Bunker wird frei für den Rundlauf

Kultur statt Müll

Müll, überall Müll, hoch bis zur vierten Treppenstufe – der Anblick hätte die meisten in die Flucht geschlagen. Guy Dermosessian und einige Mitstreiter aber sahen einen Raum wie gemacht für ihr Kulturfestival „Rundlauf“. Seit Wochen arbeiten sie in dem Hochbunker an der Haldenstraße. Inzwischen helfen auch Nachbarn mit.

BOCHUM

von von Ronny von Wangenheim

, 02.03.2013, 10:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Rundlauf-Team stieß im Bunker auf viele, teils kuriose Fundstücke, einige stammen noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Hallen und die kleinen Nebenräume werden beim Rundlauf von Künstlern bespielt.

Das Rundlauf-Team stieß im Bunker auf viele, teils kuriose Fundstücke, einige stammen noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Hallen und die kleinen Nebenräume werden beim Rundlauf von Künstlern bespielt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Kultur im Bunker

Der Hochbunker an der Haldenstraße wird Ende April zum Schauplatz des Kultur-Festivals Rundlauf. Seit Wochen arbeitet das Team in den vielen Räumen und hat Berge von Müll beseitigt. Auch Nachbarn aus der Speckschweiz machen inzwischen mit.
02.03.2013
/
Wochenlang wurde der Müll aus dem Bunker geschafft.© Foto: Schnorrbusch
Bunker an der Zechenstraße© Foto: von Wangenheim
Der Bunker an der Haldenstraße.© Foto: von Wangenheim
Diese Neonröhren könnte für einen Künstler als Material für eine Installation dienen.© Foto: von Wangenheim
Hinterlassenschaft an der Bunkerwand.© Foto: von Wangenheim
Hier hat wahrscheinlich eine Band, die in den 80er Jahren illegal den Bunker nutzten, ihren Namen an der Wand hinterlassen.© Foto: von Wangenheim
Die Parkuhr, auch ein Fundstück im Bunker.© Foto: von Wangenheim
In den 80er Jahren nutzten Bands illegal den Bunker für Proben und Konzerte.© Foto: von Wangenheim
Ein Fundstück.© Foto: von Wangenheim
Hinterlassenschaften aus alten Tagen.© Foto: von Wangenheim
Der Lüftungsschacht muss noch leer geräumt werden.© Foto: von Wangenheim
In den 80er Jahren nutzten Bands illegal den Bunker für Proben und Konzerte.© Foto: von Wangenheim
Guy Dermosessian in einem der Räume, in denen beim Rundlauf Konzerte stattfinden werden.© Foto: von Wangenheim
Im Keller des Bunkers findet sich eine zweite große Halle, die beim Rundlauf vor allem für Ausstellungen genutzt werden sollen.© Foto: von Wangenheim
Aus alten Tagen...© Foto: von Wangenheim
Guy Dermosessian zieht mit vielen Mithelfern Wochenende für Wochenende die Arbeitshandschuhe an.© Foto: von Wangenheim
Guy Dermosessian zieht mit vielen Mithelfern Wochenende für Wochenende die Arbeitshandschuhe an.© Foto: von Wangenheim
Wege führen zu vielen kleinen Räumen.© Foto: von Wangenheim
Der alte Bunker von innen.© Foto: Schnorrbusch
Hinterlassenschaften von früher.© Foto: Schnorrbusch
Jede Menge Müll stapelte sich im Bunker.© Foto: Schnorrbusch
Blick in den Bunker.© Foto: Schnorrbusch
Eine alte "Sitzecke".© Foto: Schnorrbusch
Eine alte "Sitzecke".© Foto: Schnorrbusch
Müll, überall Müll, hoch bis zur vierten Treppenstufe.© Foto: Schnorrbusch
Schlagworte

Im vergangenen Herbst klebte er 400 Blätter an Haustüren, lud zu einem Treffen ein, bei dem sie den „Rundlauf“ vorstellen wollten. Mit Interesse haben sie nicht wirklich gerechnet. „Doch da standen 40, 50 Leute“, erinnert sich Dermosessian. Einige boten leer stehende Ladenlokale oder Wohnungen an, Künstler erzählten von ihren Ideen. Und immer wieder war da die Frage nach dem riesigen Bunker, der seit knapp drei Jahrzehnten leer steht. Dermosessian machte sich auf die Suche nach dem Vermieter. Und fand einen Partner, der dem Rundlauf-Team das Nutzungsrecht im Gegenzug zur Entrümpelung einräumte. „Dann sind wir in den Baumarkt gefahren und haben Arbeitshandschuhe und Mundschutz gekauft“, erzählt der 28-Jährige. Schaufeln und Mülleimer fanden sie im Schutt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Kultur im Bunker

