Bundespolizist schreitet bei gefährlicher Gleis-Überquerung nicht ein

rnMann läuft über Gleise am Bahnhof Unna

Als am Donnerstagnachmittag am Unnaer Bahnhof ein Mann offenbar verwirrt mehrfach über die Gleise läuft, sieht dies auch ein uniformierter Bundespolizist. Auch nachdem ihn ein weiterer Zeuge darauf anspricht, handelt der Polizist jedoch nicht.

Unna

, 03.08.2018, 13:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Schreckensmoment mitten im Feierabend-Verkehr: Mehrere Menschen warten am Bahnhof am Donnerstagnachmittag gegen 17 Uhr auf ihre Züge, als plötzlich ein Mann über die Gleise läuft. Offensichtlich scheint er sich der Gefahr, der er sich dadurch aussetzt, nicht bewusst zu sein; mehrfach überquert er die Gleise, wirkt verwirrt.

Thomas Ressel steht auf dem Bahnsteig an Gleis 1, als er diese Szene beobachtet. Auch ein Bundespolizist in Uniform steht auf dem Bahnsteig und schaut in Richtung des Mannes auf den Gleisen. „Man würde erwarten, dass er einschreitet, irgendwas macht, um den Mann von den Gleisen zu holen“, schildert Ressel die Situation im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch der Bundespolizist reagiert nicht, mehr noch: Er wendet sich demonstrativ ab.

Fahrgast konfrontiert Bundespolizist

Als sein Zug einfährt, ist der Mann auf den Gleisen für Ressel nicht mehr zu sehen, er scheint weiter gegangen zu sein. Dafür sitzt Ressel nun im gleichen Zug wie der Bundespolizist. Er konfrontiert den Beamten: „Ich habe ihn gefragt, wieso er nicht eingeschritten ist.“ Die Antwort des Polizisten überrascht und ärgert Thomas Ressel: „Er sagte, dass er einen Ermessensspielraum habe, ob er in solchen Fällen eingreife oder nicht. Und außerdem sei er seit zwei Stunden auf dem Rückweg nach Hause.“

Thomas Ressel lässt sich die Personalnummer des Beamten geben und ruft die Hotline der Bundespolizei an. „Ich verstehe dieses Verhalten nicht. Da geht es doch um eine Vorbildfunktion.“ Die Mitarbeiter der Bundespolizei-Hotline bestätigen ihm, dass es tatsächlich einen Ermessensspielraum gebe, wann Beamte in solchen Fällen einschreiten sollten und wann nicht. „Ich hatte den Eindruck, dass das nicht gerne gehört wurde, was ich zu sagen hatte“, meint Ressel.

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Bundespolizei: „Wünschen uns schon ein Eingreifen“

Für die Bahnanlagen im Unnaer Bahnhof ist die Bundespolizei in Dortmund zuständig. Deren Pressesprecher Achim Berkenkötter bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung den sogenannten Ermessensspielraum. „Das Überschreiten von Gleisen ist eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat. Bei Ordnungswidrigkeiten liegt es im Ermessen des Beamten, einzuschätzen, ob er eingreift oder nicht.“ Anders verhalte sich dies bei Straftaten; hier gibt es keinen Ermessensspielraum.

Berkenkötter betont, dass er sich zu dem Fall aus Unna nicht äußern kann, da der betroffene Bundespolizist nicht in der Dienststelle in Dortmund arbeite. „Aber allgemein wünschen wir uns natürlich schon, dass jemand in Uniform, der eine Gefahrenlage erkennt, sich dieser annimmt und die Situation versucht, zu entschärfen“, so Berkenkötter.