Corona-Exit: Spahn will Klinikbetrieb schrittweise lockern

Corona

Seit Mitte März werden in Krankenhäusern wegen der Corona-Pandemie keine zwingend notwendigen Operationen mehr durchgeführt. Nach dem Willen von Jens Spahn sollen die Beschränkungen gelockert werden.

Berlin

28.04.2020, 08:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht im Bundestag.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht im Bundestag. © picture alliance/dpa

Angesichts des abgeschwächten Verlaufs der Corona-Pandemie in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Länder aufgefordert, in den Krankenhäusern weniger Intensivbetten als bisher für die Behandlung von Infizierten vorzuhalten und die Kliniken schrittweise wieder für die Versorgung anderer Patienten zu öffnen.

Die Entwicklung bei den Neuinfektionen lasse es zu, ab Mai einen Teil der Krankenhauskapazitäten auch wieder für planbare Operationen zu nutzen, heißt es in einem Konzept Spahns, das er am Montag an seine Ressortkollegen aus den Ländern verschickt hat. Es liegt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vor.

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Seit Mitte März haben die Kliniken deutschlandweit alle medizinisch nicht zwingend notwendigen planbaren Aufnahmen und Operationen verschoben, um für die Behandlung von Corona-Patienten vorbereitet zu sein.

In dem Konzept Spahns heißt es, die in den Klinken geschaffenen Kapazitäten für die Versorgung von Covid-19-Erkrankten würden aktuell nicht vollständig genutzt, obwohl in der Woche nach Ostern der erste Höhepunkt des intensivmedizinischen Bedarfs in der ersten Welle der Corona-Epidemie erreicht worden sei. Weil die Zahl der Neuinfektionen derzeit nur linear ansteige, könne auch für die Kliniken schrittweise ein neuer Alltag entwickelt werden.

„Dies ist wichtig, da auch das Verschieben von dringlichen Eingriffen, etwa bei Tumoren, oder von planbaren Operationen, etwa zum Hüftersatz, für die betroffenen Patienten gesundheitliches und seelisches Leid nach sich ziehen“, so der Minister.

Spahn mahnt: Bei Notfällen zum Arzt

Zudem gebe es Anzeichen, dass Patienten selbst bei Notfällen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen keine ärztliche Hilfe mehr in Anspruch nähmen. „Dies führt zu einer Verschlechterung der Versorgung in Deutschland insgesamt“, beklagte Spahn.

„Bürgerinnen und Bürger müssen neu dafür sensibilisiert werden, dass sie bei solchen Notfällen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Die Angst vor einer Corona-Infektion darf hier nicht überwiegen“, mahnte der CDU-Politiker.

Konkret empfiehlt Spahn den für die Krankenhäuser zuständigen Ländern, dass die Kliniken bis auf weiteres nur noch 25 statt bisher 50 Prozent der Intensivbetten für Covid-19-Patienten frei halten sollen. Die OP-Kapazitäten sollen in einem ersten Schritt zu 70 Prozent für planbare Operationen geöffnet werden.

Die Rate soll dann in Abhängigkeit vom Infektionsverlauf alle zwei Wochen um zehn Prozent angehoben werden. Auch die Reserve bei den Intensivbetten soll je nach Pandemie-Entwicklung schrittweise heruntergefahren werden.


„Priorisierung weiter erforderlich“

Um zu klären, welche Patienten nun dank der freien Kapazitäten behandelt werden sollen, hat Spahn mehrere medizinische Fachgesellschaften um einen Kriterienkatalog gebeten.

„Eine Priorisierung ist aufgrund der weiterhin beschränkten Kapazitäten erforderlich“, heißt es zur Begründung. Nach den bereits vorliegenden Empfehlungen der ärztlichen Gesellschaften sollen beispielsweise Operationen bei schnell fortschreitenden Erkrankungen bevorzugt werden.

In Frage kommt daher insbesondere die Behandlung von Krebskranken. Die konkreten Entscheidungen sollten jedoch im Einzelfall vor Ort getroffen werden, heißt es in dem Konzept Spahns.

Dazu solle in jedem Krankenhaus ein interdisziplinäres Team aus allen operativen Disziplinen, Anästhesisten sowie der Pflege gebildet werden. Empfohlen wird außerdem, jeden aufzunehmenden Patienten auf das Corona-Virus zu testen und ihn auf das mögliche Infektionsrisiko hinzuweisen.