Corona, Kita-Plätze, Gesetzesreform: Alle Infos zum neuen Kita-Jahr

Kita

Viele Kinder starten neu in die Kindergartenzeit, andere sind schon „alte Hasen“, aber für alle gilt: Corona bringt den Alltag durcheinander. Was Eltern zum Start des Kita-Jahres wissen sollten.

Düsseldorf

31.07.2020, 05:22 Uhr / Lesedauer: 3 min
Für Hunderttausende Kinder in NRW beginnt an diesem Montag das neue Kindergartenjahr. Sie und ihre Eltern müssen sich in der Corona-Pandemie weiterhin auf Einschränkungen einstellen.

Für Hunderttausende Kinder in NRW beginnt an diesem Montag das neue Kindergartenjahr. Sie und ihre Eltern müssen sich in der Corona-Pandemie weiterhin auf Einschränkungen einstellen. © picture alliance/dpa

Für Hunderttausende Kinder in Nordrhein-Westfalen beginnt an diesem Montag das neue Kindergartenjahr. Sie und ihre Eltern müssen sich in der Corona-Pandemie weiterhin auf Einschränkungen einstellen - doch spürbare Lockerungen sind bereits in greifbarer Nähe. Bereits zum 17. August ist die Rückkehr zum Regelbetrieb geplant.

Wissenswertes rund um das neue Kindergartenjahr in NRW: Gibt es inzwischen mehr Kita-Plätze in NRW?

Zum Start des Kita-Jahres stehen mit etwa 729 300 Betreuungsplätzen rund 18 480 mehr Plätze zur Verfügung als bisher. Ein Großteil der Kinder wird in Kindertageseinrichtungen versorgt, etwa 69 200 Plätze entfallen auf die Kindertagespflege. Dort werden überwiegend Kinder jünger als drei von Tagesmüttern betreut. Nach Auskunft des Familienministeriums haben damit 39,8 Prozent der unter dreijährigen Kinder einen Betreuungsplatz. Bei den älteren Kindergartenkindern habe der fortlaufende Ausbau bewirkt, dass nun mehr als die Hälfte einen Ganztagsplatz hat. Der Rest habe meist einen 35-Stunden-Platz, der in der Regel auch eine Übermittagsbetreuung sicherstelle.

Wie ist die Personalausstattung?

In den NRW-Kitas wurden laut Statistischem Bundesamt zuletzt 138 000 Beschäftigte gezählt (Stand: März 2019). Je nach Altersgruppe liegt der Betreuungsschlüssel damit statistisch gesehen in den Unter-Dreijährigen-Gruppen bei einer Vollzeitkraft pro 3,7 Kinder. In Gruppen mit den eher Älteren kümmert sich eine Erzieherin im Schnitt um 7,9 Kinder. Die Branche klagt weiter über einen Fachkräftemangel - zuletzt bezifferte die Bertelsmann-Stiftung für NRW eine Lücke von 15 000 Erzieherinnen und Erziehern.

Was bringt die Reform des Kita-Gesetzes?

Mit dem neuen Kitajahr greift zum Monatsanfang auch die Reform des Kinderbildungsgesetzes, als „Kibiz“ bekannt. Für die Einrichtungen bringt das zunächst mal mehr Geld. Laut Familienministerium stehen für Kinderbetreuung 1,3 Milliarden Euro mehr zur Verfügung - das Geld soll die Qualität verbessern, für eine bessere Finanzierung des Personals sorgen und Eltern durch ein weiteres beitragsfreies Jahr entlasten.

Wird jetzt alles besser?

Die Gewerkschaften warnen vor zuviel Hoffnung auf tatsächliche Verbesserungen der Qualität: „Die Reform beendet zwar die jahrelange strukturelle Unterfinanzierung des Systems, aber wirkliche Verbesserungen der pädagogischen Arbeit können wir so nicht erreichen“, sagt Barbara Nolte vom Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). Die Finanzierung sei weiter nicht auskömmlich für alles was Erzieherinnen leisten: „Konzeptarbeit, Elterngespräche, Entwicklungsdokumentation gehören zur täglichen Arbeit - diese Aufgaben werden aber nicht ausreichend berücksichtigt“, sagt sie.

