Choreografien zu Bachs Cellosuiten

Ruhrtriennale

Ein Musiker und eine Handvoll Tänzer im leeren Raum mit Bachs sechs Cellosuiten. Zwei Stunden Musik nonstop. Ermüdend? Nicht bei Anne Teresa De Keersmaeker in der Gladbecker Maschinenhalle Zweckel.Ihre Uraufführung „Mitten wir im Leben sind“ am Samstag bei der Ruhrtriennale riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

GLADBECK

, 27.08.2017 / Lesedauer: 2 min
Choreografien zu Bachs Cellosuiten

Tänzerin Marie Goudot mit Cellist Jean-Guihen Queyras in Anne Teresa De Keersmaekers Choreografie

Trotz geometrischer Muster aus Kreisen auf dem Boden, später zusätzlich aufgeklebter Linien und magischer Handzeichen der belgischen Choreografin ist dies kein abgezirkelter, esoterischer, historisch-abstrakter Abend.  Denn Anne Teresa De Keersmaeker und vier Tänzer ihrer Kompanie „Rosas“ finden eine zugleich musikalische und moderne Bewegungssprache für die tänzerischen Barockstücke.

Tür und Fenster auf der linken Seite der großen Halle stehen weit offen. Der abnehmende natürliche Lichteinfall wird so Teil der Inszenierung.

Meisten Tänze sind Soli

Wie die Musikstücke kommen auch die meisten Tänze als Soli daher: Michael Pomero verbindet in der ersten Suite Poesie mit Virtuosität, Julien Monty macht in der zweiten die Erdanziehungskraft spürbar. Die zarte Marie Goudot entpuppt sich in der dritten Suite als wahrer Wirbelwind. Bostjan Antoncic verlängert die Sätze der vierten Suite teilweise wesentlich durch seinen Tanz.

Anne Teresa De Keersmaeker, zuvor nur bisweilen als Tanzpartnerin involviert, gestaltet Teile der düsteren fünften Suite fast in vollkommener Dunkelheit. Der Schluss gehört dem in sich ruhenden, mitten auf der Tanzfläche sitzenden Cellisten Jean-Guihen Queyras allein, der die Musik auch hier mit feiner, leichter Tongebung zum Ereignis macht. Zur strahlenden letzten Suite geht dann das Licht an - und alle fünf Tänzer erleben eine gemeinsame „Auferstehung“.

Termine: 29. / 30. / 31. 8.; Karten: Tel. (0221) 28 02 10.