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Hundesteuerbefreiung abgelehnt

Gehörlose

CASTROP-RAUXEL Dagmar und Olaf Falke sind gehörlos und somit auf ihren Hund Bobby angewiesen. Die Hundesteuer müssen sie trotzdem zahlen. Auch dass sie etwa bei Behördengängen einen Dolmetscher benötigen, gehört zu den alltäglichen Herausforderungen der beiden.

von Von Christoph Witte

, 24.09.2009 / Lesedauer: 3 min
Hundesteuerbefreiung abgelehnt

Dagmar (gehörlos) und Olaf (hochgradig schwerhörig) Falke mit ihrem Mischlingsrüden Bobby.

Wenn beim Überqueren der Straße ein Rettungswagen mit Martinshorn naht, wenn ein Fahrradfahrer mit lautem Klingeln sein Kommen ankündigt. Wenn der Schlüssel klimpernd zu Boden fällt, dann ist Bobby aufmerksam, dreht sofort den Kopf zum Ort des Geräuschs und signalisiert Herrchen und Frauchen damit: Aufgepasst.

„Ohne Hunde hätten viele Gehörlose mehr Probleme im Alltag“, erzählt Helga Falke, Mutter von Olaf. Und deshalb können die Falkes auch nicht verstehen, warum sie Hundesteuer zahlen müssen. Immerhin 84 Euro pro Jahr, bei Empfängern von Sozialleistungen 21 Euro jährlich. „Bei der Stadt heißt es, der Hund müsse eine Qualifikation vorweisen. Was soll er denn können? Gebärdensprache?“, ärgert sich Helga Falke, dass sie kein Gehör findet. „Seine natürlichen Instinkte sind Hilfe genug. Außerdem versteht Bobby jeden Laut von meinem Sohn und meiner Schwiegertochter.“

Wer von der Hundesteuer befreit wird, regelt jede Gemeinde anders. In Castrop-Rauxel sind das ausgebildete Blindenführhunde, Apportierhunde für Rollifahrer, Diensthunde von Polizei und Feuerwehr und Wachhunde, die sich auf einem Grundstück aufhalten, das mindestens 200 Meter von der nächsten Ortsbebauung entfernt ist. Monika Jakubus, verantwortlich für Belange in Sachen Hundesteuer, versteht die Argumente der Gehörlosen, sieht aber keinen Handlungsspielraum: „Das ist auch bei anderen Leuten, etwa alten Menschen, so, dass sie einen Hund aus Schutzgründen haben.

Dann müssten wir bei jedem zweiten Hundehalter eine Befreiung genehmigen.“ Überhaupt ist jeder Behördengang für Gehörlose schwierig. Weil kein Mitarbeiter der Verwaltung die Gebärdensprache beherrscht, müssen sich die Gehörlosen entweder selbst einen Dolmetscher organisieren, oder sie verständigen sich mit Zetteln. „Bei wichtigen Anliegen“, sagt Maresa Hilleringmann von der Stadtpressestelle, „arbeitet die Infostelle Soziales mit dem Gehörlosenzentrum Recklinghausen zusammen.“ Dort kennt man die Problematik aus vielen Kommunen, die nicht verpflichtet sind, einen Gebärdensprachendolmetscher zu beschäftigen.

„Deswegen halten wir eine Liste mit allen anerkannten Dolmetschern aus NRW vor“, sagt Mitarbeiterin Sandra Martin. Die Kosten für Arztbesuche, Verwaltungsangelegenheiten, vor Gericht und bei der Polizei werden laut Sozialgesetzbuch übernommen. „Nicht aber bei Privatterminen und auch nicht beim Elternsprechtag“, weiß Martin.

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