Corona-Fälle bei Tönnies: Drastische Folgen für Schweine-Mäster drohen

rnFleischindustrie und Corona

Erst Westfleisch, jetzt Tönnies: Die Corona-Ausbrüche auf Schlachthöfen werfen erneut ein düsteres Bild auf die Branche. Das geht natürlich auch an den Landwirten nicht spurlos vorbei.

von Sven Kauffelt

Borken

, 30.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die massenhaften Corona-Ausbrüche auf Schlachthöfen von Westfleisch und Tönnies werden ein düsteres Bild auf die Branche. Darunter leider auch die Landwirte, die ihre Tiere jetzt nur noch sehr schwer den Mann bringen können. Etwas, das für viel Frust sorgt, denn der Druck steigt auf den Höfen.

„Die müssen ihre Hausaufgaben machen“, sagt Ludger Schulze Beiering in Richtung der Fleisch verarbeitenden Industrie. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes hat selbst Schweine im Stall, 2000 im Moment, und die landen üblicherweise bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück.

Rückkehr zum „Normalbetrieb“ ist für Landwirte wichtig

„Wir“, sagt der Weseker stellvertretend für seine Berufskollegen, „wünschen uns natürlich bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter in den Schlachthöfen.“ Die Gesundheit stehe an erster Stelle, erklärt Schulze Beiering, fordert aber auch, dass die Schlachthöfe „so schnell wie möglich wieder in den Normalbetrieb zurückkehren“. Denn je länger die Schließung bei Tönnies dauere, desto größer werde der Druck auf den Höfen.

Schweinemast ist ein tagesscharf geplantes System

„Im Moment läuft noch alles“, sagt Markus Weiß, Sauenhalter aus Gemenwirthe. Er werde über einen Viehhändler, mit dem er zusammenarbeitet, seine Tiere weiterhin los, aber es zeichne sich ein Rückstau ab. Für die reduzierten Schlachtkapazitäten sind zu viele Tiere auf dem Markt. Und die werden unterdessen immer fetter.

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Die Schweinemast ist ein tagesscharf geplantes System, das auf einen engen Zeitkorridor hinausläuft, in dem die Tiere das optimale Schlachtgewicht haben. Mit jedem Tag nehmen die Tiere dann schnell weiter zu – und der Schlachter sie nicht mehr ab, wenn sie zu fett sind.

Eine neue Schließung soll verhindert werden

Im Moment seien die Abnehmer etwas kulanter, sagt Stefan Nießing, Geschäftsführer von AgriV in Burlo. Niemand schlägt in der Region so viel Schweine um wie er: 400.000 Stück holen die AgriV-Lkw jedes Jahr von den Höfen der Genossenschaftsmitglieder ab. Normalerweise werden die dann in Bochum, Coesfeld, Erkenschwick und Gelsenkirchen geschlachtet.

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Der Schlachthof in Bochum war zeitweise auch geschlossen. Vorsorglich, betont Nießing. Und in Coesfeld werde zwar wieder geschlachtet, aber weniger als sonst. „Westfleisch will Corona um jeden Preis aus dem Betrieb halten“, erklärt Nießing. Eine neue Schließung soll unbedingt verhindert werden. Nun würden die Abstände zwischen den Mitarbeitern penibel eingehalten.

Viel weniger Schweine können geschlachtet werden

Die Folge: „Statt sonst 9000 Schweinen pro Tag können jetzt vielleicht 6000 bis 7000 geschlachtet werden.“ Die Händler versuchen daher, anderswo ihre Tiere loszuwerden. „Im Moment geht das noch, aber dazu müssen wir Gott und die Welt in Bewegung setzen“, so Nießing. Einen kleineren Teil nimmt Tönnies in seinen anderen Standorten ab, „wir haben aber auch schon Tiere bis rauf nach Hamburg gefahren“.


Markus Weiß will nicht meckern. „Andere trifft es im Moment härter als uns“, sagt er. „Aber ich mache mir Sorgen, wenn sich der momentane Rückstau weiter fortsetzt.“ Dann bliebe er auf seinen Schweinen sitzen, denn: „Wir können die Produktion nicht einfach stoppen wie in anderen Branchen. Das ist ein geschlossener Zyklus.“

Es gibt noch viel zu diskutieren

Natürlich, sagt Weiß, muss man über Lehren aus dieser Krise diskutieren. „Das Thema Werkverträge ist ja nicht neu“, betont er, er wisse aber auch nicht, ob es hilft, diese zu verbieten. „Das gibt es in anderen Branchen ja auch.“ Klar sei, dass es „vernünftige Arbeitsbedingungen“ in den Betrieben geben müsse.


„Die Politik sollte jetzt aber auch nicht gnadenlos übers Ziel hinausschießen“, appelliert er. Es helfe nicht, „immer weiter auf Clemens Tönnies einzuschlagen“. Die Erwartung der Landwirte ist, dass die Probleme in den Schlachthöfen schnell gelöst werden – und der Betrieb so bald wie möglich wieder hochgefahren wird.

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