Collagen aus einer Kindheit im Krieg

Kunstmuseum Mülheim

Im Kunstmuseum Mülheim hat die Künstlerin Franek unter dem Titel "Franek - Als die Soldaten Schäfer waren" ein Erinnerungskaleidoskop geschaffen. Malerei, Objekte und Artefakte erinnern an ihre Kindheit während des Zweiten Weltkriegs und spannen einen Bogen zur Aktualität.

MÜLHEIM

, 05.01.2016 / Lesedauer: 2 min
Collagen aus einer Kindheit im Krieg

Marlerein von Franek zeigen Lückenhafte Erinnerungen an eine Kindheit im Zweiten Weltkrieg in Verbindung mit zeitgenössischen Kriegsbildern. Hier: Palmyra Zenobia

Franek - ihr bürgerlicher Name ist Sabine Franoschek - wurde am 1. September 1939 in Mülheim in eine Welt geboren, in der gerade der Zweite Weltkrieg ausbrach. Von ihrer Kindheit in den Kriegsjahren und in der Zeit danach spricht sie dennoch positiv: "Kindheit ist immer ein Paradies", sagt die 79-Jährige.

Diese Sichtweise reflektieren ihre collagenhaften, meist hellen Bilder. Ein kleines Mädchen mit blonden Haaren taucht oft darauf auf. Sabinchen heißt es - und es stellt Franek selbst dar. Mal mit ihrer Schultüte an einem Brunnen. Mal von Schafen umgeben auf einer Schaukel - Franek stellte sich ihren Vater, den Soldaten, der nie zuhause war, als Schäfer vor.

Kindheit in den 40ern

Aus Erinnerungen an die Kindheit in den 40er- und 50er-Jahren entstanden, haben die Bilder doch einen Bezug zur heutigen Zeit. Gemalt hat Franek sie 2013 und 2014, zu einer Zeit, als unter anderem in der Ukraine und in Syrien schon Krieg herrschte.

Die 79-Jährige projiziert zum Beispiel ihren Bruder mit Augenklappe auf den Majdan, den Unabhängigkeitsplatz in Kiew. So entstehen Collagen aus dem Damals und dem Heute.

Erinnerungsbilder

"Diese Bilder bilden eine spezielle Werkgruppe. Ich mache nur selten politische Arbeiten", sagt Franek. Außerdem sei sie eigentlich kein Realist, der die Gegenwart spiegelt. Obwohl sie dies nun tut, sind ihre Bilder nicht plakativ, nicht illustrativ. Es bleiben Erinnerungsbilder, die eine subjektive Sicht zeigen und Lücken aufweisen - und Raum für die Gedanken des Betrachters geben.

Subtexte ergänzen die Bilder, die auch für sich sprechen, wie die Künstlerin betont - normalerweise erläutere sie ihre Bilder nicht weiter. Auch Bricolagen hat Franek geschaffen sowie in einem Schaukasten Artefakte wie Fotos oder Teekannen gesammelt. Und dann gibt es noch das Buch "Franek - Als die Soldaten Schäfer waren", in dem Franek ihre Kindheit beschreibt und das die Grundlage für die Bilder war.

: "Franek", bis 7. Februar 2016, Synagogenplatz 1, Di - Do 11 bis 18 Uhr, Eintritt 4 (ermäßigt 2) Euro, Künstlerinnenbuch 34,95 Euro.