Corona-Hotspot Ischgl: Vier Musterklagen gegen Republik Österreich eingereicht

Coronavirus

Etliche Urlauber haben sich im Skiort Ischgl mit dem Coronavirus infiziert. Ein Verbraucherschutzverein hat nun vier erste Musterklagen gegen die Republik Österreich eingereicht.

Wien

23.09.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zu Beginn der Corona-Pandemie ist der österreichische Skiort Ischgl zu einem der ersten Corona-Hotspots geworden.

Zu Beginn der Corona-Pandemie ist der österreichische Skiort Ischgl zu einem der ersten Corona-Hotspots geworden. © picture alliance/dpa

Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich im Skiort Ischgl mit dem Coronavirus infiziert haben, klagen gegen die Republik Österreich und das Land Tirol. Am Mittwoch hat ein österreichischer Verbraucherschutzverein beim Landgericht Wien die ersten Muster-Klagen eingereicht. Es geht um Schadenersatz und die Anerkennung von Folgeschäden. Details wurden bei einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag bekanntgegeben.

Nach Darstellung des Vereins haben die Verantwortlichen zu spät und nicht umfassend genug auf den Ausbruch des Virus reagiert. Der Gründer und Obmann des Verbraucherschutzvereins, Peter Kolba sagte: „Mitte März haben wir uns entschieden, für die Geschädigten Touristen einzutreten.“ Insgesamt hätten sich 6000 Menschen aus 45 Staaten bei dem Verein gemeldet. Mehr als 1000 Personen davon haben den Verbraucherschutzverein bevollmächtigt, sie strafrechtlich zu vertreten.

Zwei Deutsche klagen ebenfalls gegen Österreich

Nun hat der Verein die ersten vier Musterklagen gegen die Republik Österreich. In einem Fall klagen die Hinterbliebenen eines Verstorbenen. Auch zwei Deutsche sind unter den Musterklagen. Diese seien heute noch in Behandlung und könnten weitere Spätfolgen davontragen, erklärt Rechtsanwalt Alexander Klauser und führt weiter aus: „Primär wollen die Geschädigten, dass sich die österreichischen Behörden entschuldigen. Dazu braucht es eigentlich nicht den Rechtsweg. Wir klagen auf Schadensersatz, hauptsächlich Schmerzensgeld, und auch weitere Entschädigungen wie Verdienstausfälle und letztlich auch auf die Haftung für künftige Schäden.“ Die vierte Klage kommt von einer Person, die einen milderen Krankheitsverlauf nach der Infektion mit Covid-19 hatte.

In naher Zukunft möchte der Verbraucherschutzverein weitere Musterprozesse einbringen. Eine Sammelklage mit über 1000 Klägern sei laut Kolba aber nur der zweitbeste Weg. „Wenn es gelingt, eine Sammelklage einzubringen, dauert es bis zu einem Ergebnis wahrscheinlich zehn Jahre oder länger“, erklärt der Vereinsobmann.

Suche nach Prozessfinanzierern

Der beste und kürzeste Weg sei es, sich an einen runden Tisch zu setzen, sich zu entschuldigen und Schadenersatz anzubieten. „Wir haben einen offen Brief an Kanzler Sebastian Kurz verfasst“, sagt Kolba. Wenn dieser ungehört bleibe, werde es weitere Musterklagen geben und später möglicherweise eine Sammelklage.

Der Verbraucherschutzverein sucht derzeit noch nach Prozessfinanzierern, die das Kosten-Risiko bei einem Scheitern der Klage übernehmen. Bei einem Erfolg werden diese am Gewinn beteiligt.

RND

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