Corona-Erkrankung: Boris Johnson auf Intensivstation verlegt

Großbritannien

Ende März war bekanntgeworden, dass sich der britische Premier Boris Johnson mit dem Coronavirus infiziert hat. Nun wurde ins Krankenhaus eingewiesen - und muss verstärkt betreut werden.

London

07.04.2020, 06:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wird auf der Intensivstation behandelt: Boris Johnson.

Wird auf der Intensivstation behandelt: Boris Johnson. © picture alliance/dpa

Der mit dem neuen Coronavirus infizierte britische Premierminister Boris Johnson ist auf die Intensivstation verlegt worden. Er sei bei Bewusstsein und brauche derzeit kein Beatmungsgerät, teilte Johnsons Büro am Montagabend mit. „Über den Nachmittag hat sich der Zustand des Premierministers verschlechtert und, auf Anraten seines Ärzteteams, wurde er auf die Intensivstation des Krankenhauses verlegt.“

Der Premierminister war am Sonntag ins Krankenhaus St. Thomas in London eingewiesen worden - zehn Tage nach einer Diagnose mit der Erkrankung Covid-19. Johnson beauftragte Außenminister Dominic Raab, sein Stellvertreter zu sein.

Optimistischer Tweet von Johnson

Wenige Stunden vor der Nachricht seines Büros hatte sich Johnson selbst eher optimistisch bei Twitter geäußert. „Ich bin guter Laune und in Kontakt zu meinem Team, während wir gemeinsam daran arbeiten, das Virus zu bekämpfen und jeden in Sicherheit zu bewahren“, schrieb er. Auf Ratschlag seiner Ärzte lasse er Routineuntersuchungen vornehmen. Welche das genau seien, blieb jedoch unklar.

Nach Angaben eines Regierungssprechers litt er unter Fieber und Husten. Einige britische Medien schreiben hingegen von einer schweren Erkrankung der Lunge; Johnson wurde demnach bereits beatmet. Er habe Außenminister Dominic Raab damit beauftragt, ihn zu vertreten, wo es notwendig sei, hieß es in einer offiziellen Mitteilung der Downing Street. „Der Premierminister ist in hervorragenden Händen und dankt allen Mitarbeitern des (Gesundheitsdiensts) NHS für ihre harte Arbeit und ihr Engagement.“ Medienberichten zufolge ist Johnson bei Bewusstsein.

Der 55-Jährige war zunächst in seinem Amtssitz in der Downing Street in Quarantäne gegangen, nachdem bei ihm am 26. März eine Infektion festgestellt worden war. Weil die Symptome aber nicht aufhörten, kam er am Sonntagabend ins Krankenhaus. Schon seit Freitag wuchsen die Sorgen über seine Gesundheit. Da hatte er in einer Online-Botschaft gesagt, er fühle sich zwar besser, aber Fieber habe er immer noch.

Während Johnson am Sonntag im Krankenhaus aufgenommen wurde, hielt Königin Elizabeth II. eine Fernsehansprache an ihre Landsleute. Die 93 Jahre alte Queen rief die Öffentlichkeit zum Durchhalten auf. Bürgerinnen und Bürger sollten dem Ratschlag folgen, in ihren Wohnungen und Häusern zu bleiben.

Anfang März hatte Johnson mit Händeschütteln geprahlt

Noch Anfang März hatte der Premierminister damit geprahlt, dass er Menschen in einem Krankenhaus, darunter Covid-19-Patienten, die Hände geschüttelt habe. Das werde er auch weiterhin tun, sagte er damals.

„Meine Gedanken sind beim Premierminister und bei seiner Familie - ich sende ihm alle guten Wünsche“, twitterte die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon. Finanzminister Rishi Sunak teilte ebenfalls per Twitter mit, seine Gedanken seien bei Johnson und dessen schwangerer Verlobter Carrie Symonds.

Auch Symonds verbrachte eine Woche mit Symptomen der Lungenkrankheit im Bett. Das Paar hatte Ende Februar seine Verlobung bekanntgegeben. Das Baby soll im Frühsommer auf die Welt kommen.

Die britische Regierung steht im Kampf gegen die Pandemie unter erheblichem Druck: Durch einen Schlingerkurs verlor sie wertvolle Zeit, um den Ausbruch einzudämmen. Im chronisch unterfinanzierten Gesundheitsdienst NHS (National Health Serice) gibt es zudem nicht genügend Tests, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte. Erste Kliniken meldeten britischen Medien zufolge sogar einen Mangel an Sauerstoff für die Beatmung der Lungenkranken.