Bundesregierung bestätigt: Schlimmster Wirtschaftseinbruch seit Zweitem Weltkrieg

Coronavirus

Die Bundesregierung rechnet damit, dass Deutschlands Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 6,3 Prozent sinken wird. Damit ist die Corona-Krise die schwerwiegendste in der Geschichte der Bundesrepublik.

Berlin

29.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: Größter Wirtschaftseinbruch seit Gründung der Bundesrepublik.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: Größter Wirtschaftseinbruch seit Gründung der Bundesrepublik. © picture alliance/dpa

Als „Tag der Wahrheit“ war dieser Mittwoch angekündigt worden, und diese Wahrheit ist eine, die wehtut. Um 6,3 Prozent wird die deutsche Wirtschaft laut Prognose der Bundesregierung in diesem Jahr einbrechen. Das gab Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Mittwochnachmittag bei der Vorstellung der so genannten Frühjahrsprojektion bekannt.

Die Corona-Krise hat damit schon jetzt ihren Platz in der Wirtschaftsgeschichte sicher. Ihre ökonomischen Folgen sind schwerwiegender als die aller bislang dagewesen Krisen seit Gründung der Bundesrepublik. In der Finanzkrise 2009 war das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent gesunken.

„Ich gebe zu, es gab schönere Anlässe und es gab optimistischere Ausblicke“, sagte Altmaier. Eine gute Nachricht immerhin hatte der Minister im Gepäck: Im kommenden Jahr erwartet die Bundesregierung eine deutliche Erholung. 5,2 Prozent Wachstum könnten es 2021 sein, in den ersten Monaten des Jahres 2022 wäre dann das Vorkrisenniveau wieder erreicht.

„Die Wirtschaft in Deutschland ist gleichzeitig sowohl einem massiven Auslands- als auch einem massiven Inlandsschock ausgesetzt“, sagte Altmaier. Beide Schocks beträfen sowohl die Nachfrage, als auch das Angebot.

Folgen für die exportorientierte deutsche Industrie

Die Leistung der Weltwirtschaft wird nach Schätzungen der Bundesregierung in diesem Jahr um 2,8 Prozent sinken - in der globalen Finanz- und Börsenkrise 2009 waren es im Vergleich dazu moderate 0,1 Prozent gewesen. Der Rückgang hat Folgen für die exportorientierte deutsche Industrie.

„Die Nachfrage nach deutschen Gütern wird in den nächsten Wochen und Monaten rückläufig sein und sie wird sich nur langsam wieder erholen“, sagte Altmaier. Unterbrochene Lieferketten kämen erschwerend hinzu, so dass er in diesem Jahr mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 11,6 Prozent rechne.

Die Binnenwirtschaft werde ebenfalls in arge Mitleidenschaft gezogen. „Wir erwarten für 2020 einen Rückgang des privaten Konsums von etwa 7,4 Prozent“, so der Wirtschaftsminister Auch bei Investitionen der Unternehmen erwarte die Regierung starke Rückgänge.

Das Jobwunder ist vorbei

Das alles wird Folgen haben - auch auf dem Arbeitsmarkt. Das deutsche Job-Wunder ist vorbei. Zwar hofft die Regierung bislang, durch die massive Ausweitung von Kurzarbeit viele Entlassungen verhindern zu können. Dennoch geht sie in ihrer Projektion davon aus, dass der Arbeitsmarkt „stark unter Druck“ geraten wird. Um 370.000 Personen dürfte die Zahl der Erwerbstätigkeit in diesem Jahr zurückgehen. Gastronomie, Handel und unternehmensnahe Dienstleistungen sind besonders betroffen.

Altmaier kündigte an, dass sein Ministerium an neuen Vorschlägen zur Unterstützung besonders notleidender Branchen arbeite. All diejenigen, die ihre unternehmerischen Aktivitäten später als andere wieder hochfahren dürften, benötigten zusätzliche Hilfen wie direkte Finanzspritzen oder die Umwandlung von Krediten in nicht rückzahlbare Zuschüsse, sagte er mit Blick auf Gastgewerbe, Veranstalter und Kulturbranche. „Dazu werde ich einen Vorschlag vorlegen.“

In der Debatte um ein mögliches Konjunkturprogramm, etwa Kaufzuschüsse für Autos, vermied Altmaier eine Festlegung. Er stellte lediglich klar, dass es aus seiner Sicht keine einfache Abwrackprämie wie in der Finanzkrise 2008/2009 geben solle.

Manager sollen Beitrag zur Unternehmensrettung leisten

Sollte sich der Bund an großen Unternehmen beteiligen, um diese zu retten, werde er sich nicht in unternehmerischen Entscheidungen einmischen, so der Minister. „Es ist mir wichtig, dass wir nicht den Fehler machen, zu glauben, dass der Staat unternehmerische Entscheidungen treffen kann oder soll“, sagte Altmaier.

Allerdings erwarte er, dass Unternehmen, die um Staatshilfe bitten, keine Dividenden ausschütteten und auch das Management einen Beitrag zur Sanierung leiste. Derzeit laufen Gespräche über eine mögliche Staatsbeteiligung an der Lufthansa.

Altmaier betonte, dass alle Szenarien auf der Annahme schrittweiser Lockerungen der Corona-Einschränkungen ab Mitte Mai basierten. Die Gefahr schwerer Rückschritte beim Infektionsgeschehen sei etwa bei der Frühjahrsprojektion nicht berücksichtigt. Zu deutsch: Kommt die zweite Corona-Welle, wird der Wirtschaftseinbruch noch viel schlimmer.

RND

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