Chor der Ruhr-Uni und BoSy ganz romantisch

Konzert im Audimax

Mit großem Aufwand führten der Chor der Ruhr-Universität und die Bochumer Symphoniker unter Leitung von Universitätsmusikdirektor Hans Jaskulsky am Donnerstagabend die Kantate „Von deutscher Seele“ im Audimax auf. Sie beruht auf Texten von Joseph von Eichendorff, die die Musiker förmlich lautmalerisch vertonten.

BOCHUM

, 23.01.2015, 17:08 Uhr / Lesedauer: 1 min
Chor der Ruhr-Uni und BoSy ganz romantisch

Mit einem Solistenquartett führten der RUB-Chor und die Bochumer Symphoniker unter UMD Hans Jaskulsky die Pfitzner-Kantate »Von deutscher Seele« im Audi-max auf. Es sangen (v.l.): Rebecca Broberg (Sopran), Maria Hilmes (Mezzosop-ran), Corby Welch (Tenor) und Manfred Hemm (Bass).

Hans Pfitzner hatte die Kantate 1921 auf Texte Joseph von Eichendorffs geschrieben. Neben dem Orchester in großer Besetzung mit doppeltem Paukensatz, Saalorgel und diversen Sonderinstrumenten steuerte ein Solistenquartett bedeutende Elemente bei.

Erst seicht, dann stürmisch

Gedichte und Sprüche in eher willkürlicher Folge formte Pfitzner zu Stimmungsbildern deutscher Romantik. Trieben die ersten Gesangspassagen, das Vorspiel des Streichquartetts, seicht dahin, so bäumte sich die Orchesterdramatik mit dem „Tod als Postillon“ stürmisch auf, dämonisch, durchhuscht von geisterhaften Piccolo-Flöten. Suchend, umherirrend gestalteten Solisten die sich übergangslos aneinander reihenden Sprüche.

Wo „der Sturm lärmend um das Haus“ geht, malte Pfitzner den Text Eichendorffs förmlich nach. Mysteriöse, dahinschmelzende Klänge des Orchesters leiteten zum nächsten Idyll, Oboen brachten den Hahn zum krähen, die Worte des Chores lautmalerisch umsetzend. Beinahe fröhlich mündete der erste, „Mensch und Natur“ überschriebene Teil im „Nachtgruß“ des Chores.

Mezzosopranistin als Furie

Gleich einer Trauerprozession leitete das Orchester zu melancholischen Passagen des Chores, dem Tenorsolo „Der Umkehrende“, gefolgt von Flötenklängen, wie man sie von Debussy erwartet hätte. Der „Trost“ des Chores ähnelte dagegen einer Hetzjagd. Nahtlos schloss sich der „Liedteil“ an, den Sopranistin Rebecca Broberg mit „Der alte Garten“ chromatisch eröffnete. Ein kleiner Chor, auf Ausgewogenheit zur geringen Zahl der Männerstimmen bedacht, fügte sich an.

Mit „Die Nonne und der Ritter“ griff Tenor Corby Welch ein Kreuzzugsthema auf. Als Romanze suchte der Chor das Finale zu gestalten, wurde jedoch von der als Furie hereinwirbelnden Mezzosopranistin Maria Hilmes jäh gestoppt. Beeindruckend betätigte sich Bass Manfred Hemm als „Der Friedensbote“, von martialischem Schlagwerk begleitet, mit einem inbrünstig gerufenen „frei!“ am Ende. Schmetterndes Blech deutete das Lied zum Heldenepos um, und der Chor setzte dies mit dem „Schifferspruch“ fort, von den Solisten noch einmal aufgegriffen, um im triumphalen Finale zu gipfeln.

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