Bürger machen sich für Baumschutzregeln stark

BOCHUM Laerholz, Rechener Park, Steinkuhl - Nur eine kleine Auswahl der Orte, wo in diesem Frühjahr, und damit zur Nist- und Blühzeit, wieder große Mengen alter Bäume abgeholzt wurden. Solche Fällaktionen sind dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein Dorn im Auge. Und nicht nur dem BUND. Auch Bürger regen sich auf.

von Von Angela Wiese

, 05.06.2008, 12:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Baumfällaktion im Rechener werten die Kritiker als Teil des „Kahlschlags in Bochum“.

Die Baumfällaktion im Rechener werten die Kritiker als Teil des „Kahlschlags in Bochum“.

Und so trafen sich am Mittwochabend Mitglieder und interessierte Bürger im Umweltzentrum an der Alsenstraße, um ihrem Ärger Luft zu machen. Vor allem die „mangelnden Informationen seitens der Stadt“ erregten die Gemüter. Viel zu spät würden Fällaktionen angekündigt.

Bäume gefällt und Boden zerstört

Eine Frau berichtete über die Abholzungen im Laerholz. Mit schwerem Gerät wären dort nicht nur Bäume gefällt, sondern auch der Boden zerstört worden. „Da kann man nichts mehr neu pflanzen“, sagte sie. Zudem gab es anschließend kaum Sicherheitshinweise, und das an einem Ort, an dem schließlich auch Kinder spielten. Lediglich ein kleines Schild mit der Aufschrift „Pas Op!“ hätte sie gefunden, welches die niederländische Firma hinterlassen hatte.

BUND kritisiert: Keine genaue Prüfung der Pflanzen

Dabei werden gerade mit dem Sicherheitsargument, nämlich mit der Verkehrssicherungspflicht, Abholzungen begründet. Morsche Äste und kranke Bäume stellen gerade in stürmischen Zeiten ein großes Risiko dar, dessen ist sich auch der BUND bewusst. „Scheinbar werden die Bäume aber gar nicht genau geprüft“, meinte Achim Hertzke vom BUND. „Die Bäume müssen gepflegt werden. Man kann morsche Äste entfernen, muss aber nicht den ganzen Baum fällen“, bestätigte Heike Peter, Sprecherin beim BUND Bochum. Dass in Zeiten des Klimawandels ausgerechnet die alten großen Bäume gefällt werden, und damit jene, die am meisten CO2 aufnehmen, wurde besonders kritisiert.

Der BUND plane eine Initiative, die die Landesregierung dazu bewegen soll, für NRW einheitliche und fachlich angemessene Baumschutzregeln einzuführen, erklärte Vorstandsmitglied Horst Meister. „Für die Kommunen bedeutet das eine Neuorientierung, aber nicht notwendig eine finanzielle Belastung. Denn wegen Feinstaub und Klimawandel ist diese Neuorientierung notwendig.“ Engagement sei da erforderlich. „Wir Bürger müssen unsere emotionale Kraft suchen und einsetzen - und zwar zusammen mit fachlicher Kompetenz“, forderte er.