Der Hochbunker an der Haldenstraße wird Ende April zum Schauplatz des Kultur-Festivals Rundlauf. Seit Wochen arbeitet das Team in den vielen Räumen und hat Berge von Müll beseitigt. Auch Nachbarn aus der Speckschweiz machen inzwischen mit.
02.03.2013
/
Wochenlang wurde der Müll aus dem Bunker geschafft.© Foto: Schnorrbusch
Bunker an der Zechenstraße© Foto: von Wangenheim
Der Bunker an der Haldenstraße.© Foto: von Wangenheim
Diese Neonröhren könnte für einen Künstler als Material für eine Installation dienen.© Foto: von Wangenheim
Hinterlassenschaft an der Bunkerwand.© Foto: von Wangenheim
Hier hat wahrscheinlich eine Band, die in den 80er Jahren illegal den Bunker nutzten, ihren Namen an der Wand hinterlassen.© Foto: von Wangenheim
Die Parkuhr, auch ein Fundstück im Bunker.© Foto: von Wangenheim
In den 80er Jahren nutzten Bands illegal den Bunker für Proben und Konzerte.© Foto: von Wangenheim
Ein Fundstück.© Foto: von Wangenheim
Hinterlassenschaften aus alten Tagen.© Foto: von Wangenheim
Der Lüftungsschacht muss noch leer geräumt werden.© Foto: von Wangenheim
In den 80er Jahren nutzten Bands illegal den Bunker für Proben und Konzerte.© Foto: von Wangenheim
Guy Dermosessian in einem der Räume, in denen beim Rundlauf Konzerte stattfinden werden.© Foto: von Wangenheim
Im Keller des Bunkers findet sich eine zweite große Halle, die beim Rundlauf vor allem für Ausstellungen genutzt werden sollen.© Foto: von Wangenheim
Aus alten Tagen...© Foto: von Wangenheim
Guy Dermosessian zieht mit vielen Mithelfern Wochenende für Wochenende die Arbeitshandschuhe an.© Foto: von Wangenheim
Guy Dermosessian zieht mit vielen Mithelfern Wochenende für Wochenende die Arbeitshandschuhe an.© Foto: von Wangenheim
Wege führen zu vielen kleinen Räumen.© Foto: von Wangenheim
Der alte Bunker von innen.© Foto: Schnorrbusch
Hinterlassenschaften von früher.© Foto: Schnorrbusch
Jede Menge Müll stapelte sich im Bunker.© Foto: Schnorrbusch
Blick in den Bunker.© Foto: Schnorrbusch
Eine alte "Sitzecke".© Foto: Schnorrbusch
Eine alte "Sitzecke".© Foto: Schnorrbusch
Müll, überall Müll, hoch bis zur vierten Treppenstufe.© Foto: Schnorrbusch
Schlagworte

Seitdem haben sie sich Wochenende für Wochenende durch den Bunker gearbeitet. Haben gelernt, dass Müll nicht gleich Müll ist. Standen vor undefinierbaren Bergen. Sortierten im Dunkeln Glas, Holz und Schrott. Fanden haufenweise Flaschen und Dosen, Drumsticks – Zeugnisse aus den 1980er-Jahren, als Bands hier illegal probten und feierten.

Manchmal schafften es nur zwei oder drei aus dem Team in den Bunker. „Da lagen die Nerven schnell blank“, erinnert sich Guy Dermosessian. Aber da waren auch die Leute aus dem Viertel, die erst neugierig fragten, was man denn da mache. Die mal hinter die dicken Bunkermauern sehen wollten. Die Geschichten erzählten von den Zeiten, als die Polizei den Bunker stürmte, um Punks zu vertreiben. Oder von den Kriegstagen, als die Mutter mit dem Kind auf dem Arm stundenlang stand, weil sie nicht wusste, dass jeder selbst einen Stuhl mitbringen musste. Und die irgendwann sagten: „Wenn es für das Viertel ist, dann wollen wir mitmachen.“ Dermosessian: „Da waren wir mit einem mal zu zehnt und alles ging viel schneller.“ Deshalb sind sie ihrem Zeitplan inzwischen sogar voraus. Sieben Container wurden gefüllt. Die Räume sind leer, in der kommenden Woche prüft das Bauordnungsamt. Am Freitag räumte Guy Dermosessian einen Lüftungsschacht leer, der dafür sorgt, dass es im Bunker zwar schweinekalt und wegen des undichten Dachs auch feucht ist, aber sich nirgendwo Schimmel gebildet hat.

Auch für die Zukunft haben Handwerker aus der Nachbarschaft Unterstützung zugesagt. Denn der „Rundlauf“ rund um den 1. Mai soll nur ein Auftakt sein. Das Rundlauf-Team will den Bunker langfristig der Speckschweiz zugänglich machen. Ein Junge hat schon gefragt, ob er Schlagzeug proben kann. Andere wollen hier ein Sportstudio aufbauen. Der „Rundlauf“ dagegen wird weiter wandern. Wattenscheid oder die Hustadt sollen in den kommenden Jahren erkundet werden. „Mit den Erfahrungen aus dem Bunker können wir jetzt alles ganz anders angehen. Wir wissen jetzt: Es ist alles möglich.“

Der Hochbunker an der Zechen-/Haldenstraße entstand während des Zweiten Weltkriegs. Er war für 1400 Menschen ausgelegt. Er wurde nie fertig gestellt, aber als Schutzraum genutzt, zum Teil von bis zu 6000 Menschen. Nach dem Krieg war der Bunker zentrale Sammelstelle und Möbellager. Bis 1973 nutzte ihn das THW. Später war er teilweise an eine Firma vermietet.