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Die Position des Vermittlers der Vereine wird aufgeteilt

Wilfried Heyden geht in Rente

Seit elf Jahren ist Wilfried Heyden als Bereichsleiter Sport und Bäder für die heimischen Sportstätten und Vereine verantwortlich. Doch Ende April ist Schluss. Seine Stelle will die Stadt nicht neu besetzen, sondern aufteilen.

Castrop-Rauxel

, 26.04.2018
Die Position des Vermittlers der Vereine wird aufgeteilt

Wilfried Heyden in seinem Büro, Raum 255 im Rathaus. Die Farben Schwarz-Gelb dominieren – sei es beim Hemd, dem Fußball oder dem BVB-Plakat an der Wand im Hintergrund. © Marcel Witte

Wilfried Heyden tritt mit dem 1. Mai aufgrund einer Altersteilzeitregelung in den vorzeitigen Ruhestand. Als Leiter des Bereichs Sport und Bäder in der Stadtverwaltung entsteht dadurch eine Lücke. Statt diese Stelle neu zu besetzen, will die Stadtverwaltung seine Aufgaben aufteilen. Vorher will aber die Politik noch darüber beraten. Das steht seit der Ratssitzung am Donnerstag fest.

Aufgaben werden aufgeteilt

Das Aufgaben-Teilgebiet Bäder soll dem Immobilienmanagement zugeschlagen werden. Dafür würde das Personal der Bäder und die verantwortliche Mitarbeiterin der Verwaltung in den Immobilienbereich umgesetzt. Das Teilgebiet Sportangelegenheiten wird als Stabstelle dem Bürgermeister zugeordnet. So hatte das kürzlich auch die Ruhrstadt Schwerte (50.000 Einwohner) gehandhabt. So stand es jetzt in einer Tischvorlage der Verwaltung zur Abstimmung im Stadtrat.

Opposition möchte Beratungszeit haben

Ob es in Castrop-Rauxel aber dazu kommt, ist noch offen. Denn zunächst die FWl, dann auch die Grünen (Uli Werkle) zweifelten an, ob die Stadtverwaltung in dieser Frage einfach eine Tischvorlage für die Ratssitzung einbringen könne. „Wir würden den Beschluss aufgrund fehlender Vorberatungen gern schieben“, sagte Manfred Postel (FWI). Er verwies auch darauf, dass die Politik seit zwei Jahren auf ein Personalentwicklungskonzept der Stadtverwaltung warte. „Das ist eine Frechheit gegenüber der Politik“, so Postel.

Bürgermeister Rajko Kravanja sagte, man habe es bisher einfach zeitlich nicht geschafft. „Wir haben so eine gute Lösung gefunden und sind immer bemüht, diese auch kurzfristig umzusetzen. Aber wenn der Rat in seiner ganzen Weisheit darüber in sechs Wochen noch mal beraten möchte, dann kriegen wir auch das hin. Die sechs Wochen nehmen wir uns noch.“

Die Position des Vermittlers der Vereine wird aufgeteilt

Auf den heimischen Sportplätzen fühlt sich Wilfried Heyden (3.v.l.) wohl, wie hier in Dingen.

Wir haben Wilfried Heyden noch einmal in seinem Büro am Europaplatz besucht. Und festgestellt: Hier sitzt ein eingefleischter BVB-Fan. Davon zeugt ein Borussia-Plakat an der Wand, eine schwarz-gelbe Tasse sowie sogar ein BVB-Eierwärmer. „Meine Dauerkarte habe ich seit 1976, ins Stadion gehe ich aber schon seit 1969“, sagt Heyden. Damals war er gerade einmal 13 Jahre alt. Welche berufliche Zukunft auf ihn warte, war dem gebürtigen Castrop-Rauxeler damals noch nicht bewusst.

Technische Entwicklung hat einiges verändert

Heute blickt der 62-Jährige auf 46 Jahre Arbeitszeit in der Verwaltung der Stadt Castrop-Rauxel zurück. Eine lange Zeit. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert, vor allem die technische Entwicklung. „Früher mit der Schreibmaschine musste jedes Schreiben einzeln und immer wieder neu angefertigt werden“, so Heyden, „heute ist das eine wesentliche Erleichterung, denn ich kann das Schreiben einfach nochmal ausdrucken.“

Zudem habe sich der Umgang mit Mitarbeitern, Vorgesetzten und Vereinsmitgliedern geändert. „Früher war das hoheitliche Denken viel größer und es war formeller. Die Leute sagten: Ich gehe zur Verwaltung, da muss ich als Bittsteller rangehen“, sagt Heyden. Heutzutage sei das alles lockerer.

Für 72 Vereine in 30 verschiedenen Sportarten verantwortlich

Das hilft dem Leiter des Bereiches Sport und Bäder, bei dem er für 72 Vereine in 30 verschiedenen Sportarten verantwortlich ist, ungemein. Denn mit einem Blick von oben herab wären die einen oder anderen Gespräche mit Vereinsvertretern wahrscheinlich schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt gewesen. „Ich habe ein unkompliziertes Verhalten zu den Vereinen. Die haben erkannt, dass wir mit unseren Zielsetzungen den Vereinen helfen wollen“, so Heyden.

