Charly Hübner ist unterwegs mit Techno-Traumtänzern

Im Kino

Karl Schmidt (Charly Hübner) fristet seine Tage in einer drogentherapeutischen WG in Hamburg. Für Karls Urlaub hat der Sozialarbeiter (Bjarne Mädel) ein Kurheim bei Uelzen gebucht. Wassertreten, Sport und so. Karl besteigt den Zug und fährt zielstrebig an Uelzen vorbei nach Berlin. Scheiß drauf – lieber geht er mit der Mischpoke von früher auf Tournee! Hallo Rock’n’Roll, hallo Wahnsinn, hallo Groupies! „Magical Mystery“ - Die Rückkehr des Karl Schmidt“ ist ein Roadmovie von „Stromberg“-Regisseur Arne Feldhusen,

29.08.2017, 13:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Charly Hübner ist unterwegs mit Techno-Traumtänzern

Detlev Buck (M)als Ferdi und Freunde gehen auf Techno-Tour.

Sven Regner (Autor der Romanvorlage), hat dafür das Drehbuch schrieb. Schmidt ist eine Figur aus dem Dunstkreis von Regners „Herr Lehmann“: Fünf Jahre vor der Magical Mystery Tour ist er in der Klapsmühle und später in seiner WG gelandet.

Lockruf von Freiheit

Jetzt erliegt „Charly“ Schmidt dem Lockruf von Freiheit, Abenteuer und Techno. Die alten Kollegen Ferdi (Detlev Buck) und Raimund (Marc Hosemann) betreiben das Label Bumm Bumm Records, sie reiten die Rave-Welle, und das erfolgreich. „Magical Mystery“ ist eine fröhliche Farce um die Generation Techno, die in den 90ern die Popwelt regiert.

Ferdi, der visionäre Spinner, träumt von einem Techno-Imperium, die Tour soll sein Label berühmt machen. Eine Handvoll Djs entert den Kleinbus, Charly ist Fahrer und Mädchen für alles. Alk und Drogen sind tabu für ihn – perfekt. Alle geben sich die Kante, aber Charly hält die Meute auf Kurs.  

Wie ein Tagebuch

Der Film entrollt sich wie ein Tagebuch. Pillenfresser unterwegs. Party-Alarm bis in die Puppen, dann Koma im Hotel. Bis Rausschmeißer Charly zum Wecken bläst. Die Truppe spielt in „schangeligen“ Clubs, bespaßt Behinderte auf dem Dorf, tritt beim „Springtime“-Rave auf, gedreht im Trubel der Dortmunder „Mayday“-Sause.

Der Techno-Zirkus als Zoo der schrägen Vögel, und Charly ist der Wärter. Die Bekloppten der Bumm Bumm-Truppe sind liebevoll karikiert, werden aber nicht auf dem Altar des Klamauks geopfert. Regners Buch und Feldhusens Regie treten keine Pointen breit.

Sie arbeiten mit lakonisch knappen Skizzen und staubtrockenen Dialogen, die Hosemann, Buck und dem wunderbaren Charly Hübner authentisch über die Lippen gehen. In „Magical Mystery“ steckt auch ein Abgesang auf die Techno-Szene und ihre Traumtänzer, darin liegen Weisheit und Substanz einer Komödie der gehobenen Klasse. Kein flacher Jux, vielmehr ein großer Spaß!