"Clockwork Orange" als Spektakel zur Hirn- und Gewaltforschung

Grillo-Theater Essen

Durch Umarmungen lässt sich die Empathiefähigkeit steigern, und der größte Teil des Premieren-Publikums im Essener Grillo-Theater macht in Herrmann Schmidt-Rahmer's "Clockwork Orange"-Inszenierung bereitwillig mit und umschlingt den Nachbarn.

ESSEN

von Von Britta Helmbold

, 08.04.2013, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Daniel Christensen als Wissenschafts-Guru.

Daniel Christensen als Wissenschafts-Guru.

Daniel Christensen gibt den Wissenschafts-Guru in der dokumentarischen Performance. Mit dem Vortrag von "Dr. Love", dem Neuroökonomen Paul Zak, beginnt "Clockwork Orange".

Anthony Burgess' Roman, der mit Stanley Kubricks Verfilmung Kultstatus erreichte, nutzt der Regisseur als Vorlage, um das Publikum auf den neusten Stand der Hirn- und Gewalt-Forschung zu bringen, und um Fragen nach dem freien Willen und der Menschenoptimierung zu diskutieren. So bleibt in seiner "Science Lecture", die diverse Erklärungsmodelle für Gewalt liefert, wenig vom Originaltext übrig.

Hooligan und Obdachloser Die Roman-Figur Alex, die nach Gewalt-Exzessen geschnappt und medizinisch optimiert wird, steht in dieser Inszenierung für den jugendlichen Brutalo in all seinen Ausformungen. Die Schauspieler wechseln die Rollen zwischen Hooligan, religiös-animiertem Kämpfer, Obdachlosem - und geben im therapeutischen Sozialarbeiter-Vokabular Erklärungen für ihr aggressives Verhalten.Versuchsreihe mit Experimenten Ein Ehepaar wird gequält, ein Stuhl zertrümmert, dabei werden sie von den Wissenschaftler-Darstellern beobachtet.

Ergänzt wird diese Versuchsreihe durch Experimente, beispielsweise zur Messung von Frühindikatoren für Gewalt, und auch die medizinische Behandlung, die aus Alex einen besseren Menschen machen soll, fehlt nicht.Gelegenheit für Tom Gerbers Arzt, Möglichkeiten der Neurobiologie zu erläutern. Viel Applaus für zwei Stunden Wissenschafts-Spektakel.

Termine: 11./20./24.4.; Karten: Tel. (0201) 812 22 00.

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