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Fleißer-Stück in Neufassung: "Fegefeuer" brennt am WLT

Westfälisches Landestheater

CASTROP-RAUXEL 86 Jahre ist das Stück alt, doch das "Fegefeuer von Ingolstadt" brennt lichterloh. Denn das zentrale Thema, die Pubertät, ist heute noch aktuell. Am Westfälischen Landestheater wird der Stoff derzeit in eine moderne Form gebracht. Premiere ist am 29. April.

28.03.2012 / Lesedauer: 2 min
Fleißer-Stück in Neufassung: "Fegefeuer" brennt am WLT

Porträt mit Pistole: "Roelle" (gespielt von Steffen Weixler) ist ein missverstandener Außenseiter.

Die Pubertät ist die Hölle. Der junge Mensch, eingezwängt in der Findungsphase zwischen Kindheit und Erwachsenwerden, steht quasi in Flammen und taumelt gefühlsmäßig durch ein Fegefeuer. Das war 1926, als „Fegefeuer in Ingolstadt“ von Marieluise Fleißer uraufgeführt wurde, im Kern nicht anders als heute. „Es ist eine richtige Herausforderung, dieses ausgesprochen anspruchsvolle Drama, diese Weltliteratur auf die Bühne zu bringen“, sagt Regisseurin Carola von Seckendorff. Premiere der Neufassung für alle ab 15 Jahren ist am Sonntag, 29. April, 18 Uhr, im Studio des Westfälischen Landestheaters (WLT).

 Die Tragödie um die Jugendlichen Roelle, Olga, Peps und die anderen sei als Original-Text nicht so einfach zu lesen und zu verstehen. „Sehr kryptisch, sehr religiös“, sagt die aus Münster gebürtige Schauspielerin und Regisseurin, die zum ersten Mal am WLT inszeniert. Aber was zwischen den Zeilen und unter den verrätselten Sätzen verborgen liegt, eben das Ringen um Identität, Probleme mit dem Großwerden und den Eltern und Erwachsenen, Anerkennung in der Gruppe, Zweifel an der Kirche, die keinen Halt gibt - das seien existenzielle, auch beängstigende Erfahrungen, die jeder kennt. Und genau die habe man herausgearbeitet und in einen aktuellen Zusammenhang gestellt.

 Thematisch findet sich in dem Stück nun alles, was es als so genanntes Brückenstück - da es für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen funktioniert - wertvoll macht: Schwangerschaft, Abtreibung Eltern-/Kind-Kämpfe, Religionswahn, Gewaltphantasien, Amoklauf, Tod und vieles mehr. Jeder verstehe eben des anderen Welt, sagt von Seckendorff und wird diese emotionalen Momente sehr körperlich, sehr extrem und in surrealen Bildern zeigen, für die Jeremias Vondrlik einen eindrucksvollen, „ruhelosen“ Bühnenraum geschaffen hat.  Es spielen mit: Steffen Weixler, Julia Panzilius, Andreas Kunz, Daniel Printz, Alexander Leder, Caroline Knebel, Denise Elsen und die Regisseurin (als Videoprojektion). Zum Stück gibt's ein theaterpädagogisches Programm, zusammengestellt von Sabine Eschen und Katrin Kleine-Onnebrink.

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