Bürger hatten Ideen für drei Skulpturen

Serie Emscherkunst - Teil 15

In der Geschichte der Kunst sind Maler und Bildhauer meistens als Genies gesehen worden, denen die Ideen einfach zufliegen. Das hat sich geändert. Lucy und Jorge Orta entwickeln ihre Skulpturen gemeinsam mit den Menschen, die drumherum wohnen - und das hat der Stadt Dortmund bei der Emscherkunst drei außergewöhnliche Arbeiten beschert. Zwei stehen am Phoenix-See, die dritte auf der Kokerei Hansa.

DORTMUND

, 18.08.2016, 16:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Partizipative Kunst heißt es, wenn die Zuschauer mitmachen dürfen. "Lucy und Jorge Orta wollten mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten", sagt Projektleiterin Lisa Weber. In Marseille und in Rom hatte das zuvor schon gut funktioniert. Dort sind bereits "Spirits" entstanden - also Skulpturen, die den Geist eines Ortes einfangen.

Also hatte auch die Emschergenossenschaft schon Mitte 2015 Menschen gesucht, die bereit waren, mit dem Künstler-Ehepaar über die geplanten "Spirits of the Emscher Valley" (Geister des Emschertals) zu diskutieren und die Fragen des Argentiniers und der Engländerin zu beantworten.

Veränderte Rolle der Frau

Zum Beispiel auf der Kokerei Hansa: Dort erzählten ehemalige Koker von ihrem Stolz auf die harte Arbeit. Auch eine pensionierte Lehrerin und eine Schülerin diskutierten mit. In Hörde verliefen die Gespräche etwas anders, erinnert sich Lisa Weber. Dort spielte die Sorge um die Zukunft der Kinder eine große Rolle. Ein weiteres Thema war die Rolle der Frau, die sich sehr gewandelt hat.

Das Ergebnis war für die Dortmunderinnen und Dortmunder sehr berührend: Das "Totem mit Elster" beschreibt die Generationen, die auf einem Kohlebrocken stehen. Die "Bird Woman" (die Vogelfrau aus unserem Serien-Logo) zeigt den Phoenix, der aus der Asche steigt. Lisa Weber: "Aber es ist zugleich eine Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt."

Überraschend war die Reaktion der Gruppe auf der Kokerei Hansa. Hier legten die Künstler zwei Entwürfe vor. Doch die viel eingängigere Eule schaffte es nicht. "Die Gruppe hat sich sofort für die abstraktere Skulptur entschieden", berichtet Marita Pfeiffer, Sprecherin der Stiftung Industriedenkmalpflege auf Kokerei Hansa.

Skulpturen müssen ihren Platz wieder verlassen

So sind schließlich im schwäbischen Elchingen nicht nur das "Totem" und die "Vogelfrau" aus Aluminium gegossen worden, sondern auch der "Observer" für die Kokerei Hansa - ein Beobachter, der von seinem tollen Platz im Wasser die Vergangenheit und die Zukunft im Blick hat.

Schade nur, dass alle drei Skulpturen ihre Plätze nach der Emscherkunst verlassen müssen. Der "Observer" geht zurück an die Künstler. Pfeiffer: "Wir werden ihn sehr vermissen." Aber es sei von vornherein klar gewesen, dass das Kunstwerk nur ein Gast auf Zeit ist.

Das Totem und die Vogelfrau, die mit Geldern des NRW-Förderprogramms "Soziale Stadt" entstanden sind, müssen woanders in Dortmund-Hörde aufgestallt werden. Denn der Phoenix-See gehört nicht zum Förderbereich - auch wenn die Werke noch so gut ans Ufer passen.