Doch das musste er sich vor elf Jahren erst erarbeiten. Wilfried Heyden war bis dato mit dem Sport nur im privaten Bereich in Berührung gekommen – vor allem als Fußballspieler der SG Castrop in seiner Jugendzeit. Ein großes Foto einer Luftaufnahme des Stadions an der Bahnhofstraße zeugt von Heydens Verbundenheit mit dem Verein.

Zum 1. April 2007 wurde er Leiter des Bereichs Sport und Bäder und übernahm den Posten von Winfried Hetzel, der seinerzeit Mitte der 90er-Jahre die Nachfolge von Sportamtsleiter Günter Frohnhöfer antrat. Hetzel war in Sachen Bereichsleitung eine Art „Ziehvater“ für Heyden. „Ich habe ein dreiviertel Jahr bei ihm hospitiert“, so der 62-Jährige. Denn zuvor war Heyden im Baudezernat unterwegs. Unter anderem im Tiefbauamt (von 1978 bis 1982), im Amt für Bauförderung und Wohnungswesen (1990 bis 1993), als Bereichsleiter für Immobilienmanagement (2004 bis 2005) und für Bauförderung und Wohnungswesen (2005 bis 2007).

Dann bekam Wilfried Heyden mit, dass Winfried Hetzel aufhört. „Das war mein Wunschposten. Ich hatte früher bereits gesagt: ‚Irgendwann im Bereich Sport und Bäder zu arbeiten, das wär doch was‘“, sagt Heyden. Er bewarb sich für die Stelle und wurde genommen. „Die anderen Stellen habe ich mir quasi ausgesucht, das war die erste, wofür ich mich bewerben musste“, so Heyden.

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Als er den Posten antrat war der Castrop-Rauxeler Sport mitten in einem Wandel. Nach und nach wurden vielen der Sportplätze ein Kunstrasengeläuf verpasst. Passend zu Heydens Einstieg wurde im Jahr 2007 auch das umgebaute Stadion an der Bahnhofstraße, der Sportplatz „seiner“ SG Castrop fertiggestellt.

Doch es sollten schwierige Zeiten auf Wilfried Heyden zukommen. Denn die Stadt sah sich gezwungen Nutzungsgebühren für die Sportstätten zu erheben: 7,50 Euro pro Stunde für eine Turnhalle, 10 Euro für einen Sportplatz, noch mehr für eine Schwimmhalle. Es war klar, dass die Vereinsvertreter damit nicht vornherein einverstanden seien. „Ich dachte mir nur: ‚Oh, mein Gott. Wie kriegen wir das nun hin?‘“, sagt Heyden heute. Es kam zwar zu Protesten, letztlich sei aus Sicht des Bereiches Sport und Bäder aber „alles besser gelaufen, als zuvor gedacht“, so Wilfried Heyden.

Gespräche im Vereinsheim, nicht im Büro

Dabei kam ihm auch sein gutes Verhältnis zu den Vereinsvertretern zugute. „Entgegen mancher Denke sitze ich nicht nur im Büro, sondern gehe viel raus“, sagt der 62-Jährige. Termine mit den Klubvertretern vereinbare er lieber für das Vereinsheim und nicht für sein Büro. „Dann sind es auch gleich viel offenere Gespräche“, so Heyden, der sich selbst als „Vermittler der Vereine“ sieht.

Die Position des Vermittlers der Vereine wird aufgeteilt

Natürlich gehört auch die Büroarbeit zu seinem Job als Bereichsleiter Sport und Bäder dazu. Hier auf einem Archivbild.

Ulrich Romahn, Vorsitzender des Stadtsportverbands, ist von Heydens Arbeitsmoral beeindruckt: „Bemerkenswert war, dass er immer mehr gemacht hat, als er hätte müssen. Er hatte immer den direkten Weg gewählt, ganz nach dem Motto: kurze Wege. Die Kommunikation war immer super.“ Auch Ulli Müller, Vorsitzender der Sportjugend, lobt Heydens Arbeit: „Wilfried beliebt mir als sehr aufgeschlossener, liebenswerter Zeitgenosse in Erinnerung. Er hat die Sportszene der Stadt nachhaltig mitgeprägt.“

Elf Jahre nachdem der Castrop-Rauxeler seinen Posten angetreten hat, ist Schluss. Wilfried Heyden geht nach 46 Jahren Arbeitszeit in der Verwaltung in Ruhestand. Die Arbeit mit den Vereinsvertretern wird er vermissen, aber er bleibt dem Sport erhalten. „Ich möchte einfach wieder mehr Sport machen, dazu blieb zuletzt nicht so viel Zeit“, sagt Heyden. Doch eine Sache hat er sich für den Ruhestand definitiv vorgenommen: „Gemeinsam mit meiner Frau möchte ich die Welt erkunden, nach San Francisco wollte ich unbedingt mal hin.“

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