Campendonks Bilderwelten zwischen Traum und Wirklichkeit

Kunstmuseum Ahlen

Im Kunstmuseum in Ahlen zeigt die Ausstellung "Zwischen Traum und Wirklichkeit" erstmals Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Heinrich Campendonk, die aus dem Besitz des Kunstmuseums in Ahlen und aus dem Besitz des Stadtmuseums im bayerischen Penzberg stammen.

AHLEN

von Elvira Meisel-Kemper

, 18.05.2015, 05:38 Uhr / Lesedauer: 1 min
Campendonks Bilderwelten zwischen Traum und Wirklichkeit

„Frau am Spiegel“ von Heinrich Campendonck aus dem Jahr 1947

Penzberg ist nicht nur Partnerstadt von Ahlen, sondern war auch Lebensmittelpunkt von Campendonk in den Jahren 1911 bis 1922 gewesen.

Campendonk war mittendrin in den Eruptionen der Kunstszene nach 1900. Durch das Leben in Penzberg erhielt er Kontakt zum Blauen Reiter. Er profitierte ein Leben lang von Freundschaften mit den Künstlern Franz Marc, August Macke oder Wassily Kandinsky. Im Alter von nur 18 Jahren malte er das Bild "Das kranke Kind des Polizisten" (1907). Sein damaliges Vorbild war Vincent van Gogh.

Menschen und Tiere

Das Frühwerk, das im Kunstmuseum gesammelt wurde, hat in der Schau besonderes Gewicht. Das Spätwerk ab 1930 kam als Leihgabe aus Penzberg. Kruzifixe sind einer seiner Schwerpunkte. Sie finden sich in allen Perioden. Die Kombination von Menschen und Tieren im Frühwerk, die manchmal an Franz Marc denken lassen, verfliegt in den späteren Jahren.

Als der Druck der Nationalsozialisten zu groß wurde, ging er 1935 in die Niederlande. Als Ironie der Zeit mag es erscheinen, dass 1937 Campendonks Bilder als "entartet" ausgestellt wurden, als er im selben Jahr für die Gestaltung des niederländischen Pavillons auf der Weltausstellung in Paris sogar eine Auszeichnung erhielt.

Leicht und luftig

Seine Bildwelt bleibt dennoch leicht und luftig. Sie wurde schwerer und knorriger in den späten Jahren. Häufig wird Campendonk als Expressionist des Niederrheins bezeichnet. Doch so einfach ist das nicht. Campendonk hat vieles integriert und zu seinem Stil gemacht, was ihm damals über den Weg gelaufen ist.

Rational darf man seine Bildwelt und seinen Stil, der ein wenig Kubismus, aber auch Chagall enthält, nicht bewerten. Die träumerische, emotionale Ebene war Künstler Heinrich Campendonk wichtiger. Er drückte sie mit Farbe und mit markanten Formen aus.

Abstrakte Kunst

Dazu passt sehr gut die abstrakte Kunst von Elisabeth Sonneck aus Berlin. Sie schuf drei Räume, in die sie vereinzelt Bilder von Campendonk integrierte.

Kunstmuseum Ahlen: "Zwischen Traum und Wirklichkeit", bis 26.7., Museumsplatz 1, Mi-Fr 15-18 Uhr, Sa/ So 11-18 Uhr.