Corona-Krise: 3000 Arbeitslose mehr im Kreis Unna als vor einem Jahr

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Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt im Kreis Unna hart getroffen. Im Juli 2020 zählte die Arbeitsagentur fast 3000 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der Kurzarbeiter ist um ein Vielfaches höher.

Kreis Unna

, 30.07.2020, 11:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den steigenden Infektionszahlen durch die Ausbreitung des Coronavirus und dem Lockdown im März und April schnellten auch die Arbeitslosenzahlen und Anträge auf Kurzarbeit in die Höhe. Dieser Trend ist ungebrochen, wie die aktuellen Zahlen für Juli zeigen, die die Arbeitsagentur Hamm am Donnerstag vorlegte.

Demnach waren im Kreis Unna 17.388 Menschen arbeitslos gemeldet – 2958 oder umgerechnet 20,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die meisten neuen Arbeitslosen fallen in den Bereich SGB III, beziehen also Arbeitslosengeld I, nachdem sie krisenbedingt ihren festen Job verloren haben.

Die Zahl der offenen Stellen ist demgegenüber mit 774 im Sinkflug, liegt 22,7 Prozent unter dem Juli-Wert von 2019.

Sommerferien sind ein zweiter Grund für die schlechte Entwicklung

Die Arbeitsagentur nennt neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie den Beginn der Sommerferien als Grund für die schlechte Entwicklung im Juli.

Wie jeden Sommer zeichne sich auch dieser durch Betriebsferien, eingeschränkte Neueinstellungen und auslaufende Verträge aus, erklärt Arbeitsagentur-Chef Thomas Helm. Eine Prognose für den Rest des Jahres gleicht einem Blick in die Glaskugel.

Arbeitsmarkt hängt von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab

Grundsätzlich sei mit zunehmender Auftragslage auch der Bedarf an Fachkräften wieder größer, sagt Helm, schränkt aber gleichzeitig ein: „Vieles wird davon abhängen, welche politischen Entscheidungen nach den Sommerferien getroffen werden, sollten die Infektionszahlen weiter steigen.“ Anders ausgedrückt: Je nachdem, wie heftig eine mögliche „zweite Welle“ ausfällt und je nachdem, welche Einschränkungen für die Wirtschaft damit verbunden sein werden, ist auch der Arbeitsmarkt betroffen.

Kurzarbeit für fast 70.000 Beschäftigte angezeigt

Klar ist: Nie waren mehr Menschen in Kurzarbeit als in der Corona-Krise. Die Arbeitsagentur schreibt dazu in ihrem Monatsbericht, dass seit Anfang März insgesamt 3568 Anzeigen auf Kurzarbeit für 69.811 Beschäftigte eingegangen seien. Damit sind oder waren gut die Hälfte (52 Prozent) aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Unna von Kurzarbeit betroffen.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, also während der Wirtschafts- und Finanzkrise, zeigten knapp 780 Betriebe für rund 16.600 Menschen im Agenturbezirk (Hamm und Kreis Unna) Kurzarbeit an. Aber: Die Zahl der Neumeldungen sei im Juli immerhin stark rückläufig gewesen.

Leichter Rückgang im Bereich des Jobcenters

Überraschend positiv muten in diesen Krisenzeiten die Zahlen des Jobcenters Kreis Unna an: Es meldet für Juli sogar einen leichten Rückgang (-0,4 Prozent) seiner Kunden – ein Indiz dafür, dass die Corona-Pandemie vor allem den ersten Arbeitsmarkt trifft.

Die Veränderung am Arbeitsmarkt erfolge im Bereich des Jobcenters nur langsam, so Geschäftsführer Uwe Ringelsiep. Immerhin hätten im Juli 260 Arbeitslose eine neue Beschäftigung aufgenommen und 317 eine Ausbildung oder eine Fortbildung begonnen.

Einen vergleichsweise geringen Anstieg an Arbeitslosen verzeichnete im Juli die Stadt Bergkamen (+1,7 Prozent bzw. 42 auf 2563). Dagegen legte die Arbeitslosigkeit in Kamen (+3,3 Prozent bzw. 62 auf 1969), Unna (+3,4 Prozent bzw. 74 auf 2279), Holzwickede (+3,6 Prozent bzw. 20 auf 574) und Fröndenberg (+3,6 Prozent bzw. 22 auf 628) jeweils um über 3 Prozent zu.

Den kleinsten Anstieg im Juli gab es in Lünen (+0,9 Prozent bzw. 45 auf 4997), den größten in Werne (+4,2 Prozent bzw. 37 auf 918).

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