Chorwerk Ruhr faszinierte mit "Memoria"

Ruhrtriennale

Gerne wird die Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund eine „Kathedrale der Industriekultur“ genannt. Ein Klischee? Nein. Die Halle klingt tatsächlich wie ein Dom. Das Chorwerk Ruhr präsentierte bei der Ruhrtriennale dort am Wochenende drei Mal ein Programm, das perfekt für den Raum war: eine Gegenüberstellung von Renaissancemusik und Neuer Musik. Schön, dass der fantastische Raum endlich wieder Spielort des Festivals ist.

DORTMUND

, 27.08.2017, 13:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
Chorwerk Ruhr faszinierte mit "Memoria"

Das Chorwerk Ruhr mit den Musikern in Morton Feldmans „Rothko Chapel“

In der Mitte der Halle stand der 24-stimmige, vorzügliche Chor, der ein Aushängeschild der Region ist. Und im Raum stand der Klang, denn in diesem „Memoria“-Programm kam es weniger auf Rhythmus und Melodie an als auf Akkorde und Klangfarben.

Selbst die Texte sind im „Officium Defunctorum“ vom spanischen Renaissance-Komponisten Tomás Lucia de Victoria 1603 zum Tod von Kaiserin Maria komponiert, nicht so wichtig wie der Klang, den der Chor unter Leitung von Florian Helgath blitzsauber gesungen zelebrierte. Eine schlichte, aber tiefe Eindringlichkeit hat das 40-minütige, abwechslungsreiche Werk.

"Four" von John Cage

Mit diesen Klängen im Ohr hörte das Publikum das knappe Chorwerk „Four“ von John Cage anders. Aus nur 19 Tönen, die die Sänger zu statischen Dreiklängen zusammensetzten, besteht das siebenminütige Werk des vor 25 Jahren verstorbenen Avantgardisten. Theatralisch, im Dunkeln, inszenierte Helgath das Stück, ohne dirigieren zu müssen: Die 24 Sänger saßen im Publikum, standen auf, um die kurzen Vokalfolgen zu singen – ein Erlebnis für das Publikum, wenn der Nachbar plötzlich ein Solist ist.

"Rothko Chapel" von Feldman

Morton Feldmans A-cappella-Chorwerk „Christian Wolff in Cambridge“ war danach mit nur 16 Akkordfolgen noch puristischer, aber Feldmans „Rothko Chapel“ mit Bratsche (Axel Porath), Celesta (Sebastian Breuing), Schlagwerk (Dirk Rothbrust) und zwei Chorsolistinnen schlug als Klangfarben-Spiel am Schluss perfekt den Bogen zu der Renaissancemusik des ersten Konzertteils. Ein anregender, kluger Abend.