Clooneys "Monuments Men" hat Verbindung zu Kunstfund

Die Raubkunst-Jäger

Als hätte Hollywood es geplant. Ganz Deutschland diskutiert über den verdächtigen Schatz von 1400 Kunstwerken, der in der Münchner Wohnung des Sammlers Cornelius Gurlitt gefunden wurde. Raubkunst oder nicht? Gleichzeitig hat Hollywood-Star George Clooney seinen Film "Monuments Men" abgedreht - in dem es ausgerechnet um die Jagd auf Nazi-Raubkunst geht.

DORTMUND

von Von Bettina Jäger

, 08.11.2013, 21:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frank Stokes (George Clooney, vorne l.) und James Granger (Matt Damon, vorne rechts) gehören im Film zu den »Monuments Men« - jener Sondereinheit der Alliierten, die im Zweiten Weltkrieg Raubkunst aufspürte.

Frank Stokes (George Clooney, vorne l.) und James Granger (Matt Damon, vorne rechts) gehören im Film zu den »Monuments Men« - jener Sondereinheit der Alliierten, die im Zweiten Weltkrieg Raubkunst aufspürte.

Ein Zufall, aber einer von der spannenden Sorte. Schon seit März 2013 hatten George Clooney und sein 300-köpfiges Team - darunter die Schauspiel-Stars Matt Damon und Cate Blanchett - an über 40 Drehorten in Deutschland gearbeitet. Berlin, Potsdam, Goslar, Halberstadt, Osterwieck, Merseburg und ein Bergwerksstollen in Bad Grund (Harz) waren dabei.Neuschwanstein nacgebaut In den Studios Babelsberg baute die Filmcrew das Schloss Neuschwanstein in Teilen nach. Clooney führte Regie und spielte die Hauptrolle des George Stout, der im Film Frank Stokes heißt. Bis Juni war dann alles im Kasten. Am 20. Februar 2014 kommt der Film "The Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" in die deutschen Kinos.

Der Film, der gestern zur 64. Berlinale eingeladen wurde, erzählt ein zu Unrecht vergessenes Kapitel des zweiten Weltkriegs. Die Monuments Men waren ein Sondereinheit der Alliierten. Sie waren mies ausgerüstet, trugen oft dicke Brillen statt Sturmgewehr und waren "in der Befehlskette so weit unten angesiedelt, dass man es kaum noch wahrnehmen konnte", wie der US-Autor Robert M. Edsel später schrieb.Mission: Kunst schützen Es waren Künstler, Kuratoren, aber auch Söhne von Farmern. Ihre Mission: Kunstwerke und historische Gebäude (auch deutsche!) schon während des Krieges zu schützen, den Nazis geraubte Meisterwerke zu entreißen und an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. So etwas hatte es nie zuvor gegeben - und leider auch danach nie mehr, obwohl eine solche Einheit zum Beispiel im Irak-Krieg viele Zerstörungen hätte verhindern können.

Erst der amerikanische Autor Robert M. Edsel veröffentliche 2009 nach 13-jährigen Recherchen das Buch "Monuments Men", das die unglaublich spannende Kunst-Jagd der amerikanischen und britischen Soldaten im und nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt - vor allem nach dem Genter Altar, den die Nazis von Belgien nach Bayern verschleppten.Aus Frankreich gestohlen Die Monuments Men fanden dieses überaus kostbare Werk schließlich inmitten von 6577 Gemälden im Salzbergwerk Altaussee, dessen Eingänge gesprengt worden waren. Zuvor hatte bereits der Monuments Man James Rorimer im Schloss Neuschwanstein 21 000 Objekte wiedergefunden, die aus Frankreich gestohlen worden waren.

Fünf Millionen Kunstwerke konnten die Monuments Men zurückgeben. Zwei Männer der Einheit wurden während des Krieges getötet. Als die Kunstfachleute später in ihre Heimat zurückkehrten, übernahmen sie meist die Leitung berühmter Museen - darunter des "MoMa" in New York oder des British Museum in London. Der Monuments Man Lincoln Kirstein gründete (mit George Balanchine) das später weltberühmte New York City Ballet.Hochaktueller Thriller

"Der Fall Gurlitt verdeutlicht, wie hochaktuell George Clooneys spannender Kunstraub-Thriller ist und dass das Thema Schutz von Kunst und Kultur auch heute noch bewegt", sagte gestern Vincent de La Tour, Geschäftsführer der 20th Century Fox. Tatsächlich gibt es eine enge Verbindung mit dem aktuellen Fall Gurlitt, die jedoch im Film nicht vorkommt. Die "Süddeutsche Zeitung" fand heraus, dass die Monuments Men den Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt - er war der Vater des (verschwundenen) Münchner Sammlers Cornelius Gurlitt - 1945 vernommen hatten. Es ging dabei jedoch, so berichtete die Zeitung, nicht um die in München entdeckten Bilder.Faire Preise

200 Werke aus Gurlitts Besitz lagerten nach dem Krieg im "Central Collecting Point" der Einh

eit in Wiesbaden. "Die Erwerbungen in Paris waren vollkommen normal", beteuerte Gurlitt in den Vernehmungen. Er habe faire, sogar überdurchschnittliche Preise bezahlt. Die Offiziere waren skeptisch, gaben einen Teil der Bilder aber 1950 heraus. Der Verdacht auf Raubkunst hatte sich nicht erhärtet. Was aus Frankreich und den Niederlanden stammte, musste Hildebrand Gurlitt damals allerdings zurückgeben.

 

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