZDF, wie die einschneidenden Ereignisse der vergangenen Jahre mit Nine Eleven zusammenhängen – von der Finanzkrise bis zur neuen Weltordnung und der Rolle Deutschlands. Er beschreibt – klar und verständlich – ein Jahrzehnt, in dem Emotionen das Handeln bestimmen. – Ein Jahrzehnt voller überhastetem Aktivismus, von Angst diktiert und von Nine Eleven getrieben. Es beginnt eine neue Ära der Kriegsführung, die des „grauen Kriegs“, ohne klare Fronten und vor allem ohne Regeln. Ein ganzes Kapitel widmet sich dem Angriff auf die Menschenrechte: gezielte Tötungen von Verdächtigen, geheime Gefängnisse, von oben angeordnete Folter, Lauschangriffe. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Auch die Arbeit der Geheimdienste ist Thema, dazu räumt Theveßen mit Verschwörungstheorien auf und zeichnet ein Szenario, wie alles anders hätte laufen können. (lmar Theveßen: Nine Eleven,  Propyläen, 19,90 Euro, ISBN 978-3-549-07381-0)

„Ich entscheide, was für die Exekutive Gesetz ist“, zitiert Bernd Greiner den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, der keinen Hehl aus seinem Verständnis präsidialer Befugnisse gemacht haben soll. Davon handelt der umfangreichere und gelungenere zweite Teil des Sachbuchs „9/11“. Mit vielen Daten und Fakten erhebt der Historiker wissenschaftlichen Anspruch, bietet einen Überblick über Handlungsweisen und Eigenarten der US-Regierungen. Er dokumentiert die systematische Entmachtung des Amerikanischen Kongresses mit deren Folgen. 9/11 lege den Grundstein zur „Neuauflage imperialer Präsidentschaft“, die Amerikas Wandel vom Rechtsstaat zum Machtstaat bedeutet habe – plausibel, spannend und informativ. Fragen, die um die Anschläge an sich kreisen, gehen im Verhältnis zur Kritik an der US-Regierung allerdings unter. Die Absage an zahlreiche Verschwörungstheorien – womit das Buch um Leser wirbt – wird auch nicht hinreichend begründet. (Bernd Greiner: 9/11,  Beck, 19,95 Euro, ISBN 978-3-406-61244-2)

Das laute Dröhnen der Triebwerke schreckt den Journalisten Herbert Bauernebel auf. Er sitzt gerade am Schreibtisch in seiner New Yorker Wohnung. Das Flugzeug fliegt zu tief – schießt es ihm als erstes durch den Kopf. Im nächsten Moment kracht der Flieger in den Nordturm des World Trade Centers. In „Und die Luft war voller Asche“ schildert Herbert Bauernebel bewegend, packend und schockierend die Geschehnisse unmittelbar nach dem Terroranschlag und in den Folgejahren. Wie er – von seinem journalistischen Instinkt geleitet – für eine Reportage zum Ort des Anschlags zieht und sich so selbst in Gefahr begibt. Wie er kurz darauf mit seiner schwangeren Frau flieht. Wie dieser Tag ihn und New York verändert hat. Mit fundierten Sachinformationen reichert Herbert Bauernebel die Eindrücke aus erster Hand an. Zeitsprünge, Perspektivenwechsel und die einwandfreie Schreibe machen dieses Buch ebenfalls sehr lesenswert! (Herbert Bauernebel: Und die Luft war voller Asche,  Lübbe, 18,99 Euro, ISBN 978-3-7857-2423-1)

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