Ihre Kollegin von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW NRW), Joyce Abebrese, ergänzt: Urlaubszeiten, Krankheiten und Fortbildungen seien ebenfalls in den Personalschlüsseln nicht berücksichtigt. Die Folge: „Wenn jemand ausfällt, ist das System sehr schnell am Ende“. Corona verschärfe die Lage folglich noch deutlich.

Wie verändert die Pandemie den Kita-Betrieb bislang?

Seit knapp zwei Monaten haben die Einrichtungen wieder für alle Kinder geöffnet - allerdings mit reduzierten Betreuungszeiten von zehn Stunden pro Woche weniger für jedes Kind. Damit soll noch bis zur Wiederaufnahme des Regelbetriebs in zwei Wochen aufgefangen werden, dass durch die Corona-Pandemie bei höherem Aufwand weniger Personal zur Verfügung steht. Eine erhebliche Umstellung sowie höheren Personalaufwand bedeutet auch die noch geltende Vorgabe, die einzelnen Gruppen strikt voneinander getrennt zu halten. Offene Konzepte mit gruppenübergreifendem Spielen oder flexiblem Einsatz von Erzieherinnen in Randzeiten kommen derzeit noch nicht wieder zur Anwendung. Diese Phase des „eingeschränkten Regelbetriebs“ soll aber früher als bislang geplant schon zum 17. August enden. Mit dem Regelbetrieb haben Eltern wieder Anspruch auf volle Betreuungszeit, die strikte Gruppentrennung wird aufgehoben.

Wie bleibt Corona denn spürbar?

„Dies bleibt ein Regelbetrieb in der Pandemie“, betont Familienminister Joachim Stamp (FDP). Erzieherinnen erhalten die Möglichkeit, sich alle zwei Wochen freiwillig testen zu lassen und auch in den Kitas müsse getan werden, was möglich ist, Infektionsrisiko zu minimieren. Doch Abstandsregeln und Mundschutzpflicht sind bei den Kleinsten nicht umsetzbar.

Deshalb sei umso wichtiger, dass strikt auf die übrigen Hygieneempfehlungen geachtet werde: Diese sehen etwa eine gründliche und häufigere Reinigung von Flächen, Spielzeug, Türklinken und Sanitärräumen vor. Der Minister hat daher kurzfristig mehr als 105 Millionen bereitgestellt für Helfer, die solche Hilfsarbeiten übernehmen können, und deren Schulungen. Das Programm läuft gerade erst an, ist aber bis Jahresende befristet.

Müssen Erwachsene einen Mundschutz tragen?

Was für den Umgang mit und zwischen Kindern gilt, gilt nicht, wenn sich in der Kita Erwachsene begegnen: Können sie den Abstand zueinander nicht einhalten, müssen Mund und Nase bedeckt werden. Das gilt beispielsweise für Eltern, die für die Zeit der Eingewöhnung neuer Kita-Kinder mit in die Einrichtung kommen.

Wie ist der Umgang mit Krankheitssymptomen jetzt geregelt?

Ein krankes Kind gehört nicht in die Kita - diese Regel galt immer und gilt weiter. Doch besondere Vorsichtsmaßnahmen in der Corona-Pandemie hatten für viel Verunsicherung bei Eltern und Erziehern gesorgt. Kritik auch von Ärzten gab es am Betreuungsverbot für Kinder mit jeglichen Symptomen.

Diesen strikten Kurs hat die Landesregierung nun angepasst: Bekannte nicht ansteckende chronische Krankheiten, etwa Asthma, sind ausgenommen worden und auch eine laufende Nase muss kein dauerhaftes Ausschlusskriterium mehr sein: Ein schnupfendes Kind solle 24 Stunden lang beobachtet werden - kommen keine Krankheitsanzeichen dazu und geht es dem Kind gut, kann es auch ohne Attest wieder in die Kita, heißt es in der neu formulierten Empfehlung.

Bei Symptomen, die für eine Corona-Erkrankung darüber hinaus kennzeichnend sein können - wie Fieber oder Atemnot - seien Eltern jedoch in einer besonderen Verantwortung.

dpa

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